Pro Mittelstand NRW

Der Mittelstand pro NRW ist einer von mehreren Arbeitskreisen der Bürgerbewegung pro NRW, der seine politischen Inhalte und Ziele auf dieser Internetseite vorstellt und diese im Gesamtverband in den innerparteilichen Diskussionsprozess einbringt


Populismus scheuen die Sozialisten bei Anderen wie der Teufel das Weihwasser, denn es war und ist ihre eigene Erfolgstaktik!

 

 

Unmenschliche sozialistische Dogmen

Die schlimmste und diskriminierendste ist die Gleichmacherei untere Verkennung der Verschiedenheiten der Individuen. Fußend auf die überholte Theorie Lamarcks, die auch Basis der seinerzeitigen Irrvorstellungen von Marx und seiner Theorien wurde, übergeht man Darwin sowie die neuerliche Forschung der Genetik, weil es der kommunistisch/sozialistischen Lehre zuwiderläuft und das sozialistische lamarkistische Geäffe wissenschaftlich exekutieren würde. Nicht umsonst schallt man Sarrazin der "sozialdarwinistischen" Abweichung, " die an die Grundstatuten des Sozialismus" rühren

Lasst sie lernen!  Die Welt 24.2.12

Die Förderung der Anlagen von hochbegabten Kindern ist ein Gebot der Menschlichkeit. Auch sie können ihre Potenziale nur in einer angemessenen Lernumgebung entfalten

In den rebellischen 1960er-Jahren wurde ein Axiom geboren, dass sich hartnäckig in den Köpfen der Pädagogen festgesetzt hat und bis heute nachwirkt: Intelligenz - so hieß es - werde nicht vererbt, sondern durch Erziehung in dem Milieu, in das man hineingeboren wird, erworben. Das Augenmerk wurde deshalb vor allem auf die ungünstigen Milieubedingungen gerichtet, die die Kinder der "Unterprivilegierten" daran hindern, ihre Fähigkeiten zu entfalten. "Pädagogische" Hausbesuche und "progressive" Stadtteilarbeit gehörten deshalb zum Repertoire eines gesellschaftskritischen Lehrers. Heute weiß man es besser. Die wissenschaftlichen Belege dafür, dass sich Intelligenz und Charaktereigenschaften eines Menschen auf Erbanlagen zurückführen lassen, sind erdrückend. Ausgefeilte Intelligenztests haben ergeben, dass sich die Intelligenzquotienten in der Bevölkerung "normal" verteilen. Sie lassen sich in der bekannten Glockenkurve, die der Mathematiker Gauß entdeckt hat, abbilden. Demnach besitzen 60 Prozent der Bevölkerung einen mittleren Intelligenzquotienten zwischen 85 und 115. Zwei Prozent liegen mit ihrem Intelligenzquotienten unter 70. Aber zwei Prozent haben einen extrem hohen Intelligenzquotienten von über 130. Bei diesen Personen spricht man von Hochbegabung.

Das Lernumfeld ist dadurch nicht völlig aus dem Spiel. Die Lernforschung weiß, dass das angeborene Intelligenzpotential sich nur dann optimal entwickeln kann, wenn es durch eine anregungsreiche Umgebung gefördert wird. Individuum und Umwelt beeinflussen sich also in einer komplexen Wechselwirkung gegenseitig. Hätte ein durchschnittlich begabtes Kind optimale Umweltbedingungen - etwa durch Vorlesen, Lernspiele, musische Erziehung, soziale Kontakte - könnte es seine Potenziale voll ausreizen. Müsste ein Kind solche Bedingungen entbehren, könnte es selbst bei vorliegender Hochbegabung diese nicht voll ausschöpfen. Deshalb sind psychisch stabile und geistig anregende häusliche Bedingungen für die Lernentwicklung der Kinder so wichtig. Wo sie nicht gegeben sind, muss die Erziehung im Kindergarten einspringen. Illusionen über den Intelligenzzuwachs durch ein lerngünstiges Milieu sollte man sich allerdings nicht hingeben. Lernforscher veranschlagen den dadurch erzielten IQ-Zuwachs auf allenfalls 10 bis 20 Punkte.

Seit den 1960er-Jahren, der Gründungszeit der Gesamtschulen, gehört es zum pädagogischen Allgemeingut, die lernschwachen Schüler zu fördern. Förderunterricht, Hausaufgabenstunden am Nachmittag und Vorbereitungszirkel für Klassenarbeiten sind Ausdruck dieser kompensatorischen Bemühungen. Selbst Gymnasien wollen hinter dem sozialen Anspruch nicht zurückstehen und legen Förderprogramme für lernschwache Schüler auf. Eine Schülergruppe steht allerdings bis heute nicht genügend im Fokus der Aufmerksamkeit: die hochbegabten Schüler. Experten schätzen ihre Zahl auf zwei Prozent unserer Schülerschaft, also auf 180 000 Schüler. Sie werden in der Schule nicht ausreichend gefördert, weil ihr in der Lehrerschaft und in der pädagogischen Wissenschaft die Fürsprecher fehlen.

Im schulischen Alltag sind hochbegabte Schüler bis heute Anfeindungen körperlicher und seelischer Art ausgesetzt. Als Objekte des Neides und der Missgunst werden sie von ihren Mitschülern oft als "Streber" oder "Lehrerkind" verspottet. Die Ausgrenzung aus der Klassengemeinschaft oder der gemeinsamen Freizeitgestaltung erleben sie als demütigende Zurücksetzung. Die erlebten Stigmatisierungen können viele Kinder nur schwer verkraften. Der Wunsch dazuzugehören, führt oft dazu, dass sie ihre intellektuellen Gaben "verstecken", ja, dass sie die Lust am Lernen schließlich ganz verlieren. Leider verhalten sich auch Lehrer, die es eigentlich besser wissen müssten, diesen Schülern gegenüber oft ignorant. Es soll Pädagogen geben, die die spezielle Förderung hochbegabter Schüler mit dem Argument ablehnen, man würde ja auch keine Steuersenkungen für Reiche befürworten. Ein solch abstruser Vergleich zeugt nicht gerade von pädagogischem Verantwortungsgefühl. Warum sollte man besonders begabte Schüler fördern? Zeigen nicht die Erfahrungen, dass sie das Abitur auch sehr gut ohne Unterstützung schaffen? Die Förderung ihrer Anlagen ist ein Gebot der Menschlichkeit. Es ist nicht einzusehen, weshalb man minderbegabte Schüler fördert, hochbegabte aber sich selbst überlässt. Beobachtungen an Kindern mit außergewöhnlichen Begabungen haben gezeigt, dass sie ihre Leistungen nur dann voll abrufen können, wenn sie dazu stimuliert werden und wenn sie intensiv üben und trainieren. Eine Studie an Violinspielern ergab, dass die Besten unter ihnen im Alter von 21 Jahren bereits mehr als 10 000 Übungsstunden hinter sich haben. Ohne professionelle Anleitung und beharrlichen Übungsfleiß hätten sie sich nicht in die erste Liga der Spitzengeiger hochgearbeitet.

Die Einheitsschule, die von linken Parteien noch immer gegenüber dem gegliederten Schulsystem favorisiert wird, kann das Problem der Förderung aller Begabungen am wenigsten lösen. Der Wissenschaftsjournalist Dieter E. Zimmer verweist dazu auf folgendes Paradox: "Je gleicher die Menschen behandelt werden, umso sichtbarer treten die genetischen Unterschiede hervor." Wer jemals an einer Gesamtschule unterrichtet hat, wird diesen Satz bestätigen können. Dort leiden die lernschwachen Schüler ständig darunter, dass es an ihrer Seite "Überflieger" gibt, die mit einem einzigen Gedankenblitz das Lernziel der ganzen Unterrichtsstunde begreifen. Die Lehrkräfte wenden sich dann vorwiegend den "Benachteiligten" zu, um ihre Minderwertigkeitsgefühle durch Zuspruch und Ansporn zu kompensieren. Die lernstarken Schüler bleiben dabei auf der Strecke. Was folgt aus alldem? Die Förderung hochbegabter Schüler sollte man nicht länger ins Benehmen der einzelnen Schulen stellen. Es ist ein Gebot der Stunde, dass die Kultusbehörden der Länder im Auftrag der Kultusministerkonferenz allen Schulen die Pflicht auferlegen, Förderprogramme für besonders begabte Kinder aufzulegen und ihre Durchführung in gebotenen Abständen zu überprüfen.

Der Autor ist Pädagoge und Buchautor. Vor seiner Pensionierung arbeitete er als Lehrer an der Berliner John-F.-Kennedy-Schule

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Die Welt 14.01.2012

Alle Menschen sind nicht gleich

Man muss nicht Thilo Sarrazin heißen, um zu behaupten, dass der Mensch maßgeblich durch seine Gene bestimmt wird. Intelligenz wird zu großen Teilen vererbt. Was aber heißt das genau?

Es ist mir immer ein Rätsel gewesen, warum sich um die Mitte des 20. Jahrhunderts so viele Politiker und Sozialwissenschaftler an eine kurzlebige Zeitgeistlaune geklammert haben und seitdem verbissen an der Überzeugung festhalten, die unterschiedlichen intellektuellen Fähigkeiten und Charaktereigenschaften der Menschen könnten und dürften niemals etwas mit ihren Erbanlagen zu tun haben, jeder könnte zu jedem werden. Es steht nicht bei den Kirchenvätern, es steht nicht bei Marx, nicht bei Lenin, nicht bei Freud, nicht in den Statuten des BUND, nicht im Grundgesetz und nicht im Ethikkodex der Medien.

Es widerspricht jeder Alltagserfahrung, und die meisten Menschen dürften die Annahme, alle seien gleich begabt, aufgrund eigener Lebenserfahrung immer für ein frommes Märchen gehalten haben. Wo ein ehrwürdiges Dokument wie die amerikanische Unabhängigkeitserklärung von "Gleichheit" sprach ("all men are created equal"), meinte sie, dass vor Gott, dem Gesetz und den Institutionen des Staates kein Mensch Vorrechte genießen soll, aber nicht, dass alle gleich an Körpergestalt, Geistesgaben oder Besitz wären. Das Gebot der Gleichheit vor dem Gesetz hatte der junge Staat gerade darum so nötig, weil seine Einwohnerschaft unterschiedlicher zu werden versprach als die der Staaten Europas, aus denen sie kam.

Der Glaube an die Allmacht der Erziehung war immer eine naive Illusion. Zeit genug, zu beweisen, dass sich die Ungleichheit der Begabungen durch Erziehung ausgleichen lässt, hätte die Umwelttheorie gehabt. Den Beweis ist sie schuldig geblieben. Erziehung kann nur Korrekturen vornehmen, von denen nicht sicher ist, dass sie von Dauer sind.

Es ist so robust erwiesen, wie etwas in den Naturwissenschaften überhaupt erwiesen sein kann, dass die Unterschiede in der von IQ-Tests gemessenen Intelligenz bei Erwachsenen zu mindestens 60 bis 75, bei Kindern zu 40 Prozent auf Unterschiede im Genotyp zurückgehen. Wer etwas anderes behaupten wollte, hätte einen Berg von nahezu einhelliger Forschungsliteratur gegen sich. Die Streitfrage "Ob oder ob nicht" ist erledigt; es geht nur noch um die Feinheiten und die Implikationen der Befunde. Die Menschen werden sich mit der ungleichen Verteilung von Begabungen abfinden müssen. Vielleicht tröstet es sie ein wenig, dass es viel ungerechter zugeht, wo nicht die Natur, sondern allein die Gesellschaft die Vergünstigungen zuteilt. Die Intelligenz ist normal verteilt, ihre Verteilung bildet eine symmetrische Glockenkurve: Es gibt ebenso viele unter- wie überdurchschnittlich Intelligente, und zwei Drittel aller Menschen sind mittelintelligent.

Was die Gene vorbestimmen, ist kein fester IQ-Wert, sondern ein Potenzial: das Potenzial, aus und mit der Umwelt zu lernen, wie man analytisch denkt. Im Wechselspiel mit den verschiedensten Umweltgegebenheiten wird aus diesem Potenzial ein messbarer IQ. Sehr günstige Umstände erlauben seine volle Ausschöpfung, sehr ungünstige lassen es verkümmern. Der Intelligenzpegel, den jemand erreicht, ist stabil; soziale Umbrüche können ihm kaum mehr etwas anhaben, nur das Alter lässt ihn sinken. Lernen und Trainieren erhöhen die Intelligenz, aber nur in Grenzen. Das weite Spektrum der Umweltbedingungen, die heute in den Mittelschichten der Industriegesellschaften wirken, lässt einen Spielraum von 10 bis 20 IQ-Punkten. Dieser schrumpft während der Adoleszenz. Wie viel von einer in der Kindheit erzielten Intelligenzsteigerung bis ins Erwachsenenalter erhalten bleibt, ist eine offene Frage. Sehr viel scheint es nicht zu sein - aber auch eine geringe Verbesserung kann erhebliche Unterschiede im Schul- und Berufserfolg zur Folge haben.

Da in allen Menschenpopulationen alle Begabungsniveaus vorkommen, dürfte kein Mensch je aufgrund irgendeines Gruppendurchschnitts beurteilt werden, sondern immer nur als Individuum. Minderintelligenten sollten die glücklich mit höherer Intelligenz Ausgestatteten nicht mit der Mischung aus Mitleid und Verachtung begegnen, die heute gang und gäbe ist. Sie sind niemandes Opfer, genauso wenig wie Mindermusikalische oder Mindersportliche, ausgenommen jene, die außerhalb des "breiten Korridors des Normalen" aufwachsen mussten, denen zum Beispiel ein normaler Schulbesuch vorenthalten blieb.

Damit sie nicht marginalisiert werden, dürften vor allem die praktischen Berufe, mit denen sie wie in früheren Zeiten Lebensunterhalt und Anerkennung verdienen können, nicht in dem Maße wegrationalisiert werden, wie sie das in einigen erfolgreichen Volkswirtschaften wurden, wo die Bahnhöfe ohne Personal sind, es nur noch SB-Tankstellen gibt und ganze Kaufhausgeschosse von einer einzigen ahnungslosen Kassiererin "bedient" werden. Auch müssten die Intellektuellen ihre Einstellung zu den Minderintelligenten revidieren. Sie verdienen keine stumme Geringschätzung, sie sind nicht weniger wert. Analytische Intelligenz ist in der Industrie- und Wissensgesellschaft zwar von großem Nutzen, aber es gibt auch noch andere menschliche Qualitäten.

Über eines sollte man sich keiner Täuschung hingeben. Wenn alle die gleichen Schulen besuchten, nach den gleichen Methoden unterrichtet würden, die gleichen Stoffe lernten, würden alle vielleicht tatsächlich gleicher (obwohl viele entweder faul oder findig genug wären, ein solches Gleichheitsziel für sich selbst zu umgehen), aber nicht sehr viel gleicher, da ja der größte Teil der de facto vorhandenen Intelligenzunterschiede genbedingt ist und nicht für Optimierungsanstrengungen der Umwelt zur Verfügung steht.

Wo eine wesentliche Quelle von Umweltvarianz entfiele, nämlich alle Unterschiede, die auf Unterschiede in der Schulbildung zurückgehen, würde der Anteil der Umweltvarianz geringer und der der genetischen Varianz entsprechend größer. Würde allen Menschen von der Geburt bis ins Grab exakt die gleiche Umwelt aufgezwungen (sie würden es keine drei Stunden aushalten und von sich aus für Differenzierungen sorgen), so wären sämtliche verbliebenen Unterschiede genetischer Herkunft, und die Erblichkeit stiege gegen 100 Prozent. Es scheint ein Paradox zu sein, ist aber keines: Je gleicher die Menschen behandelt werden, umso sichtbarer treten ihre genetischen Unterschiede hervor.

Das Individuum hat heutzutage eine schlechte Presse. Wir lebten im Massenzeitalter, heißt es, das Individuum sei tot. Tatsächlich werden wir lebenslang vorwiegend als Angehörige anonymer Kollektive angesprochen und behandelt: als Jungwähler, als Versicherungsnehmer, als Rentenanwärter, als Autofahrer, als Handynutzer. Auf der anderen Seite ist heute deutlicher denn je, dass jeder Mensch einzigartig ist; wir wissen, dass und warum es gar nicht anders sein kann. Kein individueller Genotyp ist dem anderen gleich (ausgenommen seinem eineiigen Zwilling), keiner bringt sein Leben in genau der gleichen Umwelt zu wie sein Nachbar, für kein Lebewesen ist die Umwelt so vielfältig wie für den Menschen. Homo sapiens ist eine Gattung der Ungleichen. Wir sollten diese Verschiedenheit nicht als Vorwurf und Handicap empfinden, sondern als einen wertvollen Besitz.

Wir können es uns leisten, denn auf der anderen Seite legt die Natur auch unsere elementare Ähnlichkeit fest. Die Invarianz des Menschen lässt sich nicht quantifizieren; sie bildet auch nicht den Gegenstand der Verhaltensgenetik. Sie definiert uns als Angehörige der Gattung Mensch. Sie hält die Menschheit zusammen. Gäbe es sie nicht, müssten wir unsere Übereinstimmungen aus der Umwelt lernen, so wäre die Menschheit längst in eine Reihe grundverschiedener Kulturen zerfallen, zwischen denen es keine Verständigung und kein Verständnis gäbe. Jeder Einzelne ist anders als sein Mitmensch, erkennt in ihm aber wie in sich selbst das Gattungswesen Mensch.

Im Übrigen rächt es sich immer, irgendeine Wahrheit unter den Teppich zu kehren. Nicht nur, weil Wahrheiten die Eigenschaft haben, zurückzukehren. Sondern weil es vieler Verrenkungen bedarf und viele Enttäuschungen mit sich bringt, ein Leben an einer Wahrheit vorbeizuorganisieren. Ich glaube, ein naturalistisches Menschenbild ist nicht nur das ehrlichere, sondern letztlich auch das menschenfreundlichere, weil es den Menschen nicht mehr abverlangt als das Mögliche.

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Die geheimen Gesetze der Genetik  Welt 28.11.11

Europäische Forscher entschlüsseln, wie Umweltfaktoren unser Erbgut beeinflussen

Auch wenn Gene identisch sind wie bei eineiigen Zwillingen, variiert die Verpackung durch äußere Faktoren - und damit die Genaktivität

Gene entscheiden, wie wir aussehen, welche Fähigkeiten wir haben und welche Krankheitsrisiken wir tragen. Drei Milliarden Buchstaben lang ist die DNA eines Menschen, geschrieben aus einem Gewirr aus den Buchstaben A, T, G und C. Dahinter steckt der Name der Proteine: Adenin, Thymin, Guanin und Cytosin. Seit 2003 ist die Buchstabenfolge bekannt. Doch bleibt das Verständnis der Genfunktionen rudimentär. Wie ist es etwa zu erklären, dass eineiige Zwillinge mit derselben DNA nicht völlig identisch aussehen? Fest steht: In der Genomfunktion kommt es zu erblichen Veränderungen, ohne dass eine Abweichung in der DNA auftritt. Die Frage ist: Was ist vorprogrammiert, was von der Umwelt beeinflusst? Epigenetiker untersuchen, inwieweit externe Faktoren dafür verantwortlich sind, ob Gene aktiviert werden oder nicht. "Die Epigenetik beschäftigt sich mit Genregulationsmechanismen, indem sie die Verpackung der DNA in der Zelle untersucht. Im Gegensatz zur DNA, die in jeder Körperzelle gleich ist, ist die Verpackung verschieden. Dies kann erklären, wie Zellen bestimmte Gene regulieren", sagt Dirk Schübeler vom Friedrich Miescher Institute for Biomedical Research (FMI) in Basel.

Der Biologe ist mit seinem Labor Teil des EU-Forschungsprojekts "Blueprint". Das Programm, das mit 30 Millionen Euro von der EU gefördert wird, vereinigt 41 Forschungsinstitute und Universitäten. Ziel ist es, eine vollständige Karte des menschlichen Genoms mit all seinen Steuerungsfunktionen zu entwerfen. "Die Epigenetik ist eine relativ neue Forschungsdisziplin", sagt Schübeler. "Die Auswirkungen der Mechanismen auf die Genomfunktion erkennt man erst seit wenigen Jahren. Inzwischen können wir sie im ganzen Genom untersuchen."

Die medizinische Genomforschung hat nachgewiesen, dass das menschliche Genom komplexen Regulationsmechanismen unterworfen ist. Epigenetische Faktoren, wie etwa die DNA-Methylierung, haben entscheidenden Einfluss auf die Steuerung verschiedener Genaktivitäten - und damit auf die Entstehung von Krankheiten. Bei der Methylierung werden sogenannte Methylgruppen an einzelne Buchstaben der DNA gehängt, ohne dass die Abfolge verändert wird. Die chemischen Bausteine verhindern, dass die unterliegenden Gene abgelesen werden können. Sie bilden eine Art Blockiersystem. Der Prozess wird durch Umwelteinflüsse wie Stress oder Ernährung hervorgerufen und kann zu einem stark veränderten Phänotyp führen. Doch wie wird das Epigenom von diesen Faktoren beeinflusst?

Um dies zu klären, wollen die Forscher 60 Blutzellen und 60 Krebszellen analysieren. Blutzellen haben den Vorteil, dass sie sich regelmäßig erneuern und Zellen in verschiedenen Reifestadien enthalten. "Die Epigenome von Blutzellen könnten allgemeine Gesetze enthüllen, wie Zellen sich entwickeln", sagt Henk Stunnenberg von der Uni Nijmegen in den Niederlanden. Der Abgleich von gesunden und kranken Zellen könnte Aufschluss darüber geben, ob es epigenetische Abweichungen gibt. Das könnte auch in der Prävention und Therapie nützen. "Anders als genetische Anomalien, die weder der Körper noch die Medizin verändern können, sind epigenetische Strukturen revidierbar", sagt Schübeler. "Sollten Krankheiten epigenetische Ursachen haben, wäre es zumindest denkbar, diese gezielt wieder zu ändern. Ob das der Fall ist und funktionieren könnte, wird man sehen müssen."

 




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Stand: 18. Oktober 2011.