Pro Mittelstand NRW

Der Mittelstand pro NRW ist einer von mehreren Arbeitskreisen der Bürgerbewegung pro NRW, der seine politischen Inhalte und Ziele auf dieser Internetseite vorstellt und diese im Gesamtverband in den innerparteilichen Diskussionsprozess einbringt


Populismus scheuen die Sozialisten bei Anderen wie der Teufel das Weihwasser, denn es war und ist ihre eigene Erfolgstaktik!

 

 

Die Angst geht um im Vatikan

Von Paul Badde 23. April 2010, 04:00 Uhr Die Welt

Entsetzen in Rom: Im Umfeld des Papstes ist von Kulturkampf die Rede, von einem innerkirchlichen Komplott und von einer Situation wie 1517.Die Glocken Roms läuteten am Donnerstagmorgen wie immer, doch wer fein hinhörte, hätte dazwischen auch leise Sirenen vernehmen können. Der Rücktritt Hochwürden Walter Mixas vom Bischofssitz des heiligen Ulrich in Augsburg ließ viele Würdenträger der katholischen Kirche hier schon früh mit Schrecken aus dem Schlaf hochfahren. Es war ein blendend heller Frühlingstag. Doch vielen war er wie schwarzer Tag.

Einen Kardinal, der seinen Namen nicht lesen will (weil "das eine Sache der Deutschen ist"), entsetzt an dem Rücktritt vor allem, "dass prominente Bischöfe Deutschlands ihre dezenten Empfehlungen an Mixa gleich auch selbst an die Presse weitergegeben haben. Korrekt wäre gewesen, sie hätten ihren Mitbruder nur hinter verschlossenen Türen ins Gebet genommen. Danach hätten Zollitsch und Marx den Mund halten müssen."

Den offiziellen Äußerungen des Pressesaals ist aber keine Nervosität anzumerken. Der Papst hat die Kardinäle Rode und Kasper empfangen und Frère Alois, den Prior von Taizé. Er hat Pierre Nguyen Van Nhon von Da Lat zum Koadjutor des Erzbischofs von Hanoi bestellt und den Rücktritt von Bischof James Moriarty der Diözesen von Kildare und Leighlin angenommen - in Anwendung des Kanonischen Rechts (Artikel 401 Paragraf 2), wie es trocken heißt, also wegen der misslichen Verstrickung dieses Oberhirten beim Vertuschen der irischen Missbrauchsskandale.

Dergleichen hat Bischof Mixa bisher noch keiner vorgeworfen. Dennoch könnte die Aufregung über seinen Fall kaum größer sein. Es gibt zwar keine Krisensitzungen. Und unerwartet kam die Nachricht auch nicht, die manche Prälaten so erschüttert, als wäre eine Bresche in die Mauer des Vatikans gerissen worden, durch die Langobarden nun wieder ungehindert in die Stadt Gottes eindringen könnten. Nur bei der gelassenen Schweizer Garde gibt es keine Panik bei der Vorstellung, dass diese Bresche gefährlich viel größer werden könnte.

Aber gab es denn nicht schon ähnliche Fälle? Musste kürzlich in Basel nicht Bischof Vogel den Hut nehmen? "Um Himmels willen! Wollen sie diese Fälle vielleicht vergleichen?", fragt lächelnd in einem mit schwerem Brokat verhängten Salon des Vatikans ein erfahrener Prälat. "Bischof Vogel wurde Vater. Gegen Bischof Mixa aber liegt in der Sache kaum mehr vor als ein paar Ohrfeigen vor 30 Jahren und ein paar alte finanzielle Ungereimtheiten, die nun plötzlich mit der Missbrauchsdebatte zusammengeschraubt wurden." - Seinen eigenen Namen will auch er in diesem Zusammenhang so wenig genannt wissen wie der Kardinal. Doch er ist in der Sache auskunftsfreudiger, weil es ihn so "wundert", dass die Vorwürfe gegen Walter Mixa nicht bereits im Vorfeld der Bischofsernennung erhoben wurden: "Die Watschen beiseitegelassen. Was ist denn eigentlich mit den Vorwürfen, die die Finanzen betreffen? Mixa war doch nicht allein. Auch die Stiftungsverwaltung muss die Vorgänge doch gekannt haben. Danach musste der Stiftungsrat alle Ausgaben kontrollieren. Drittens musste der Wirtschaftsprüfer das Gleiche tun. All dies hätte doch schon zur Sprache kommen müssen. Warum erst jetzt?"

Darum hat er kaum Zweifel, dass sich eine Opposition in der Diözese in diesem Fall der Medien bedient hat, die mit der Ausrichtung Walter Mixas und seiner Personalpolitik nicht einverstanden ist. Denn klar sei ja auch, dass "die Kampagne", die dem Rücktritt vorausging, von langer Hand vorbereitet worden sei. "Denn um an all diese Informationen zu kommen, sei es, was das Vermögen betrifft, sei es, was die Kinder betrifft, bedurfte es doch längerer und gründlicher Recherchen. Wer war daran interessiert?" - Das weiß der listige Monsignore allerdings auch selber nicht.

Er sieht jetzt nur einen Schaden für alle, für das konservative wie für das liberale Lager, für die ganze Kirche und vor allem für das Bischofsamt. "Jetzt kann jeder Bischof sehr leicht diskreditiert werden." Jeder müsse nun fürchten, dass sein Leben in jeder Etappe durchleuchtet wird und er danach zur Strecke gebracht werden könne. Dafür brauche es nicht einmal "eine Leiche im Keller, sondern - wie sich jetzt zeigt - ein oder zwei Kästen Wein zu viel". Der Prälat lacht leise und maliziös. Denn es gebe doch keinen Menschen ohne Vorleben, nicht einmal unter den Heiligen. Keiner sei vollkommen. "Der heilige Augustinus hat vor seiner Bekehrung einen Sohn gezeugt, von dem man nie mehr gehört hat. Im Rahmen medialer Vorwürfe und Beschuldigungen aber ist selbst die Möglichkeit einer Umkehr überhaupt nicht mehr vorgesehen."

Durch diesen einmaligen Vorgang würden die deutschen Bischöfe deshalb noch ängstlicher werden, als sie es ohnehin schon seien. Denn natürlich sei Bischof Mixa auch "für seine Äußerungen bestraft" worden. "Er war ja eine Reizfigur!" Mit dieser Strategie könne künftig jeder missliebige Bischof erledigt werden. "Ab jetzt genügt es, Verdächtigungen auszusprechen. Eines Beweises bedarf es dann nicht, um das Messer der Medien-Guillotine in den Nacken jedes missliebigen Bischofs stürzen zu lassen. Das ist nicht nur ein Maulkorb, der da verhängt wird." - Aber wäre es nicht dennoch weise gewesen, Mixa wäre früher dem Beispiel Bischöfin Käßmanns gefolgt? "Er hätte dem Beispiel Georg Ratzingers folgen und die Watschen zugeben sollen, die damals doch selbstverständlich waren, vielleicht aber auch nicht." Wieso nicht? "Weil nun eben auch eine infame Art und Weise erprobt wurde, den Papst unter Druck zu setzen. Denn sehen sie, wenn der Papst jetzt nicht den Rücktritt sofort annimmt und sagt, ich will den Fall zuerst einmal unabhängig prüfen lassen, gilt er augenblicklich selbst als der Watschen-Papst, oder - schlimmer noch - als der Vertuscher-Papst, der Missetäter decken will."

Der feinsinnige Prälat seufzt zum Abschied. "Wer von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein, hat Jesus uns als Auftrag hinterlassen. Diese Maßregel gilt nicht für die Mediengesellschaft. Es ist deshalb ein Kampf mit furchtbar ungleichen Waffen, der da geführt wird, der kaum zu gewinnen ist." Ist es denn wirklich ein Kulturkampf, wie viele von Rom aus erkennen wollen? "Unbedingt! Gesellschaftlich ist es Kulturkampf, das ist evident. Aufseiten der Gläubigen in Deutschland aber herrscht eher eine Stimmung wie 1517. Doch es ist kein Luther in Sicht. Nur der Papst. Das reizt viele noch viel mehr."


Kommentar

Papst ohne Demut?

Von Andrea Seibel 6. April 2010, 04:00 Uhr Die Welt
Es ist nicht leicht für eine Institution wie die katholische Kirche, mit dieser Krise umzugehen. Kindsmissbrauch und Pädophilie sind das Schlimmste, was ihr in der säkularen Welt geschehen konnte, die den Zölibat, also die Liebe zu Gott, für eine Widernatürlichkeit hält. Die Kirche hat viele Feinde, für die dieser enorme Vertrauensbruch letzter Beweis kirchlicher Antimodernität und Unbelehrbarkeit ist. Und natürlich wittern diese Fundamentalkritiker nun ihre Chance, Papst und Kirche endgültig zu diskreditieren, indem sie die ganze Institution infrage stellen, mit besonderer Vorliebe natürlich den Papst, den sie der Fehlbarkeit zeihen. Feinde wie diese hatte die Kirche immer, aber die Verunsicherung und die Angst vor einem Verlust der Macht muss doch tiefer sitzen, wenn ein Papstverteidiger wie Angelo Sodano am Ostersonntag Kritik am Vatikan grundsätzlich als "Geschwätz" abtut und der Papst wiederum kein Wort verliert - außer, die Moderne zu kritisieren. Hat er vergessen, worum es geht? Und hat Sodano auch nur eine Sekunde an die Opfer gedacht, denen er mit solch kalten und herablassenden Worten wiederum Verletzungen zufügt? Ähnlich verquer auch der Vergleich des katholischen Würdenträgers Cantalamessa, der die anhaltende Kritik am Vatikan mit Mechanismen antisemitischer Hetze verglich. Man ist, besonders offenbar in Rom, noch nicht richtig im Stadium der Demut angekommen. Derer aber bedarf es, um erst den Prozess der Läuterung zu beginnen. Will die Kirche das, oder meint sie, ein "Verzeihung" und "Nie wieder" reichten, und alles bleibe sonst beim Alten?

Die deutschen Bischöfe haben in ihren Osterpredigten gezeigt, dass sie das Ausmaß der Krise begriffen haben. Wer den Menschen in den Mittelpunkt seines Denkens, Fühlens und Tuns stellt, der muss den späten Mut und die Qualen der Opfer an sich herankommen lassen. Dass die Opfer endlich sprechen, macht sie mächtig. Wer das begreift, der muss sich ändern. Denn nur der, und das sagte einst Deutschlands bekennender Atheist Wolf Biermann, der sich ändere, bleibe sich treu.


Katholische Krisen

Von Thomas Schmid 23. April 2010, 04:00 Uhr Die Welt

 

Das war ein trauriger Abgang, er kam zu spät. Mit jeder Stunde, die er früher von seinem Bischofsamt zurückgetreten wäre, hätte Walter Mixa Schaden von seiner Kirche abwenden und seine eigene Beschädigung mindern können. Er hat sich strikt nach der allzu menschlichen Missetäternorm verhalten: Erst als es gar nicht mehr anders ging, erst als er in auswegloser Lage war, hat er bekannt und die Konsequenzen gezogen. Dass Gottesleute auch nur Menschen sind und fehlen können, darf niemanden überraschen, es sollte kein polemisches Kapital daraus geschlagen werden. Erstaunlich ist nur, dass ein überzeugter Christ wie Mixa nicht gesehen hat, dass er mit seinem Verhalten das beschädigt hat, was zu den nicht eben zahlreichen verbliebenen Aktiva der katholischen Kirche gehört: die moralische Integrität, ihre Vorbildfunktion. Fast könnte man auf den Verdacht kommen, Walter Mixa habe das in Kauf genommen. Denn vielleicht will er gar nicht die Kirche, die kohärent zu Gläubigen, Zweiflern und Ungläubigen spricht. Vielleicht will er die Kirche als der Rechtfertigung enthobene Trutzburg im Meer einer gottlosen Moderne.

Deren Dialektik entkommt er damit nicht. Obwohl er doch alles tun wollte, um die Kirche als einen Hort des Herkömmlichen, der traditionellen Wertevorstellungen und der konservativen Gesinnung zu bewahren, hat er das schiere Gegenteil erreicht. Er hat all das noch mehr in die Isolation und fast auf die Anklagebank geschoben. Es gibt für diesen und jenen gute Gründe, mit der modernen Gesellschaft des raschen Wertewandels über Kreuz zu sein. Viele, die mit dieser schönen neuen Welt nicht glücklich sind, befinden sich auf der Suche nach zeitgemäßen, also weder reaktionären noch lächerlichen Formen, diesem Unbehagen Ausdruck zu geben. Mixa ist diesen Suchenden brutal in die Parade gefahren.

Als er am Ende auch noch ernsthaft behauptete, mitverantwortlich am sexuellen Missbrauch Jugendlicher unter dem Mantel der katholischen Kirche sei die "sexuelle Revolution", also der Geist der 68er: Da hat er die Grenze zum Unseriösen endgültig überschritten. Erstens, weil er gegen die gute Regel verstieß, jeder solle erst einmal vor der eigenen Tür kehren - und vor der der katholischen Kirche lag ja einiges. Und zweitens, weil er doch nicht ernsthaft glauben konnte, dass solche Verschwörungstheorien die Wirklichkeit auch nur annähernd zutreffend beschrieben. Derart dumm argumentierend, hat er seine eigene Klientel weit, weit unter Wert verkauft. Er wusste wohl nicht, was er da tat. Er war kein guter Hirte. Denn er hat die Herde der konservativ Gesonnenen schlecht geführt, hat ihnen das Leben noch schwerer gemacht. Er hat den konservativen Geist zu einer Karikatur werden lassen. Jeder Feld-Wald-Wiesen-Feind der Kirche und des Religiösen kann nun munter auf diese Karikatur zeigen: Wenn das konservativ ist, dann brauchen wir es wirklich nicht. Einen besseren Helfer hätten militante Agnostiker nicht finden können.

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Die katholische Kirche in Deutschland ist der Aufgaben wegen, vor denen sie steht, nicht zu beneiden. Es ist kein halbes Jahrhundert her, da konnten die geistlichen Repräsentanten dieser Kirche noch halbwegs sicher sein, in einem gewissen Gleichklang zu einem beträchtlichen Teil des Geists der Zeit zu leben. Es gab breite Milieus, die sozial-katholisch orientiert waren, die noch in einer traditionellen Wertewelt wurzelten und jenseits der klassischen Familie nur Sodom und Gomorrha zu erkennen vermochten. Die Kirchenmänner besaßen hier unhinterfragbare Autorität; selbst wenn sie - wie Josef Kardinal Frings in Köln - populär waren, stachen sie hervor, waren wenig nahbar, hatten oft etwas Aristokratisches. Heute ist die Kirche - wie alle anderen auch - erkennbar auf der Suche. Es gibt Gottesmänner, die den Weg durch die Talkshows gehen. Andere üben sich - in der katholischen Kirche inzwischen mehr als in der evangelischen - im Amt des Wächters über das Soziale. Wieder andere agieren als Menschenfreunde, als Tugendwächter oder als asketische Hüter von Gottes Botschaft. Die Pluralisierung der Stile hat auch die Kirche erreicht, die doch zugleich ein Hort der unverbrüchlichen, nicht zur Disposition stehenden geistlichen Wahrheit sein will.

Die Kirche muss die Höhlen der Schwarzen Pädagogik verlassen, schon deswegen, weil diese mit der Nächstenliebe nicht vereinbar ist. Und ihr muss das Kunststück gelingen, erkennbar von dieser Welt zu sein und in ihr verständig zu agieren - und zugleich mehr als einen Rest jener Weltenfremde zu erhalten, deretwegen die Kirche über Jahrhunderte Fluchtpunkt nicht nur der Mühseligen und Beladenen gewesen war. Die Zeitläufte kommen ihr dabei nicht entgegen. Doch die Diaspora muss kein Fluch sein. Auch in katholischen Krisen können Chancen schlummern.


Kirchen schrumpfen im Rekordtempo

Die ungebremste Entchristlichung Deutschlands

 

Von Stephan Köhnlein 21. Dezember 2009, 15:51 Uhr Die Welt

An Heiligabend werden die Kirchen wieder voll sein. Doch die Realität sieht anders aus: Immer weniger Deutsche gehören einer christlichen Kirche an. Der Trend der vergangenen Jahre hat sich sogar weiter verschärft, die Kirchenaustritte nahmen den letzten verfügbaren Zahlen zufolge noch einmal deutlich zu.

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Foto: AP

Leerer Dom in Magdeburg: Die Zahl der Kirchenaustritte nimmt zu

 

Die gut besuchte Kirche an Heiligabend und Weihnachten verleitet zum Trugschluss. Denn schon am Sonntag darauf verlieren sich eine Handvoll Menschen in den Bänken.

Längst schon haben sich die Kirchen haben sich darauf eingestellt, dass sie immer kleiner werden. „Ganz realistisch: Die Gesellschaft schrumpft in Deutschland, und das wird auch die evangelische Kirche betreffen“, sagt etwa die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann.

Zugleich betont die Hannoversche Landesbischöfin aber auch, dass noch immer zwei Drittel der Menschen in Deutschland Mitglied einer Kirche sind: „Das ist ein sehr relevanter Faktor, aber der wird manchmal runtergespielt, als wären wir bei zehn Prozent angelangt.“

Doch wenn sich nicht bald etwas ändert, könnte dieser Fall in einigen Jahrzehnten tatsächlich eintreten, denn die Kirchen schrumpfen noch schneller als die Gesellschaft. Laut Deutscher Bischofskonferenz nahm die Zahl der Katholiken im Jahr 2008 um 284.000 ab. Die Gesamtzahl der Menschen in Deutschland sank im gleichen Zeitraum lediglich um 215.000.

Mit Besorgnis blicken die Kirchen besonders auf den demografischen Wandel, dabei gerät ein anderes Problem in den Hintergrund. Rund 120.000 Mitglieder verlor die Katholische Kirche im Jahr 2008 nämlich durch Austritte. Aus der Evangelischen Kirche traten sogar 160.000 Menschen aus.

Kirchensteuer als Grund für den Austritt?

Für einen Anstieg sorgte dabei Ende des Jahres 2008 die Änderungen bei der Besteuerung von Spekulationsgewinnen. Da die Banken die Kirchensteuer auf die Gewinne nun direkt abführen konnten, sei bei vielen Menschen das Missverständnis entstanden, es handele sich um eine neue Steuer, erklärte der evangelische Oberkirchenrat Thomas Begrich bei der Vorstellung der Zahlen für die EKD. Deshalb hätten viele Menschen die Kirche verlassen. Im Vergleich zum Vorjahr waren das rund 30.000 Protestanten mehr. Bei den Katholiken stieg die Zahl der Austritte um rund 28.000.

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28%

Ja, ich bin katholisch

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21%

Ja, ich bin evangelisch

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36%

Nein, ich bin ausgetreten

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15%

Nein, ich war nie Mitglied

3513 abgegebene Stimmen

Möglicherweise wird die Zahl der Austritte in 2009 erneut zunehmen: Denn nach der umstrittenen Papst-Entscheidung zur ultrakonservativen Pius-Bruderschaft verzeichneten einige Städte deutlich höhere Kirchenaustrittszahlen. Davon könnte sogar die Evangelische Kirche betroffen sein. Die Vergangenheit hat nämlich gezeigt, dass bei umstrittenen Entscheidungen des katholischen Kirchenoberhaupts immer wieder auch Protestanten ihrer Kirche den Rücken kehrten.

Auch die Kirchensteuer wird immer wieder als Grund für den Austritt angeführt. Die Kirchen halten dem entgegen, dass dieses Geld in erster Linie in Personalkosten fließt und in der Betreuung von Kindern, Alten, Kranken und Behinderten wieder der Allgemeinheit zugute komme.

„Gäbe es die Kirchensteuer nicht, müssten wir uns aus zahlreichen Aktivitäten etwa im karitativen Bereich verabschieden, die dann andere, etwa der Staat, zu übernehmen gezwungen wären“, warnt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch.

"Nur den Neunten von der Steuer"

Außerdem nehmen die Kirchen mit in der Regel neun Prozent von der gesamten Lohnsteuer deutlich weniger als in der Bibel vorgesehen. Dort steht „Du sollst den Zehnten geben“. In Deutschland gilt: „Nur den Neunten von der Steuer, die Du bezahlst“. Biblisch gesehen, so die EKD-Ratsvorsitzende Käßmann, sei das also eher ein minimaler Beitrag. Bei einem verheirateten Arbeitnehmer mit zwei Kindern und einem Monatsbruttoeinkommen von 3000 Euro sind das in der Steuerklasse III nach Berechungen der EKD gerade einmal 3,40 Euro.

Für die Kirchen bedeutet der Mitgliederschwund auch massive finanzielle Einbußen, obwohl die Anforderungen in vielen Bereichen sogar noch wachsen – etwa bei der Betreuung alter Menschen. Verschärft wird die finanzielle Situation der Kirchen durch die jüngsten Steuerentlastungen, denn niedrigere Steuern bedeuten auch weniger Kirchensteuern.

Doch trotz all dieser Probleme – es gibt auch den einen oder anderen Hoffnungsschimmer. In ganz Deutschland gibt es immer wieder Gemeinden aller Konfessionen, die gegen den Trend wachsen, viele davon mit jungen Menschen. Die Evangelische Kirche verzeichnet zudem rund 60.000 Wiedereintritte pro Jahr, eine Zahl die Käßmann gerne ausbauen möchte. „Mir liegt daran, einladende und offene Kirche zu sein, den Menschen deutlich zu machen, dass wir sie begleiten an den großen Übergängen in ihrem Leben“, sagt sie und fügt hinzu: „Die Geburt eines Kindes oder der Tod eines Angehörigen, das sind oft Anlässe für einen Wiedereintritt.“

Und auch Zollitsch glaubt: „Letztlich suchen die Menschen Halt, Bindung und Orientierung in einer schnelllebigen und unübersichtlichen Welt. Die können wir anbieten, wenn wir unsere Botschaft in besser verständlicher Weise vermitteln.“

 

 




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Stand: 24. Februar 2010.