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Salzgitter Akten
MUSEUMHAUS AM CHECKPOINT CHARLIE
MAUERMUSEUM
MUSEUM DES WELTWEIEN GEWALTFREIEN KAMPFES FÜR MENSCHENRECHTE
10.08.2006
Zu den Informationen der Pressekonferenz vom 8. August 2006 im
Dokumentationszentrum des Vereins Berliner Mauer
Vor 1990 galt vorrangig die Informationsbeschaffung nach dem Prinzip „Hören-Sagen''
und es standen nur westliche und inoffizielle östliche Informationsquellen zur
Verfügung. Mit der Wende hat sich das grundsätzlich geändert.
Bis heute erreichen uns unvermindert Informationen von Bürgern, Zeugen, Opfern,
Hinterbliebenen und auch Hinweise und Anfragen von Behörden. Allen diesen
Hinweisen gehen wir mittels umfassender Recherche nach. Bisher standen uns dafür
rund 20 Archive im In- und Ausland zur Verfügung. Erst wenn ein Opferhinweis
durch mindestens eine anerkannte Dokumentenquelle belegt ist, findet der Fall
Aufnahme in unsere Opferliste! Aber auch amtliche Dokumente können irren:
Todesmeldungen der DDR-Grenztruppen oder von Hinterlandsorganen erwiesen sich in
einer Reihe von Fällen als falsch, weil Schwerverletzte z.B im Krankenhaus
überlebten. Eine Rückmeldung darüber erhielten die Grenztruppen natürlich nicht.
Das heißt, eine Recherche allein auf Grundlage von Unterlagen der
DDR-Grenztruppen oder des MfS reichen bei weitem nicht aus. Letzteres hat in
vielen Fällen, die vorher nicht „auffällig" wurden, keine Akte angelegt und mit
dem eingetretenen Todesfall wurde das auch nicht mehr notwendig.
Erst im Abgleich mit lokalen, Kreis- und Bezirksarchiven
von Polizei u.a. Organen konnten wir viele dieser Fälle, besonders aus
SalzgitterAkten, klären. Ein Vergleich unserer veröffentlichten Listen
der letzten Jahre verdeutlicht das. Jährlich haben wir Fälle, wie z.B. den Fall
„Klaus-Peter Eich", ausgeschlossen. Da die Zahl neu entdeckter Fälle jedoch
überwog, stiegen unsere Opferzahlen weiter an. Eine Reihe unserer gelisteten
Opfer haben noch keinen Narren, vorrangig jene, die nach Tagen, Wochen oder
Monaten aus Grenzgewässern geborgen wurden. Wir arbeiten daran, diese Namen in
Erfahrung zu bringen.
Bis Mitte der 90er Jahre fanden enge Fall-Abstimmungen zwischen der
„Arbeitsgemeinschaft 13. August" und den zeitweiligen Ermittlungsgruppen (wie
ZERV u. Staatsanwaltschaft) u.a. zuständigen Behördengruppen statt, Bis zu ihrer
Auflösung profitierten diese wesentlich durch den Vorlauf der
„Arbeitsgemeinschaft 13. August' und haben das auch öffentlich anerkannt.
- Wer ist bei uns Opfer von Flucht und Grenzregime?
Jedes Jahr haben wir im Vorspann zum verteilten Pressematerial deutlich
definiert, wen wir als Opfer betrachten. Wir werden auch künftig
Todesfälle (Herzversagen) älterer Personen während der ruppigen Kontrollen in
Grenzübergangsstellen,
so gewarnte Schusswaffenunfälle im Grenzstreifen und während des Grenzdienstes,
Selbstmorde von Grenzsoldaten im Dienst in Erwartung von Disziplinarmaßnahmen
nach Fahnenflucht ihrer Kameraden,
Flüchtlinge, die erfolgreich Grenzen überwanden und in der Bundesrepublik durch
MfS-Helfer liquidiert wurden,
Flüchtlinge, die erfolgreich Grenzen überwanden und per Kidnapping
zurückgeholt (z.T. über so genannte Grenzschleusen) und zu Tode gebracht
wurden,
ertrunkene Ostseeflüchtlinge u. a.
in unsere Listen aufnehmen. Sie alle haben einen deutlichen Bezug zur Grenze und
zum Grenzregime!
Auch das Opfer Bernhard Neumann (15 Jahre), erschossen durch SBZ-Grenzpolizei
im Bereich S-Bahnhof Zoo, gehört dazu. Alle S-Bahnhöfe in Westberlin waren
Grenzgebiet (so definierte es die DDR selbst) und unterstanden der Polizeihoheit
von SBZ/DDR.
- Publizierung von Opfer-Zahlen:
Ist die Kategorisierung von Opfern an den verschiedenen Grenzen schon schwierig,
so sollte durch falsche Publikation das für den Leser nicht noch verwirrender
dargestellt werden. Jedes Jahr nach unseren Pressekonferenzen stellen wir
Presseüberschriften, wie (2005)
Jetzt 1135 Mauertote" oder „1135 Fluchtopfer" (diese Zahl bezog sich
jedoch nicht nur auf die Berliner Grenze, sondern insgesamt auf die Opfer des
DDR-Grenzregimes, und nicht nur auf die Fluchtopfer, sondern auch auf die Opfer
z.B. der Handlungen im Grenzbereich),
fest. Hier unsere Bitte an die Journalisten, das Pressematerial korrekter
wiederzugeben.
Zu den veröffentlichten. Zahlen des Forschungsprojektes:
Während die „Arbeitsgemeinschaft 13 August" die Opfer aller Grenzen,
einschließlich der DDR-Opfer außerdeutscher Ostgrenzen erfasst, hat sich das
Forschungsprojekt örtlich und zeitlich selbst beschränkt: Nur Berliner Grenze
und das erst ab 13. August 1961.
Warum ignoriert man die mindestens 46 Opfer der Berliner Grenze vor dem 13,
August 1961? Es wurde auch schon in der Zeit vor dem Bau der Mauer geschossen.
Die Berliner Sektorengrenze war immer „heiß". Soll hier das „Bauwerk Mauer" für
eine Opferanerkennung der Maßstab sein?
Für den Zeitraum 13.08.61 bis 09.11.89 hat die „Arbeitsgemeinschaft 13, August"
in 5 Listen-Abschnitten (Berliner Mauer, Sonstige Fluchtwege, Getötete
DDR-Soldaten, Sowjetische Fahnenflüchtige, Zurückgeholt und hingerichtet) per
August 2006 insgesamt 262 Opfer erfasst, die in die Zielgruppe des
Forschungsprojektes (Berliner Grenze) fallen.
Das Forschungsprojekt (Stand. 01.08.2006)
- bestätigt davon 122 Fälle + 3 weitere Fälle, die bisher nicht durch uns
erfasst sind
- hat zu 78 von uns erfassten Fallen noch keine Nachweise gefunden, die uns aber
vorliegen. Scheinbar sind dem Forschungsprojekt noch nicht alle relevanten
Archivbestände bekannt oder zugänglich. (1 weiterer uns zugeschriebener Fall
wurde durch uns bereits vor Jahren ausgeschlossen, 2 weitere Fälle des
Forschungsprojektes stammen nicht aus unserer Liste),
- Von den 62 Ausschlussfällen des Forschungsprojektes betreffen 21 unsere
aktuelle Liste, 3 weitere wurden durch uns bereits vor Jahren ausgeschlossen.
Die 21 Fälle werden wir überprüfen und die Nachweise veröffentlichen. Soweit
Schwerverletzte überlebt haben, werden wir das wie jedes Jahr nach
Beweiserlangung korrigieren,
- Zu 41 Opfern unserer Liste hat sich das Forschungsprojekt bisher in keiner
Weise geäußert. Darunter sind 12 Fälle, die bereits seit mindestens 1 Jahr
veröffentlicht sind. 29 neue Fälle zur Berliner Grenze nach dem 13. August 1961
haben wir mit dem heutigen Pressematerial veröffentlicht. Da davon nur 1 Fall im
Material des Forschungsprojektes enthalten ist, stellt sich die Frage, ob das
Forschungsprojekt auch nach noch nicht bekannten Fällen gesucht hat oder nur die
bisherigen Leistungen anderer überprüft und bewertet hat. Mit unserer heutigen
Veröffentlichung hat das Forschungsprojekt nicht mehr nur 81 Fälle, sondern 109
Fälle zu überprüfen.
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