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"E10 Super" als
Nachfolge im Links-Grünen "Klima und Energie"-Beschiß?
"Die dümmsten Kälber wählen ihre
Metzger selber" meint die Volksweisheit, Weisheit eines Volkes, welches es
zunehmend nicht mehr gibt.
2011:
Benzinpreise steigen und steigen, dazu ein Verwirrspiel um den neuen
E10 Superkraftstoff . Tanken wird noch deutlich teurer werden, weil
auch die Ölmultis den Bürger für das neue Gesetz fallen lassen. Eigentlich
sollte der neue Superkraftstoff mit höherem Bioanteil seit Jahresbeginn im
Handel sein. Das ist jedoch nicht der Fall. Der neue E10 Superkraftstoff wirft
immer noch viele Fragen auf. Anfang 2011 sollte es eigentlich losgehen. Das
kündigte zumindest die Bundesregierung im Herbst 2010 an. Sie teilte dazu mit,
dass neben dem neuen E10 Super mit zehnprozentigen Bioanteil weiterhin das
herkömmliche Super (E5) mit 5- prozentiger Biobeimischung vorhanden sein werde.
Januar 2011 kam, mit ihm viele Presseberichte über die neue Sportsorte, E10
tauchte aber an den Tankstellen nicht auf. Selbst Mitte Januar 2011 hatte sich
daran noch nichts geändert. Aus rein politischem Kalkül wurde die Einführung
einer höheren Beimischung von Kraftstoffethanol zu mineralischen Kraftstoffen in
der Europäischen Union verpflichtend beschlossen. Damit werden zuerst öffentlich
vorgetragene Interessen der Agrarwirtschaft befriedigt.
Da Superbenzin fortan teurer als E10 verkauft wird, beschert die
Einführung der Mineralölindustrie zusätzliche Gewinne
Die Mineralölbranche schiebt die Schuld
also zu Recht der Politik zu. Dieser habe sich u.a. auch zu viel Zeit gelassen.
Das Gesetz sei erst Mitte Dezember in Kraft getreten. Ein Dutzend Raffinerien
und 15.000 Tankstellen in ganz Deutschland könne man nicht binnen zwei Wochen
auf eine komplett neue Sportsorte umstellen. E10 werde deshalb erst Anfang April
flächendeckend vorhanden sein. Dabei redet man nicht davon, dass auch die
Großraffinerien seit Monaten in die Planungen rund um die Neuregelung
eingebunden waren.
E10 als neues Biogemisch gehört nur in
solche Fahrzeuge, die es vertragen. Schon einmaliges fehlbetanken eines
E10-untauglichen Autos kann den schleichenden Motor-Exitus bedeuten. Der ADAC
hat unter www.adac.de/ero die
Freigaben aller Fahrzeughersteller und viele Zusatzinformationen zu E10
bereitgestellt; außerdem
DAT.
Warum gibt es überhaupt E10?
Die europäische Union hat im Zuge ihrer
Klimapolitik Richtlinien erlassen, um erneuerbare Energien durchzusetzen mit der
angeblichen Absicht, die Abhängigkeit von den Ölförderstaaten zu verringern.
Diese Richtlinie 2009/30/EG des Europäischen Parlaments zwingt alle
Mitgliedstaaten, Ottokraftstoff mit bis zu zehn Volumenprozent
Kraftstoffethanol (Euphemismus
Bioethanol) unter dem Branchenkürzel E10 (von Ethanol 10 %) auf den Markt
zu bringen. Deutschland reagierte, wie immer pflichtbewußt, mit einem
"Bio-Kraftstoffquotengesetz", welches bis 2014 einen Bioenergieanteil von 6,25 %
am gesamten Kraftstoffabsatz vorschreibt. Dieses lässt sich nur erreichen, wenn
mehr Treibstoff pflanzlichen Ursprungs im Verkauf vorhanden sein wird. Dies gilt
für den Ottokraftstoff, weil beim Diesel der Bioanteil mit 7 % bereits technisch
ausgereizt ist. Seit Jahresbeginn sollen und müssen Bio-Sprit-Hersteller
nachweisen, dass ihre Produkte (vom Feld bis zur Verbrennung im Motor)
mindestens 35 % weniger CO2 freisetzen als herkömmlicher Treibstoff. Die
Verwendung von Kraftstoffethanol soll nämlich angeblich diese mindestens 35 %
CO2 Ersparnis bringen, was bisher weder wissenschaftlich noch durch Erfahrung
nicht belegt ist. Der geforderte Nachweis wird also schwierig, wenn nicht
unmöglich werden.
Eine Modellrechnung, anhand
derer diese von der Politik ohne Quellenangabe übernommene Einschätzung
bestätigt werden könnte, ist nicht bekannt. Beträchtliche Mengen an
externer Energie werden ohnehin für die Verteilung der beizumischenden
Ethanolmengen benötigt.
Natürlich macht die höhere
Biobeimischung den Sprit noch teurer. Entsprechendes gibt die Ölbranche auch
unumwunden zu. so teilt diese mit, beigemischtes Bioethanol sei um fast 50 %
teurer als fossile Benzinbestandteile. Auch sonst sei die Erfüllung des Gesetzes
äußerst kostspielig. Die affinerien müssten mit E10 einen völlig neuen
Kraftstoff produzieren. Außerdem fallen zusätzliche Logistik- und Lagerkosten
an. Die Umrüstung aller Tankstellen verschlingt ungeheuer viel Geld. Dieser
Äußerung steht entgegen, dass die Ölbranche andererseits in den letzten Jahren
mit immer neuen Premium-Sorten die Kraftstoffvielfalt gesteigert hatte, wobei
Umstellungs- nd Logistikkosten offensichtlich kein Problem waren.
Die Ölmultis wollen künftig erkennbar
möglichst viel E10 verkaufen. Bei Nichterfüllung der gesetzlichen Bio-Sprit-Qote
drohen ihnen nämlich hohe Strafzahlungen an den Fiskus. Einerseits wird
begründet, dass gleichwohl "E10 günstiger sein werde als klassisches Super". So
die Ausführungen eines Managers eines großen Ölkonzerns. Ein Aufschlag von 2-3
Cent auf das "alte Super" sei realistisch. Etwaige Strafzahlungen an den Staat
seien dann schon vorsorglich "eingepreist".
Auch für Dieselfahrer können die Zeiten
noch schwerer werden. Der Diesel-Boom sorgt hierzulande für eine Überproduktion
an Ottokraftstoff und ein Unterangebot an Diesel. Die Ölbranche ist auf
zusätzliche Dieselimporte, insbesondere aus Russland, angewiesen. Ottokraftstoff
wird dabei gleichzeitig in die USA exportiert. Dort sinkt aber auch die
Nachfrage. Gleichzeitig stehen die diese Lieferungen aus dem Osten in ihrer
Verlässlichkeit auf mehr als wackeligem Boden. Mit größeren Investitionen können
die Ölmultis ihre deutschen Raffinerien für mehr Dieselausstoß umrüsten.
Stattdessen sprechen Sie aber der Europäischen Union die Empfehlung aus,
Steuervorteile auf Diesel, in Deutschland zum Beispiel rund 0,18 EUR, zu
streichen. Das soll das Dieselangebot für den Käufer preislich unattraktiver
machen. Eine entsprechende europäische Richtlinie ist bereits in Arbeit. Diese
lässt dabei völlig außer acht, dass Dieselfahrer bereits deutlich mehr
Kraftfahrzeugsteuer zahlen als die anderen Kfz-Inhaber.Eine Reduzierung des
Kraftstoffverbrauchs ist mit E10 auch nicht zu erreichen, da der Energiegehalt
von Ethanol unter dem von teilweise höhermolekularen
Alkan-Gemischen
bei gleichem Volumen liegt, aufgrund der geringeren Energiedichte von Ethanol steigt
der Kraftstoffverbrauch gegenüber ethanolfreiem Kraftstoff um etwa drei Prozent
und damit die CO2-Emissionen.
Für Fahrzeuge, die diese Sorte E10
nicht vertragen, muss laut EU-Richtlinie mindestens bis 2013 das bisherige
Benzin als sogenannte Bestandsschutzsorte weiterhin angeboten werden. Danach
wird ggf. nur noch die Benzinsorte Super Plus für die Fahrzeuge zur
Verfügung stehen, die den Kraftstoff mit 10 % Ethanol nicht vertragen.
Dieselfahrzeuge sind von der Änderung nicht betroffen. Etwa 90 % aller
benzinbetriebenen PKW in Deutschland vertragen E10. Neufahrzeuge sind in der
Regel E10-tauglich.
Das ARD-Magazin „Fakt“ berichtete am 6.
Dezember 2010, dass Wissenschaftler als Folge der veränderten Beimischung
hochgiftige Verbindungen wie Blausäure und Ozon in den Abgasen gefunden hätten.
Dann mal "Frohes Tanken"!
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Wozu ist
der neue Biosprit gut?
die Welt 27.2.2011
Das Öko-Benzin E10 soll die
Umwelt schonen - was unter Forschern umstritten ist. Fakten rund um den
Ethanol-Kraftstoff
Seit Anfang des Jahres bieten
Tankstellen die neue Benzinsorte "Super E10" an. Die Einführung geht auf einen
Beschluss des Europäischen Parlaments zurück. Was es mit E10 auf sich hat, was
er für die Kraftfahrzeugbesitzer bedeutet und ob der Anspruch der geistigen
Väter erfüllt wird, lesen Sie in den folgenden Antworten.
Woraus besteht E10?
E10 für Ottomotoren besteht
aus Superbenzin mit einer Beimischung von bis zu zehn Prozent Ethanol, also
jenem Alkohol, den auch alkoholische Getränke enthalten. Bisher wurde Benzin bis
zu fünf Prozent Alkohol zugemischt (E5).
Wie wird der Zusatz
hergestellt?
Der Ethanol-Zusatz stammt aus
zucker- und stärkehaltigen Pflanzen - also aus Biomasse. Deshalb heißt der
Zusatz auch Bioethanol. Europa setzt auf Zuckerrüben, Mais und Weizen,
Südamerika auf Zuckerrohr, Nordamerika auf Mais, Asien auf Maniok. In
Raffinerien zerlegen Enzyme die Stärke aus den Pflanzen zu Zucker. Eine weitere
enzymatische Reaktion (Fermentation mit Hefekulturen) wandelt Zucker in Alkohol
um, allerdings nur bis zu einer Konzentration von etwa zwölf Prozent. Eine
anschließende energieintensive Destillation konzentriert den Alkohol auf knapp
100 Prozent. Angestrebt wird, auch aus zellulosehaltigen Pflanzen und
Pflanzenabfällen (z. B. bestimmte Gräser und Holzschnipsel) Ethanol zu gewinnen.
Das ist aber noch nicht praxisreif.
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Warum wurde
E10 eingeführt?
Der Zusatz von Bioethanol
verringert die Menge an verbranntem Benzin aus fossilem Erdöl. E10 aus
nachwachsenden Rohstoffen dient also dem Klimaschutz dadurch, dass der Alkohol
aus Pflanzen bei der Verbrennung nur so viel Treibhausgas freisetzt wie die
Pflanzen zuvor aus der Luft aufgenommen haben. 35 Prozent weniger Treibhausgase
als konventionelles Benzin soll Bioethanol verursachen. E10 kann zudem die
Abhängigkeit von den Erdöl produzierenden Ländern vermindern, denn der Anteil
von E10 am verkauften Benzin soll bis 2020 auf 20 Prozent steigen. Es ist zwar
kein offizielles Ziel, aber die Biospritproduktion ist auch ein zusätzliches
wirtschaftliches Standbein für Landwirte.
Woher stammen die Rohstoffe
für das in der EU verkaufte E10?
Von landwirtschaftlichen
Flächen der EU, aber in zunehmendem Maß auch aus Übersee. Auf den Flächen werden
zukünftig einige Million Tonnen Rohstoffpflanzen zusätzlich angebaut.
Werden für die Produktion
des Alkohols (Ur-)Wälder gerodet?
Die EU-Verordnung verbietet
das. Es ist aber wahrscheinlich, dass die Biomasseproduktion den
Lebensmittelanbau auf neu zu erschließende Flächen verdrängt. Das könnte die
Rodung von Regenwäldern mittelbar forcieren.
Steht die E10-Herstellung
in Konkurrenz zur Nahrungsproduktion?
Wenn neue Flächen für die
Biospritproduktion benötigt werden (siehe oben), ist eine zunehmende Konkurrenz
wahrscheinlich. Die Märkte für Lebensmittel sind bereits heute globalisiert, die
Agrarflächen begrenzt. Lebensmittelkonzerne nutzen in zunehmendem Maß Flächen in
Entwicklungsländern zur Produktion von Nahrungsmitteln für Industrieländer. So
gesehen dürfte jede Ausweitung der Biospritproduktion letztlich in Konkurrenz
zur Ernährung treten - zulasten vor allem einkommensschwacher Konsumenten in
Entwicklungsländern.
Warum verursacht E10
Schäden an manchen Autos und Motorrädern?
Modelle, die älter als etwa
zehn Jahre sind, sowie einige wenige neuere Benzin-Direkteinspritzer vertragen
den erhöhten Alkoholanteil nicht. Alkohol ist chemisch aggressiver als Benzin.
Komponenten aus Aluminium, Gummi und Kunststoff, die mit Alkohol in Kontakt
kommen, korrodieren deshalb, etwa Ventile, Dichtungen und Benzinleitungen.
Schätzungsweise zehn Prozent aller zugelassenen Fahrzeuge vertragen E10 nicht -
etwa vier Millionen Autos und eine Million Zweiräder. Bereits eine Tankfüllung
richtet irreversible Schäden an. Vor dem ersten Tanken von E10 sollte man
deshalb eine Vertragswerkstatt befragen oder in Listen auf www.adac.de oder
www.dat.de/e10 nachsehen, ob das eigene Fahrzeug E10 verträgt.
Verändern sich die
chemischen Prozesse im Motor?
Es ist naheliegend, dass
Ethanol die Verbrennungsprozesse verändert. Es gibt bereits den Verdacht, dass
sich die Abgaszusammensetzung ändert. Einige Wissenschaftler sagen, es entstehe
giftige Blausäure und mehr Ozon, das für Sommersmog verantwortlich ist.
Wird auch in anderen
Ländern E10 oder ähnlicher Sprit verkauft?
In den Ländern der EU ist E10
Vorschrift. In Brasilien und den USA hat Bioethanol eine jahrzehntelange
Tradition, wobei Absatz und Verbrauch nicht vorgeschrieben sind; Biosprit ist
steuerlich subventioniert. In Brasilien enthält Biosprit 20 bis 25 Prozent
Alkohol aus Zuckerrohr, der von mehr als 80 Prozent der neu verkauften Autos
vertragen wird. Auch Motoren für die Verbrennung von reinem Ethanol gibt es.
Brasilien exportiert Bioethanol vor allem in die USA, die der bedeutendste
Importeur und zugleich ein wichtiger Produzent sind. Dort existieren
Biosprit-Varianten mit zehn und 85 Prozent Ethanol.
Steigt der
Kraftstoffverbrauch durch Zumischung von Ethanol?
Ja, um drei bis fünf Prozent,
weil Alkohol einen geringeren Energiegehalt hat als die Kohlenwasserstoffe des
Benzins. Deshalb muss man auch häufiger tanken. Super E10 ist teurer in der
Herstellung als E5. Experten nehmen an, dass E10 dennoch nicht teurer verkauft
wird, weil die Mineralölkonzerne verpflichtet sind, den Anteil von Super E10 am
verkauften Sprit zu steigern; sie haben also ein Interesse am steigenden Absatz.
Mittelfristig wird E10 deshalb, so nimmt man an, zum Preis des bisherigen E5
verkauft, und E5 wird einige Cent teurer - eine Art Quersubventionierung. Für
die Spritkosten bedeutet das: Wer nun E10 tankt und pro Liter dasselbe zahlt wie
bisher, aber einen etwas höheren Spritverbrauch hat, muss nun um einige Prozent
höhere Verbrauchskosten einkalkulieren.
Ist E10 tatsächlich
klimaschonend?
Die Bundesregierung sagt: Ja,
die Menge an emittiertem CO2 nimmt ab. Doch das ist umstritten. Eine Studie des
Instituts für europäische Umweltpolitik in London kommt zu dem Schluss, dass das
Gegenteil der Fall ist: Durch Biosprit werde mehr CO2 produziert als eingespart.
Der Biotreibstoffverband zweifelt diese Studie an. Die Berechnungen sind
zweifellos komplex und allenfalls im Nachhinein sicher durchzuführen. Aber die
Verkehrung des Anspruchs ins Gegenteil ist durchaus möglich, weil zusätzlicher
Biosprit mit mehr Sprit für Traktoren und zusätzliche Transporte erkauft wird,
außerdem mit zusätzlichen Pestiziden und Kunstdünger (was Energie benötigt). Vor
allem aber ist die industrielle Verarbeitung energieintensiv.
Wer profitiert vom
Biosprit?
Die Landwirte aufgrund der
Herstellung der Rohstoffe. Die Hersteller des Ethanols, sie erleben einen Boom.
Die Automobilindustrie, weil der Biosprit das Image ihrer Produkte hebt. Nach
2013 muss kein E5 mehr bereitgestellt werden, spätestens dann müssen
E10-inkompatible Autos ausgewechselt werden. Der Staat, weil er durch höheren
Benzinverbrauch zusätzliche Einnahmen aus der Mineralölsteuer erhält.
Kolumne aus FTD 5.9.2008
Thomas Fricke: Deutschland
träumt noch wie üblich
Europa koppelt
sich gerade eindrucksvoll von der US-Wirtschaft ab - nur leider in die falsche
Richtung. Ein Desaster, das deutsche Notenbanker und Konjunkturpaket-Neurotiker
in Erklärungsnot bringt.
Amerika hat eine Krise, mit der
Deutsche und Europäer dank Reformen und Radikalkuren nur sehr bedingt zu tun
haben. So oder so ähnlich klingt, was Bundesbanker und Regierung derzeit vor
sich her erzählen. Die deutsche Wirtschaft sei doch in besserer Verfassung als
die amerikanische, meldet Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen.
Komisches Verständnis von
wirtschaftlicher Verfassung. Die Europäer scheinen sich in der Tat gerade von
der US-Konjunktur abzukoppeln - nur leider in die falsche Richtung. Ein
Desaster. Könnte sein, dass US-Politiker auf Ölpreisexplosion und Finanzdramen
viel besser reagiert haben, als es die Ultraszene europäischer Notenbanker,
Finanzminister und sonstiger Konjunkturpaket-Neurotiker vermittelt.
Amerika hält
sich wacker
Nach offizieller Schätzung ist die
US-Wirtschaft zuletzt um gut drei Prozent gewachsen - die Euro-Wirtschaft um
zwei Prozent geschrumpft. Die US-Industrie bekam im Juni fünf Prozent mehr
Aufträge als im Januar, die deutsche ein Zehntel weniger. Die Amerikaner
konsumieren trotz Benzinpreisrekorden ein Prozent mehr als zu Beginn des
Ölschocks, die Deutschen 1,3 Prozent weniger. Und US-Firmen verkaufen ein
Fünftel mehr Waren im Ausland - die Deutschen nur fünf Prozent (siehe Grafiken).
-
Das kommt - davon
Dahinter stecken mehr als nur
Ausreißer. Nach Umfragen unter Einkaufsmanagern wächst die US-Wirtschaft zwar
nicht mehr kräftig, sie steckt aber auch in keiner Abwärtsspirale. Der Index
pendelt seit Monaten um die neutrale 50er-Marke. Anders als in der Euro-Zone, wo
er um 5 auf 47 Punkte eingebrochen ist und fast alle Frühindikatoren im freien
Fall sind.
Noch im Juni glaubten Experten der
OECD, die US-Wirtschaft werde 2008 langsamer wachsen als die Europas. Nach der
neuen Prognose wird es erstmals seit drei Jahren umgekehrt sein. Die Ökonomen
der Deutschen Bank rechnen bereits mit Rezession - im Euro-Raum, nicht in den
USA, der Mutter von Subprime und Blasen.
Wenn das stimmt, drängt sich die Frage
auf: Warum? Am Ölpreis kann es nicht liegen. Der ist ja für die Europäer nicht
stärker gestiegen als für die Amerikaner. Im Gegenteil: Die Euro-Aufwertung trug
lang dazu bei, dass die Verteuerung in Euro weniger schlimm ausfiel als in
Dollar.
Analysten
erwarten Euro-Talfahrt (aus FTD)
Der Preisverfall bei Öl und die Furcht
vor einer Abschwächung des Wirtschaftswachstums in Europa lassen die Währung
deutlich sinken. Der Euro rutschte zeitweise unter 1,44 $ ab - der langfristige
Aufwärtstrend könnte gebrochen sein.
Der Euro gab am Mittwoch im Tief bis auf 1,4385 $ nach
und war damit so günstig wie seit Ende Januar nicht mehr. Am Dienstag notierte
er im Hoch noch bei 1,4618 $.
Der Ölpreis übe derzeit einen starken Einfluss auf die
Wechselkursentwicklungen aus, schreiben die Analysten der Helaba. Dabei stehe
die Erwartung im Vordergrund, dass die US-Konjunktur von einem sinkenden Ölpreis
profitiere und die Federal Reserve deswegen eher zu Leitzinserhöhungen tendiere.
Dagegen scheine man in der Eurozone entgegengesetzt zu
argumentieren, sagten die Analysten: Die EZB könnte wegen des sinkenden
Inflationsdrucks die Zinsen senken, um der Konjunktur zu helfen. Die
Stabilisierung des Euro lasse weiterhin auf sich warten. Der langfristige
Aufwärtstrend scheine gebrochen, sagten Händler. Der 200-Tage-Durchschnitt beim
Euro ist inzwischen leicht rückläufig, was Charttechniker oft für ein starkes
Signal halten, dass ein längerer Trend gebrochen wurde.
Ölpreis in
sieben Wochen rund 25 Prozent gefallen
Der Ölpreis war am Dienstag kräftig gefallen, nachdem
sich am Markt die Erwartung von Versorgungsengpässen durch den Hurrikan "Gustav"
abschwächte. Er war mit Hurrikan-Stärke zwei und Windgeschwindigkeiten von knapp
180 Kilometern in der Stunde schwächer als gedacht westlich von New Orleans auf
das Festland geprallt. Das Fass (159 Liter) US-Leichtöl der Sorte WTI
verbilligte sich in der Spitze um 10 $ auf 105,46 $ und kostete damit so wenig
sie seit Anfang April nicht mehr - im Tagesverlauf erhöhe sich der Preis dann
wieder. Am Mittwoch kostete ein Barrel zeitweise 107,71 $.
Der Verfall am Dienstag von zeitweise 10 $ war der
zweitgrößte Preisrutsch aller Zeiten binnen eines Tages. Am 17. Januar 1991 war
der Ölpreis um 10,90 $ auf 21,10 $ abgerutscht. An dem Tag hatten die USA ihren
Angriff auf Saddam Husseins Irak begonnen, nachdem er zuvor Kuwait besetzt
hatte.
Der Ölpreis ist in den vergangenen sieben Wochen um
rund 25 Prozent gefallen. Mitte Juli lag er noch bei 147 $. Analysten nennen als
Gründe die weltweit zurückgegangene Nachfrage und den erstarkten Dollar.
Experten gehen davon aus, dass sich die wirtschaftliche Abschwächung in den USA,
Europa und Japan auf Entwicklungsländer auswirken und die Ölnachfrage weiter
drücken wird.
Sprit in
Deutschland nur wenig günstiger
Experten machen den aktuellen Aufschwung des Dollar
dafür mitverantwortlich, dass die Spritpreise trotz sinkender Notierungen für
Rohöl hierzulande nicht so stark zurückgehen. Da die Weltmarktpreise in der
US-Währung bestimmt würden, bedeute ein stärkerer Dollar einen höheren
Euro-Preis für das Öl.
Ist der Euro schwächer, sind die Einkaufskosten für die
Mineralölkonzerne hierzulande höher. Wäre der Euro-Kurs so hoch wie Anfang des
Monats, wären die Preise rein rechnerisch rund vier Cent günstiger. Bei einem
Euro-Kurs von rund 1,45 $ liegen die Einkaufskosten für einen Liter Benzin nach
Angaben des Mineralölwirtschaftsverbandes bei knapp 52 Cent je Liter. Vor gut
einem Monat kostete er nur 48,5 Cent, weil der Euro bei 1,56 $ stand.
Superbenzin kostete am Dienstag nach Angaben des ADAC 1,485 Euro, Diesel 1,383
Euro.
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