Der Mittelstand pro NRW ist
einer von mehreren Arbeitskreisen der Bürgerbewegung pro NRW, der seine
politischen Inhalte und Ziele auf dieser Internetseite vorstellt und diese im
Gesamtverband in den innerparteilichen Diskussionsprozess einbringt
Populismus scheuen die Sozialisten bei Anderen wie der Teufel das
Weihwasser, denn es war und ist ihre eigene Erfolgstaktik!
»Hätte die Partei mir den
Auftrag gegeben, dann gäbe es die DDR vielleicht noch heute.
Darauf können sie sich verlassen.«
Politverbrecher
Erich Mielke, Minister für Staatssicherheit von 1957-1989
Für das Ministerium für
Staatssicherheit der DDR waren (und sind wohl wieder?!) bis zu 90 000 hauptamtliche und
mehr als 180 000 inoffizielle Mitarbeiter tätig.Wo sind die alle
geblieben? In Luft aufgelöst?
Ein ganz normaler
Geheimdienst, in einem ganz normalen Land?
Das
Medienprodukt »Die Firma« zeigte die Allgegenwart der
Staatssicherheit: vom Ministerium in Berlin, über
Bezirksverwaltungen, Kreisdienststellen,
Untersuchungshaftanstalten, Bunker und
Abhöranlagen, bis zur geheimen
Hinrichtungsstätte der DDR. Im neuen Deutschland hat sie sich
wieder klammheimlich als Macht hinter den Kulissen
wieder implementiert und zieht ihre Fäden. Zuletzt mit dem
Mörder-NSU-Trio und den dubiosen Umständen rund um deren
Handlungen bis hin zu deren
Tod/Ermordung?
aus PI 16.11.11: Leserbrief #75
Sebastian (16. Nov 2011 22:36)
Hallo Elisa,....
Ich kann mich noch sehr gut
erinnern, als ich Ende April, Anfang Mai 1990 aus dem
Knast in Karl-Marx-Stadt entlassen wurde .
Als ich, damals -übrigens mit Hilfe des Spiegels- ein
Rehabilitationsverfahren anstrebte, um zumindest eine
Löschung der Vorstrafen zu erwirken, staunte ich nicht
schlecht .Mein damaliger Rechtsanwalt, Herr Lothar de
Maizere war mittlerweile Ministerpräsident der DDR und
den leitenden Staatsanwalt in meiner Verhandlung kannte
ich auch – allerdings aus dem Staatsdienst des Ostens
.Du wirst bestimmt schnell erraten, wie das Verfahren
ausging….Ich wurde nicht rehabilitiert, da ich “…im
Sinne der Gesetze der DDR rechtmäßig verurteilt wurde…”
.Tja, so läuft´s nunmal, Pech gehabt und nunmehr auch
egal, aber die Augen öffnen einem solche Erfahrungen auf
jeden Fall !…und sie prägen das weitere Leben, in dem
man
Es ist unfaßbar, wie es der Linken
und DKP gelingt, in Deutschland wieder Fuß zu fassen. Strategisch im Kampf
gegen Rechts versucht man alle anders politisch Denkenden an die Wand zu
drücken unter Mißbrauch der UNESCO
Erklärung 1978 (Rassen und Rassenvorurteile) über die Nürnberger von
der SPD Schirmherrschaft geführten Ächtungseinrichtung, die bestimmt wer
"Nazi" und "Rassist" ist und wer nicht. Besonders der
Medien-Hype im November wegen des wohl ermordeten NSU-Trios zeigt die
deutliche STASI-Orchestrierung, wie wir sie in Zeiten der Bundesrepublik vor
der Wiedervereinigung häufig mit schlimmen Auswirkungen für die
Bundesrepublik erlebt haben, von den Dingen um Wörner bis zu den
Hitler-Tagebüchern. Im
für den Dienstgebrauch bestimmten Wörterbuch der politisch-operativen Arbeit
des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) - damals streng geheim -
erklärten die Stasi-Kader, warum ihnen die Desinformation so wichtig war.
Die "bewusste Verbreitung von den Tatsachen grundsätzlich oder teilweise
widersprechenden Informationen in Wort, Schrift, Bild und Handlungen"
sei deshalb ein "probates Mittel im Klassenkampf", weil man damit "Aktivitäten
und Kräfte des Feindes in dem MfS genehme Richtungen lenken beziehungsweise
diese Kräfte verunsichern" könne. Ziel der jetzigen Aktion war und ist die Erhöhungen der
Gelder im "Kampf gegen Rechts" ebenso wie die Auflösung des
Verfassungsschutzes bzw. dessen eingeschränkte Beobachtung des linken
Spektrums, was von Links schon seit Jahrzehnten gefordert wird. Stört dies doch die Aktionen zur
ungestörten kommunistischen Machtübernahme. Mit der
Stasi ist eine kriminelle Vereinigung am Werk und keiner regt sich auf. Bei
3 Mördern aus dem angeblichen NSU Bereich, wenn es ihn überhaupt gibt, wird
eine totale Überreaktion ausgelöst von den üblichen Akteuren kommunistischer
Einfärbung und den üblichen Gutmenschenakteuren. Wenn das nicht gewaltlos
funktioniert, wird das
ANTIFA-Verbrecher-Netz,
vertreten in vielen Städten Europas präsent durch besetzte Sponti-Zentren,
gegen Bezahlung zum Gewalteinsatz (siehe England
und Griechenland mit Antifa-Auftritten) eingeschaltet
und wieder regt es niemand auf. Alles Zufall? Während es der Linken
gelingt, riesige Diskussionen und Ächtung im Falle von Guttenbergs oder beim
ehemaligen Bundespräsidenten Wulff zu
entfachen, weil sie über die SPD über die wichtigen Weiterträger, die linken
Medien verfügt wird systematisch die Möglichkeit der Übernahme Schritt für
Schritt konstruiert. Eine unblutige Revolution 1989 war der falsche Weg,
Nürnberger Prozesse 2 wären angebrachter gewesen.
_______________________________________________
West-Polizisten im Stasidienst
Für die DDR spitzelten
ständig mindestens zehn Berliner Beamte
Die DDR-Staatssicherheit
(MfS) wusste nahezu alles, was sie über die West-Berliner Polizei wissen
wollte. Bis 1972 hatte sie auf der anderen Seite der Mauer im Durchschnitt
immer zwischen zehn und zwanzig Spitzel platziert, die aus verschiedensten
Bereichen des Polizeiapparates oder aus seiner Umgebung berichteten. Die
Dauer dieser Tätigkeit war sehr unterschiedlich - zwischen wenigen Monaten
und über einem Jahrzehnt wie bei dem 2009 enttarnten Spitzel Karl-Heinz
Kurras. Der Kripo-Beamte hatte im Juni 1967 den Studenten Benno Ohnesorg
nahe einer Demonstration in West-Berlin erschossen.
Allerdings gab es keinen
zweiten Superspion wie ihn. Auch auf inhaltliche Entscheidungen der
Polizeiführung im freien Teil der zerrissenen Stadt konnte der
SED-Geheimdienst keinen nennenswerten Einfluss ausüben - jedenfalls bis
1972. Das sind die Ergebnisse eines Zwischenberichts, den Berlins demnächst
scheidender Polizeipräsident Dieter Glietsch vorgestellt hat. Erarbeitet
wurden sie von einer Wissenschaftlergruppe des Forschungsverbundes SED-Staat
um Klaus Schroeder und Jochen Staadt.
Bekannt war seit der
Kurras-Enthüllung lediglich, dass allein über die West-Berliner Polizei ein
180 Bände umfassender "Operativvorgang" in den Archiven der Stasi erhalten
ist. Glietsch gab umgehend den Auftrag, dieses Material umfassend zu
erforschen, wobei noch einmal weiteres Material in ähnlichem Umfang
erschlossen werden konnte. Zum Vergleich: Die Ordner über Kurras selbst und
seine Kontaktleute umfasste nur ein Zehntel der jetzt untersuchten Menge.
Die Beschränkung auf die Zeit bis 1972 war sinnvoll, weil danach ein Wechsel
bei der Zuständigkeit in der Stasi eintrat. Glietsch teilte jetzt jedoch
mit, dass eine Fortsetzungsstudie bei Schroeder und Staadt in Auftrag
gegeben worden sei.
Das Hauptinteresse des MfS
war stets die Organisation der West-Berliner Polizei, ihre Ausstattung mit
Waffen und ihre Vorbereitungen auf einen eventuellen militärischen Konflikt
um West-Berlin. Die Gesamtzahl der insgesamt bis 1972 für das MfS tätigen
Spitzel konnte bisher nicht festgestellt werden, da viele Decknamen noch
nicht aufgelöst sind.
Die Anschlussstudie,
deutete Jochen Staadt an, könnte noch interessantere Ergebnisse bringen. In
den ab Anfang der 70er-Jahre in großem Umfang erhaltenen Abhörprotokollen
lag offenkundig ein Schwerpunkt auf Ermittlungen der West-Berliner Behörden
gegen Terroristen, darunter auch über geplante Fahndungseinsätze. Mindestens
in einem Fall war bisher schon bekannt, dass Linksterroristen dank eines
Tipps aus Ost-Berlin einer Razzia entgingen. Es ist gut möglich, dass die
Anschlussstudie erweist, dass es seitens des MfS mehr Hilfe für die RAF und
Bewegung 2. Juni gab.
Die Berliner Polizei ist die erste
Institution des ehemaligen West-Berlins, die ihre Rolle in der Wahrnehmung
der Staatssicherheit wissenschaftlich hat untersuchen lassen. Klaus
Schroeder, der mit Studien wesentlich zur Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit
beiträgt, lobte Polizeipräsident Glietsch dafür ausdrücklich. Selbst wenn
weitere Sensationen ähnlich der Überführung von Kurras ausbleiben, ergänzen
solche Arbeiten doch das Wissen um den Kalten Krieg erheblich. Juristische
Konsequenzen jedoch wird es kaum geben. Welt 24.3.2011
______________________________________________
Das
Märchen vom bösen Joachim Gauck
die Welt 22.2.12
Seit Christian Wulffs Rücktritt läuft
im Internet eine denunziatorische Welle gegen seinen Nachfolger. Jetzt hat
sie auch die Politik erfasst
Auf Facebook und Twitter schreiben
Gauck-Gegner voneinander ab und präsentieren ein Zerrbild
Grünen-Chef Cem Özdemir verteidigt den
Bürgerrechtler gegen Angriffe aus seiner Partei
Mit Desinformationskampagnen kennt
sich Joachim Gauck ganz gut aus. Zwischen 1990 und 2010 hat er sich
hauptberuflich immer wieder damit beschäftigt, wie die Staatssicherheit in
der DDR Gerüchte als Waffen gegen missliebige Dissidenten einsetzte.
Im für den Dienstgebrauch bestimmten
Wörterbuch der politisch-operativen Arbeit des Ministeriums für
Staatssicherheit (MfS) - damals streng geheim - erklärten die Stasi-Kader,
warum ihnen die Desinformation so wichtig war. Die "bewusste Verbreitung von
den Tatsachen grundsätzlich oder teilweise widersprechenden Informationen in
Wort, Schrift, Bild und Handlungen" sei deshalb ein probates Mittel im
Klassenkampf, weil man damit "Aktivitäten und Kräfte des Feindes in dem MfS
genehme Richtungen lenken beziehungsweise diese Kräfte verunsichern" könne.
Im neuen, demokratischen Deutschland
laufen Desinformationskampagnen freilich ganz anders. Doch wie man aus einem
redlichen Bürgerrechtler ein Rechtsausleger macht, der Finanzmärkte
verteidigt, Sarrazin lobt und Vorratsdatenspeicherung begrüßt, ist zurzeit
im Internet zu besichtigen - und zwar am Beispiel des künftigen
Bundespräsidenten.
Man nehme ein Interview, kürze
unter Missachtung grammatikalischer Regeln die differenzierten Aussagen auf
ein, zwei Satzfetzen herunter - und schreibe diese Fragmente dann oft und
falsch voneinander ab. Schon ist die Bühne frei für alle, die schon immer
ahnten, dass Gauck ein Gaukler ist.
Im Netz, vor allem auf Facebook,
Twitter und in manchen Blogs, kursieren zurzeit gleich mehrere Behauptungen
über den Kandidaten. Der jüngste Vorwurf: Joachim Gauck sei ein Fan von
Thilo Sarrazin. Ursprung des Gerüchts: ein kurzer Netzartikel des
"Tagesspiegels", in dem Gauck mit den Worten zitiert wird, Sarrazin habe mit
der Veröffentlichung seines Buches "Mut bewiesen".
Tatsächlich hat Gauck das während
eines Redaktionsbesuchs offenbar gesagt - wie vieles andere über Sarrazin
auch. Was sowohl der "Tagesspiegel" in dem Netzartikel wie auch viele
Blogger und Twitterer verschweigen: Gauck hatte sich in einem Interview der
"Süddeutschen Zeitung" bereits 2010 eindeutig von den biologistischen Thesen
Sarrazins distanziert. Dass mit dem Buch "Deutschland schafft sich ab" aber
eine Debatte über Integration in Deutschland begonnen wurde, lobte Gauck.
Nun kommt die Vokabel "mutig" ins Spiel: Wenn ein Thema aus Gründen der
politischen Korrektheit nicht behandelt werde, so Gauck, müsse man sich
nicht wundern, wenn es an anderer Stelle doch behandelt werde.
Verzerrt werden auch Gaucks Ansichten
über die Hartz-IV-Reformen, Vorratsdatenspeicherung oder die "Occupy"-Bewegung.
Aus langen Interviews oder Diskussionsveranstaltungen wird zwar zitiert -
aber mit dem klaren Willen, Gauck Überzeugungen und Ansichten unterzujubeln,
die er gar nicht hat.
Die Welle im Netz schwappt nun auch in
die Politik. Die Linkspartei attackiert Gauck seit Tagen als "Präsident der
kalten Herzen". Dass die Partei mit den größten Stasi-Problemen in
Deutschland ein Problem mit dem bekanntesten Stasi-Jäger haben würde, hätte
man fast geahnt. Doch der Anti-Gauck-Reflex hat nun auch Teile der Grünen
und der türkischen Community erfasst. Der grüne Bundestagsabgeordnete Memet
Kilic, als integrationspolitischer Sprecher seiner Fraktion nicht ohne
Einfluss, hält Gauck für unwählbar. Kenan Kolat, Chef der Türkischen
Gemeinde, hofft darauf, Gauck möge seine Aussagen "revidieren". Und der
grüne Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele fordert, Gauck solle
seine Äußerungen über Hartz IV, die "Occupy"-Bewegung und den ehemaligen
Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin "erklären".
Das könnte Ströbele einfacher haben.
Zwar ist im Internet eine Meute gegen Gauck unterwegs, deren Behauptungen
von Klick zu Klick immer grotesker werden. Manche Blogger machen aber das
Delirium der Schwarmintelligenz nun zum Thema. So nahm Patrick Breitenbach
von der Karlshochschule International University die Attacken auf Gauck in
seinem Blog sauber auseinander. Auch die bekannte Bloggerin Julia Seeliger,
die zunächst selbst auf den Zug der Gauck-Basher gesprungen war, revidierte
ihr Urteil wenig später. Im Postskriptum übte sie regelrecht Reue:
"Eigentlich wollte ich nur kurz etwas Selbstkritik üben, mich an der
Desinformation bezüglich Gauck und Sarrazin, die in den letzten Tagen im
Netz stattfand, beteiligt zu haben. Sorry."
Der Netzaufstand gegen Gauck sorgt in
der Führungsetage der Grünen immerhin für so viel Unruhe, dass am Dienstag
auch der Parteichef für Gauck in den Ring stieg. Er habe Joachim Gauck schon
bei der ersten Kandidatur 2010 als einen Menschen kennen- und schätzen
gelernt, der "neugierig, offen und lernbereit ist, eigene Standpunkte auch
infrage stellt - und zuhören kann", sagte Cem Özdemir der "Welt". Über die
vom CSU-Bundestagsabgeordneten Norbert Geis losgetretene Diskussion, Gauck
möge seine Lebensgefährtin heiraten, bevor er in Bellevue einziehe, hat
Özdemir nur noch Spott übrig: "Da hört es bei manchen in der Union mit der
Freiheit wohl schon auf." Demnächst werde man Gauck vermutlich auch noch
vorschreiben, wie er "seine Frisur tragen soll". Der Grünen-Chef mahnt in
Sachen Gauck "allgemeine Zurückhaltung" an. Der 72-jährige Kandidat brauche
sicher keine Hinweise darauf, wie er sein Privatleben führe.
Und der Grünen-Fraktionschef Jürgen
Trittin bekräftigte in der "Frankfurter Rundschau", man habe Gauck nicht zum
Kandidaten gekürt, "weil wir erwarten würden, dass er uns nach dem Mund
redet". Das wird er sicher nicht. Die Erfahrungen der vergangenen Tage
werden ihn aber auch nicht redseliger machen. Am Freitag wird er in Fürth
noch einmal eine Lesung halten - und dann in Klausur gehen. Keine
Interviews. Keine Podiumsdiskussionen. Der nächste Shitstorm im Internet
wird wohl auf sich warten lassen. Aber nach dem nächsten klugen Wort kommt
er bestimmt.
Sollte jedenfalls, wenn man die
nachfolgenden fragwürdigen Fakten ließt:
"Unverzichtbare Spezialkenntnisse"
die Welt 22.2.12
Bekannt wurde
Joachim
Gauck als Leiter der
Stasi-Unterlagen-Behörde. Dort stellte er MfS-Kader
ein
Das Verb zum künftigen Präsidenten gibt
es schon. "Gaucken"
bedeutet "auf Stasi-Kontakte überprüfen";
das Wort schaffte es zeitweise sogar in
den Duden, 2004 in die 23. Auflage. Der
quasi-plebiszitär nominierte Kandidat für die
Nachfolge von Christian Wulff muss also keine
peinlichen Späße mit seinem Namen à la "wulffen"
fürchten: Es gibt keine Leerstelle, die besetzt
werden könnte.
Joachim
Gauck ist eine moralische Instanz. Den
Grundstein dafür hat er während seiner
zehnjährigen Amtszeit als Leiter der
Stasi-Unterlagen-Behörde (BStU) gelegt.
Unumstritten ist seine Tätigkeit freilich nicht,
wie sich zuletzt am 14. Januar dieses Jahres
zeigte: Beim Bürgertag im wiedereröffneten Haus
1 der einstigen Zentrale der
DDR-Staatssicherheit (MfS) in Berlin-Lichtenberg
wurde
Gauck bei einer Diskussion mit seinen
beiden Nachfolgern Marianne Birthler und Roland
Jahn ausgebuht.
Wie meist
bei Kritik an dem studierten Theologen ging es
auch dieses Mal um die Stasi-Altlasten in der
geschichtspolitisch vielleicht sensibelsten
Behörde der Bundesrepublik. Skeptiker halten ihm
vor, die Öffentlichkeit über die tatsächliche
Anzahl von alten Stasi-Kadern mindestens
fahrlässig, möglicherweise sogar vorsätzlich
getäuscht zu haben.
Unstrittig
ist,
dass unmittelbar nach der
Wiedervereinigung ehemalige Stasi-Offiziere in
die gerade erst im Aufbau befindliche neue
Institution eingestellt wurden.
Vom 4. Oktober 1990 datiert eine Liste
mit den Namen von mehreren Dutzend
Stasi-Offiziere, die der ehemalige Chef des
MfS-Auflösungskomitees, Günter Eichhorn, an
Gauck schickte. Eichhorn, der selbst
unter dem Decknamen "Adler" Inoffizieller
Mitarbeiter der Stasi war, wie sich später
herausstellte, empfahl diese Personen, weil ihre
Sachkompetenz angeblich notwendig sei, um eine
schnelle Aufarbeitung der Papierberge zu
ermöglichen.
Immerhin
elf dieser Personen stellte
Joachim
Gauck offenbar im vollen Wissen um ihre
Vergangenheit ein. Darunter waren mit Oberst
Gerd Bäcker und Oberstleutnant Bernd Hopfer zwei
ranghohe Offiziere der "Zentralen Auswertungs-
und Informationsgruppe", intern "ZAIG" genannt.
Sie war zuständig für die Auswertung und Analyse
der vorliegenden Informationen, erarbeitete
Lageeinschätzungen und Berichte für Minister
Mielke und seine Stellvertreter. Mit Bäcker und
Hopfer beschäftigte
Gauck wissentlich zwei MfS-Karrieristen.
Trotz
frühzeitiger Warnungen durften diese beiden und
einige weitere teilweise mit Sonderausweisen der
Behördenleitung unkontrolliert Stasi-Akten
sichten und auswerten. Sie waren unter anderem
mit Recherchen zu besonders brisanten
Verdachtsfällen wie Lothar de Maizière, Gregor
Gysi und Manfred Stolpe befasst.
Offensiv
verteidigte
Gauck die Beschäftigung solcher
Stasi-Kader. In seinem 1991 erschienenen Buch
"Die Stasi-Akten" schrieb er: "Bewusst
beschäftigen wir auch eine betont kleine Gruppe
von ehemaligen Mitarbeitern der Staatssicherheit
weiter. Es sind ausnahmslos Personen, die seit
Monaten bei der Auflösung hilfreich waren. Wir
können auf ihre Spezialkenntnisse in bestimmten
Abteilungen und im Archivwesen des MfS nicht
verzichten."
Das freilich sahen vor allem Mitarbeiter
von Außenstellen der BStU ganz anders. Hier war
die Dichte ehemaliger MfS-Hauptamtlicher viel
geringer - und die Arbeit ging nicht langsamer,
mitunter sogar schneller voran als in der
Berliner Zentrale.
Dennoch
setzte sich die Behördenleitung und damit
Joachim
Gauck persönlich dafür ein,
dass die meist befristeten
Arbeitsverträge der ehemaligen Stasi-Offiziere
1997 entfristet wurden, arbeitsrechtlich damit
gegen ihre Anstellung nichts mehr unternommen
werden kann. Außerdem stellte die BStU in der
Verantwortung
Gaucks weitere, wohl über 50 ehemalige
Personenschützer des MfS als Wachleute ein.
Das ergaben Recherchen dieser Zeitung
2006;
das anschließende Erdbeben in der
inzwischen von Marianne Birthler geführten
Behörde führte unter anderem zum Rücktritt des
Personalrates. Besonders peinlich war,
dass die Bundesregierung, gestützt auf
Angaben aus
Gaucks Leitungsstab der PDS, Anfang 1997
versichert hatte, es seien lediglich 15 alte
Stasi-Kader angestellt - in Wirklichkeit waren
es mit Wissen der Behördenleitung zu dieser Zeit
mindestens vier Mal so viele.
Bei Gauck werden die
Linken wieder zu Denunzianten
Anders
als Gauck ist die Linkspartei noch nicht
in der Gegenwart angekommen. Das zeigen
die Methoden, mit denen sie jetzt
Stimmung gegen ihn macht.
Joachim Gauck ist nicht der liebe
Gott und Kritik an ihm keine
Gotteslästerung. In seinem
ereignisreichen Leben hat der Theologe
aus Mecklenburg einige streitbare
Entscheidungen getroffen. Das muss man
ansprechen dürfen.
Die Art und Weise
aber, wie die Linkspartei mit dem
Bewerber für das höchste Staatsamt
umspringt, ist unwürdig und schäbig.
Gesine Lötzsch spricht von einem
„Kandidaten der kalten Herzen“, Oskar
Lafontaine von einem, „der etwas aus der
Zeit gefallen ist“, und
Gregor Gysi ruft gleich einen „Skandal“
aus, weil Gauck nominiert wurde,
ohne dass seine Partei dabei einbezogen
worden wäre.
Für die Linke wäre
ein Bundespräsident Joachim Gauck ein
permanentes Ärgernis. Durch diesen
Amtsinhaber, der sich wegen seiner
Erfahrungen in der zweiten deutschen
Diktatur dem Gedanken der Freiheit
verpflichtet fühlt, würde die Partei
ständig an ihre fragwürdige Herkunft
erinnert – und an ihren bis heute
ungeklärten Umgang damit.
Das wird sie Gauck
nie verzeihen können, und deshalb
schreckt sie auch nicht davor zurück,
den Bundespräsidenten in spe zu
denunzieren. Dabei hätten Gysi, Lötzsch
& Co. allen Grund, mit Gauck demütiger
umzugehen. Schließlich war es mit der
SED die Vorgängerin der heutigen
Linkspartei, die ihre Geheimpolizei auf
den Rostocker Pastor hetzte und ihm das
Leben zur Hölle machte.
Die Stasi setzte
fast ein Dutzend Spitzel ein, ließ
Telefone abhören, Post öffnen, Freunde
observieren und Auslandsreisen
verbieten, nur um Gauck zu zermürben.
Als dieser dann dem Stasi-Archiv
vorstand, das half, solche Praktiken
aufzuklären, wurde er von den Genossen
als McCarthy, Zensor oder Großinquisitor
verunglimpft.
Und die Linke gibt
keine Ruhe: Die von ihr ideologisch
unterstützte und mit Anzeigen
alimentierte Tageszeitung „Junge Welt“
hat erst am Mittwoch Gauck verhöhnt: in
einem Interview ausgerechnet mit jenem
Stasi-Oberst, der ihn zu DDR-Zeiten
„zersetzen“ sollte. Das zeigt: Anders
als Gauck ist die Linkspartei noch immer
nicht in der Gegenwart angekommen.
außerdem ist die
STASI wieder aktiv,
wie unsere
Homepageausführungen
belegen und die
Aktionen Guttenberg
, Wulff u.a. zeigen
Birthler-Behörde
protegierte einen Stasi-Leutnant die
Welt 28.2.2011
Peter Schmidt
schaffte es vom Wachmann zum IT-Chef des Stasi-Archivs. Beim Aufstieg
half ihm sein Studium an Mielkes Kaderschmiede.
Die Birthler-Behörde
beschäftigt noch immer 53 ehemalige Stasi-Mitarbeiter. Diese Zahl
hat die Unterlagenbehörde jetzt mitgeteilt. Zuvor hatte „Welt
Online“ über eine Verstrickung des
Vorsitzenden des Hauptpersonalrates berichtet:
Lutz Penesch ist
vom Amt zurückgetreten, nachdem zerrissene Stasi-Papiere zu seiner
Person rekonstruiert werden konnten. In einer Mitteilung über den
Rücktritt wurde der kompromittierende Fund verschwiegen. Penesch
musste sogar von Personalratskollegen zum Mandatsverzicht gedrängt
werden.
Die Geheimniskrämerei in
dem brisanten Fall und die starke Durchsetzung der Behörde mit
Ex-Stasi-Leuten haben in der Koalition für Unmut gesorgt. Der
FDP-Bundestagsabgeordnete Reiner Deutschmann sagte der
„Mitteldeutschen Zeitung“: „Für mich ist es ein Schlag ins Gesicht
der Opfer, wenn in der Behörde Täter sitzen.“ CDU-Fraktionsvize
Arnold Vaatz erklärte: „In dieser Behörde ist der Geist der
DDR-Bürokratie konserviert. Das haben weder Marianne Birthler noch
Joachim Gauck zur Kenntnis nehmen wollen.“
Geheimniskrämerei um Stasi-Fälle in der Behörde
Birthler, die Mitte März
von dem ehemaligen Bürgerrechtler Roland Jahn abgelöst wird, wehrt
sich. Dass Angehörige des SED-Geheimdienstes in der
Aufklärungsbehörde Unterschlupf gefunden hätten, könne nicht ihr
angelastet werden. Das Personal habe ihr Vorgänger Gauck
eingestellt: „Da hatte ich keine Wahl.“ Allerdings hat die
Behördenchefin die Stasi-Fälle im eigenen Haus zunächst wie eine
geheime Staatsaffäre behandelt. Als diese Zeitung 2006 die hohe
Zahl der Mitarbeiter mit Stasi-Biografie enthüllte, versprach
Birthler, „einen Einsatz der belasteten Personen in den besonders
sensiblen Bereichen der Behörde zu vermeiden“.
Offenbar folgten dieser
Ankündigung wenig Taten. Das belegt die Karriere von Peter
Schmidt. Der Ex-Stasi-Leutnant konnte in der Ära Birthler eine
Schlüsselposition in Deutschlands teuerstem Archiv einnehmen.
Schmidt, einst als Wachmann eingestellt, ist heute IT-Chef des
Hauses. Als oberster Systemmanager verantwortet Schmidt alle
elektronischen Lösungen – auch jene, die den Umgang mit den
Stasi-Akten regeln. In seinen Aufgabenbereich fallen
beispielsweise, Anwendungen zu entwickeln, um Stasi-Unterlagen
aufzufinden. Die Stelle ist dem „Leitungsbüro“ der Behörde
zugeordnet.
Befördert wurde Schmidt
schon vor zwei Jahren, doch die Öffentlichkeit erfuhr davon nichts.
Ende vergangener Woche erklärte die Behörde noch, die Mitarbeiter
mit Stasi-Hintergrund seien „hauptsächlich“ in untergeordneten
Positionen eingesetzt. Dazu kämen „ein paar Techniker und ein
Archivar“. Der Aufstieg von Schmidt widerlegt diese Darstellung. Und
er bestätigt die Kritik an der Personalpolitik der Behörde.
Studium an
Fachhochschule für Stasi-Nachwuchs
Peter Schmidt wurde im
Oktober 1980 von der Stasi verpflichtet. Da war der Sachse, der eine
Ausbildung zum Facharbeiter im RFT Fernmeldewerk Leipzig hinter sich
hatte, 19 Jahre alt und bereits SED-Mitglied. Er fing in Ost-Berlin
bei der Hauptabteilung Personenschutz (HA PS) an, einer Einheit mit
rund 3600 hauptamtlichen Stasi-Angehörigen und gut 250 Inoffiziellen
Mitarbeitern. Die HA PS war direkt Stasi-Minister Erich Mielke
unterstellt. Dort durchlief der junge Genosse zunächst die
obligatorische militärische Grundausbildung.
Seinen Vorgesetzten fiel
Schmidt durch seine Zielstrebigkeit auf. Ab 1985 durfte er ein
dreijähriges Fernstudium an der JHF Potsdam aufnehmen: einer
Fachhochschule speziell für die Nachwuchskräfte der Geheimpolizei.
Dort wurden nur absolut zuverlässige und ideologisch gefestigte
Kandidaten zugelassen, die sich „im Dienste der Organe des MfS“
bewährt hatten. Als dann in seiner Heimstadt Leipzig Zehntausende
gegen das SED-Regime demonstrierten, war Schmidt schon sechs Mal
befördert und mit etlichen Stasi-Auszeichnungen dekoriert worden.
Der Familienvater bezog ein stattliches Jahresgehalt von 19.075
DDR-Mark.
Stasileutnant
wird einer der ersten Mitarbeiter der Gauck-Behörde
Der Wechsel von der
Diktatur zur Demokratie sollte seiner Karriere nicht schaden. Als
Deutschland gerade einmal drei Monate vereinigt war, kam Schmidt als
einer der ersten Mitarbeiter in die Gauck-Behörde. Allerdings musste
er sich mit einem Job als Arbeiter im Haussicherungsdienst begnügen.
Doch wieder wurde er gefördert und stieg zum Anwenderbetreuer für
Datenverarbeitung auf. In dieser Funktion soll Schmidt angeblich
gelegentlich die Computer von Birthler und ihrem Direktor gewartet
haben – so berichten es Mitarbeiter der Behörde, die über die
Protegierung des Ex-Stasi-Leutnants empört sind.
Als Schmidt 2008
schließlich zum „Leiter IT-Architekturbüro“ aufrückte, half ihm
ausgerechnet sein Studium an Mielkes Kaderschmiede – denn laut
Ausschreibung gehörte eine „erfolgreich abgeschlossene
Hochschulausbildung“ zum Anforderungsprofil. Wie wenig jedoch von
seinem Abschluss zu halten ist, hat die Forschungsabteilung der
Behörde in mehreren Publikationen untersucht. Offenbar sind diese
Arbeiten aber nie in der Personalabteilung gelesen worden. Der
Abgeordnete Deutschmann hofft jetzt auf die Zeit nach Birthler: „Ich
traue dem designierten Behördenleiter Jahn zu, dass er diese
Missstände angeht.“
Die Linke und ihr neuer
Ärger mit der Stasi
Von Gudrun Mallwitz24. November 2009, 07:02
Uhr Die Welt
Erstmals fordert die Linkspartei
einen Abgeordneten zum Mandatsverzicht auf – doch der
will nicht: Trotz der Mahnung aus den eigenen Reihen
hält der unter Stasi-Verdacht stehende Brandenburger
Landtagsabgeordnete der Linken, Gerd-Rüdiger Hoffmann,
an seiner Position fest.
Erstmals hat
die Linkspartei in Brandenburg einen Stasi-belasteten
Abgeordneten dazu aufgefordert, sein Mandat
niederzulegen. Nach Ansicht der Spitzengremien der
Partei verstieß der Kulturpolitiker Gerd-Rüdiger
Hoffmann gegen die seit 1991 geltende Pflicht zur
Offenlegung der politischen Biografie für Kandidaten.
Hoffmann hatte bislang beteuert, nicht mit dem
Ministerium der Staatssicherheit der DDR
zusammengearbeitet zu haben.
Jetzt aber
liegt eine handschriftliche Verpflichtungserklärung als
Inoffizieller Mitarbeiter mit dem Decknamen „Schwalbe“
vor. Sie trägt das Datum vom 5. Juni 1970, Hoffmann war
damals 17 Jahre alt und besuchte die elfte Klasse der
erweiterten Oberschule in Senftenberg. „Die Erklärung
verdeutlicht, dass Hoffmann doch IM war“, sagte
Linke-Landeschef Thomas Nord WELT ONLINE.
Nord und die
Fraktionschefin Kerstin Kaiser nannten „Aufrichtigkeit
und Offenheit jedes Einzelnen in Bezug auf seine
politische Biografie eine wesentliche Voraussetzung für
die Glaubwürdigkeit unserer Politik“. Fraktionschefin
Kaiser wie auch der Bundestagsabgeordnete Nord hatten
ebenfalls für die Stasi gearbeitet, was seit Jahren
bekannt ist. In der Landtagsfraktion der Linken haben
mit Axel Henschke und Hans-Jürgen Scharfenberg zudem
zwei weitere Abgeordnete eine IM-Vergangenheit.
Die erste
rot-rote Brandenburger Regierungskoalition, die
Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) nach der
jüngsten Landtagswahl schmiedete, steht wegen der
belasteten Linken bereits stark unter Druck. Rot-Rot hat
nun das Problem, dass der 57-jährige Hoffmann, der seit
2004 im Landtag sitzt, an seinem Mandat festhalten will.
Sein Potsdamer
Anwalt Peter-Michael Diestel führt an, sein Mandant
könne sich „aus verständlichen Gründen nicht konkret an
Zusammenhänge erinnern, die 40 Jahre zurückliegen“. Er
sei aber als Jugendlicher von Mitarbeitern der
Staatssicherheit zu Gesprächen bestellt worden. Diese
hätten „ausschließlich auf Anforderung des Ministeriums
für Staatssicherheit“ stattgefunden.
In den
vergangenen 20 Jahren, so Diestel, sei Hoffmann bei
demokratischen Wahlen in die Position eines Abgeordneten
gelangt. „Diese Position wird Dr. Gerd-Rüdiger Hoffmann
als Abgeordneter der Fraktion Die Linke konsequent
beibehalten.“
Es könne nicht
sein, „dass die Stasi die angebliche Stasi rauswirft“,
sagte Diestel WELT ONLINE in Anspielung auf die
Stasi-Vergangenheit des Linke-Führungspersonals.
Hoffmann werde sich im Falle eines Ausschusses aus der
Fraktion oder der Partei juristisch wehren.
Die
Linken-Fraktion will am Dienstag in ihrer Klausur
beraten, ob sie Hoffmann aus der Fraktion ausschließt,
wenn er sein Mandat nicht freiwillig abgibt.
Frühere Stasi-Mitarbeiter
in Bataillonsstärke
Von Uwe Müller;Martin Lutz13. November 2009, 04:00
Uhr Die Welt
Brandenburgs CDU-Generalsekretär
Dieter Dombrowski über seine Zeit im DDR-Gefängnis, das
rot-rote Regierungsbündnis in Potsdam und die
fortgesetzte Verhöhnung der SED-Opfer
DIE WELT:
Herr Dombrowski, Sie liefen während der Wahl von
Matthias Platzeck zum Brandenburger Ministerpräsidenten
in der Häftlingskleidung des ehemaligen
Stasi-Gefängnisses Cottbus durch den Landtagssaal.
Verträgt sich das mit der Würde des Parlaments?
Dieter
Dombrowski: Es verstößt gegen dessen Würde, dass
unter dem Koalitionsvertrag der rot-roten Regierung die
Unterschriften von zwei Stasi-Spitzeln stehen, die der
Fraktionschefin Kerstin Kaiser und des
Landesvorsitzenden Thomas Nord. Deshalb habe ich die
Kleidung gewählt, die mehr als 200 000 DDR-Bürger als
politische Häftlinge über Jahre tragen mussten.
DIE WELT:
Sie wurden 1974 wegen "versuchter Republikflucht und
staatsfeindlicher Verbindungsaufnahme" zu vier Jahren
Freiheitsentzug verurteilt. Welche Erfahrungen haben Sie
während der Haft gemacht?
Dombrowski:
Ich wurde als 24-Jähriger inhaftiert. In der Zelle mit
40 Quadratmetern waren 28 Gefangene eingepfercht. Vier
Betten übereinander, zwei Kaltwaschbecken und eine
Toilette in der Mitte: So war das. Wir mussten im
Drei-Schicht-System für 15 bis 20 DDR-Mark im Monat
arbeiten. In Cottbus haben Gefängniswärter vor allem die
politischen Gefangenen brutal misshandelt. Zwei von
ihnen sind deshalb nach 1990 zu Haftstrafen verurteilt
worden.
DIE WELT:
Sie sind jetzt Abgeordneter und CDU-Fraktionsvize im
Landtag. Als ehemaliges Opfer des SED-Regimes nehmen Sie
aktiv am gesellschaftlichen Leben teil. Eine Ausnahme
oder die Regel?
Dombrowski:
Die Mehrzahl derjenigen, die sich in der DDR
aufgelehnt hatten, ist enttäuscht und heute materiell
schlechter gestellt als die Täter von einst.
DIE WELT:
Platzeck sieht die Täter und ihre Helfershelfer im
Abseits. Wurden in Brandenburg SED-Funktionäre und
Stasi-Mitarbeiter in den letzten 20 Jahren ausgegrenzt?
Dombrowski:
Das Gegenteil ist der Fall. In Brandenburg erfolgte ein
Transformationsprozess fast ohne personelle Brüche.
Unser Land bildet da im Osten eine Ausnahme. Gleich in
Bataillonsstärke sind ehemalige Stasi-Mitarbeiter
beispielsweise in den Polizeidienst übernommen worden -
220 hauptamtliche Offiziere und fast 1300 Stasi-Spitzel.
Sogar im Staatsschutz üben ehemalige Geheimdienstkader
verantwortliche Funktionen aus.
DIE WELT:
Seinen Versöhnungsappell begründet Platzeck mit dem
SPD-Vorsitzenden Kurt Schumacher. Der sei nach 1945
schließlich auch auf Mitglieder der Waffen-SS
zugegangen. Überzeugt Sie das?
Dombrowski:
Historische Vergleiche hinken oft. Herr Platzeck weiß,
dass sein Bündnis mit der Linken schwer zu begründen
ist, und zwar deshalb, weil Stasi-Mitarbeiter in
exponierter Funktion eingebunden sind. Verzweifelt sucht
er deshalb nach Rechtfertigungsgründen.
DIE WELT:
Schumacher warnte eindringlich vor "rot lackierten
Faschisten", wie er die SED nannte. Hat Platzeck den
falschen Kronzeugen?
Dombrowski:
Platzeck hat den verdienten SPD-Vorsitzenden Schumacher
mit seinen grundehrlichen und aus eigenem Leid geborenen
Überzeugungen für machtstrategische Zwecke missbraucht.
Ein rot-rotes Bündnis hätte nie die Zustimmung
Schumachers gefunden. Platzecks Vergleich war unpassend
und eines Staatsmannes unwürdig.
DIE WELT:
Hat Brandenburg hinsichtlich der Versöhnung genug für
die Opfer getan, gerade auch im Vergleich zu anderen
Bundesländern?
Dombrowski:
Brandenburg hat so gut wie nichts getan, bis dato gibt
es noch nicht einmal einen Stasi-Beauftragten. Erst in
den letzten Jahren erfolgte unter der
CDU-Kulturministerin Johanna Wanka ein Umsteuern in der
Gedenkstättenpolitik. Seitdem sind auch Erinnerungsorte
des SED-Unrechts in ein Landesprogramm aufgenommen
worden. Das Thema SED-Diktatur hat die SPD gezielt aus
dem Schulunterricht herausgehalten. Es ist ebenfalls nur
ein Randthema für unsere Landeszentrale für politische
Bildung. . .
DIE WELT:
. . .an deren Spitze mit Martina Weyrauch ein ehemaliges
SED-Mitglied steht.
Dombrowski:
Sie hat in ihrer Doktorarbeit das Rechtswesen in der DDR
als Vorbild für die internationale Völkergemeinschaft
dargestellt und war dann unter Stolpe Mitarbeiterin der
Staatskanzlei. Ausgerechnet sie hat nun erklärt, dass
Stasi-belastete Politiker selbstverständlich als
Minister geeignet sind. Ehemalige Mitglieder der
Diktaturpartei SED sind aus meiner Sicht nicht
prinzipiell untragbar. In Brandenburg bekennen sich aber
viele von der Linkspartei übernommene Funktionäre nicht
zu ihrer Verantwortung. Sie beschweren sich sogar
darüber, dass ihr Beitrag zur friedlichen Revolution
nicht genug gewürdigt wird. Als ob sie es gewesen wären,
die das Regime gestürzt hätten. Das ist oftmals
unerträglich.
DIE WELT:
Der Erneuerungsprozess speziell in den Reihen der
Brandenburger Linkspartei ging Ihnen also nicht tief
genug?
Dombrowski:
Der Erneuerungsprozess verläuft so, dass ehemalige
Spitzel verstärkt das Sagen haben. In der
Landtagsfraktion sitzt jetzt der hauptamtliche
Stasi-Mann Axel Henschke, der Schließer in einem
Stasi-Gefängnis war. Damit kokettiert er auf seinen
Veranstaltungen: "Guten Tag, meine Damen und Herren, ich
bin das Stasi-Schwein." Darüber lachen dann immer alle -
wie geschmacklos!
DIE WELT:
Im Koalitionsvertrag heißt es immerhin: "Eine Verklärung
der SED-Diktatur wird es in dieser Koalition nicht
geben."
Dombrowski:
Das liest sich schön, hat aber wenig mit den Realitäten
in Brandenburg zu tun.
DIE WELT:
Ist Brandenburgs Justizminister Volkmar Schöneburg von
der Linken ein würdiger Repräsentant des Rechtsstaates?
Dombrowski:
Nein. Letztlich ist die DDR für ihn kein Unrechtsstaat,
er verharmlost den Schießbefehl und brandmarkt die
Verurteilung der Mauerschützen und
SED-Spitzenfunktionäre. Dass SED-Opfer da Angst haben,
dass ihre Rehabilitation und ihre Anträge auf Opferrente
jetzt anders gesehen werden, ist mehr als verständlich.
Die Täter sind unter uns
Hubertus
Knabe leitet die Gedenkstätte im ehemaligen Stasi-Zentralgefängnis
Berlin-Hohenschönhausen. Er fordert einen neuen Umgang mit der DDR-Vergangenheit
von
Hubertus Knabe
Als sich die Abgeordneten
des Deutschen Bundestages den neuen Stasi-Film "Das Leben der Anderen" ansahen,
lobten sie das Werk als vorbildlichen Beitrag zur Aufklärung über die jüngste
Vergangenheit. Willkür, Überwachung und Terror im DDR-Unrechtsstaat - so
plastisch war dies bisher noch nie auf deutschen Leinwänden zu sehen.
Wenn die Volksvertreter
aber der Meinung waren, es handele sich hier um einen historischen Stoff, so
saßen sie einem Irrtum auf. Nur wenige Tage vor dem Kinostart trat die Stasi in
Berlin auf sehr reale Weise in Aktion. Bei einer Veranstaltung über die
Gedenkstätte im Stasi-Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen marschierten über 200
Offiziere des DDR-Staatssicherheitsdienstes auf und verhöhnten öffentlich ihre
Opfer.
Der Auftritt, der in der
Hauptstadt seit Tagen für Schlagzeilen sorgt, hat schlagartig vor Augen geführt, daß die Stasi auch 15 Jahre nach dem Untergang der DDR nicht tot ist.
Generalstabsmäßig organisiert, gelang es den Ex-Offizieren, unter ihnen die
Mielke-Stellvertreter Werner Großmann und Wolfgang Schwanitz, eine harmlose
Bürgerversammlung zu einer Abrechnung mit ihren Opfern umzufunktionieren.
Zynischer Höhepunkt des Abends war die Erklärung des ehemaligen Chefs aller
Stasi-Gefängnisse, die Häftlinge in der ganzen DDR hätten sich danach gedrängt,
in sein Arbeitslager nach Hohenschönhausen zu kommen. Daß der anwesende
PDS-Kultursenator Thomas Flierl den Offizieren nicht entgegentrat, sondern sie
als "Zeitzeugen" ansprach, brachte ihm auch beim Regierungspartner SPD heftige
Kritik ein.
Der Eklat in Berlin ist
nur der vorläufige Gipfelpunkt einer längeren Entwicklung. Ehemalige Stasi-Kader
und andere DDR-Funktionärsgruppen haben sich seit Jahren in schlagkräftigen
Organisationen zusammengeschlossen. Das Internet ist voll mit Seiten, in denen
das SED-Unrecht geleugnet und ein unverhohlener Geschichtsrevisionismus
gepredigt wird. Dutzende Bücher sind im Handel, in denen der Terror des
Staatssicherheitsdienstes auf zynische Weise gerechtfertigt wird. Seit dem
vergangenen Jahr wird deutschlandweit mit einer Broschüre agitiert, in der die
Gedenkstätte im zentralen Stasi-Gefängnis als "Gruselkabinett" bezeichnet wird.
Daß es zu einer solchen
Wiederauferstehung des totgeglaubten Staatssicherheitsdienstes kommen konnte,
liegt vor allem an der Nachsicht, mit der man nach der Wiedervereinigung den
entmachteten DDR-Kadern begegnete. Statt die Diktaturpartei - wie in Rußland -
zu verbieten, beließ man ihr sogar große Teile ihres Vermögens. Statt ihre
Geheimpolizei - wie nach 1945 - zur verbrecherischen Organisation zu erklären,
sitzen deren Zuträger heute im Bundestag.
Der Entschluß, den
Großteil der DDR-Funktionärsschicht unbestraft zu lassen, führte nicht - wie
erhofft - zur Versöhnung, sondern zu einer trotzigen Jetzt-erst-recht-Haltung
der ehemaligen Unterdrücker. In dem Maße, wie die dreimal umbenannte SED
politisch hoffähig wurde, gewannen auch die Stasi-Mitarbeiter das Gefühl, daß
sie sich nicht mehr zu verstecken brauchten.
Mindestens ebenso schwer
wie die politische Nachsicht wirkt sich die juristische Sanftmut aus, mit der
der Rechtsstaat auf das SED-Unrecht reagierte. Von den 91 000 Mitarbeitern des
DDR-Staatssicherheitsdienstes mußte nicht einmal ein Dutzend ins Gefängnis - für
Mielkes Offiziere heute ein Beweis, daß sie sich nichts zuschulden kommen
ließen. Statt sie zu bestrafen, und wenn auch nur pro forma, bescherte das
Bundesverfassungsgericht aus einem falsch verstandenen Gleichheitspostulat den
DDR-Funktionären sogar immer neue Rentenanhebungen. Während die Stasi-Opfer seit
Jahren auf eine angemessene Pension warten, zahlen allein die neuen Länder
jährlich rund 3,5 Milliarden Euro für die von der SED geschaffenen
Sonderversorgungssysteme der Privilegierten. In Kürze wird der Deutsche
Bundestag auch noch die "Dienstbeschädigungen" früherer Stasi-Mitarbeiter bei
der Rentenberechnung anerkennen
Daß die meisten SED- und
Stasi-Funktionäre heute keinerlei Unrechtsbewußtsein haben, liegt auch daran,
daß sie in Deutschland immer vor der Folie des Nationalsozialismus betrachtet
werden. Die Fixierung auf die Verbrechen der Nazis hat die Deutschen nicht
sensibler, sondern fast blind gemacht für die Untaten anderer Regime. Warum ist
es in Deutschland erlaubt, vor einer Stasiopfer-Gedenkstätte die Opfer zu
verhöhnen, während dies vor einem KZ verboten ist? Warum darf man ungestraft mit
den Symbolen der SED-Diktatur auf der Straße spazieren, während der Hitler-Gruß
eine Straftat ist? Weshalb darf man den Massenmord im Gulag oder die
Foltermethoden in Stasi-Gefängnissen bestreiten, während die Leugnung des
Holocaust verboten ist? Daß die beiden Diktaturen in Deutschland derart mit
zweierlei Maß gemessen werden, verbittert nicht nur die Opfer der Stasi. Sie
bestärkt vor allem die Täter in ihrem gewissenlosen Selbstbewußtsein.
Zumindest in Berlin hat
der Aufmarsch der Stasi-Offiziere die Politiker jetzt aufgerüttelt. Die Parteien
des Abgeordnetenhauses haben sich am Donnerstag in einer Aktuellen Stunde
schützend vor die Stasi-Opfer und ihre Gedenkstätte gestellt. Am 4. April sollen
ehemalige Häftlinge im Landesparlament aus ihren Erfahrungsberichten lesen.
Bleibt zu hoffen, daß diese spontane Solidarität nicht nur vorübergehender Natur
ist. Und daß sich auch die Abgeordneten des Bundestags den Schrecken der Stasi
nicht nur im Kino widmen.
Hubertus Knabe hat zahlreiche Bücher geschrieben, darunter "Der
diskrete Charme der DDR. Stasi und Westmedien" (Propyläen 2001).
Zuletzt
erschien "Tag der Befreiung? Das Kriegsende in Ostdeutschland" (Propyläen 2006)
Artikel erschienen
am 26. März 2006 Die Welt
Linkspartei
Bisky
hält
langfristig
Fusion
mit SPD
für
möglich
(Die
Welt)
5.
Dezember
2009,
16:03
Uhr
Lothar
Bisky,
Chef der
Linkspartei,
kann
sich
langfristig
auch
einen
Zusammenschluss
seiner
Partei
mit der
SPD
vorstellen.
"Das ist
vielleicht
ein
Projekt
der
nächsten
Generation",
sagte
Bisky.
Eine
Verständigung
von SPD
und
Linken
sei im
"Interesse
künftiger
Generationen."
Foto: AP
Umfrage
Sollte die Linkspartei langfristig mit der SPD fusionieren?
Linkspartei-Chef
Lothar
Bisky
hält
langfristig
einen
Zusammenschluss
von
Linken
und SPD
für
möglich.
„Das ist
vielleicht
ein
Projekt
der
nächsten
Generation“,
sagte er
dem
Nachrichtenmagazin
„Der
Spiegel“.
Kurzfristig
sei es
nicht
möglich,
da die
Geschichte
zu viele
Narben
hinterlassen
habe.
„Aber
die
Jüngeren
sind
vernünftig
genug,
die
werden
sagen:
Lasst
die
Alten
doch
dackeln,
wir
machen
unser
Zeug. Das
finde
ich auch
in
Ordnung.“
Er habe
sich
auch
nicht
über die
Niederlage
der SPD
bei der
Bundestagswahl
gefreut,
sagte
Bisky.
„Eine
schwache
Linke
ist eine
schwache
Linke,
auch mit
einer
starken
Partei
Die
Linke“.
Der
Bruderkrieg
zwischen
Linken
und SPD
habe
nichts
gebracht.
Er habe
von
Anfang
an für
ein
vernünftiges
Verhältnis
zur SPD
gekämpft,
betonte
Bisky.
Der
„Genosse
Spaltpilz“
sei aber
eine
große
Gefahr
für die
Linke
insgesamt.
Eine
Verständigung
von SPD
und
Linken
sei im
„Interesse
künftiger
Generationen“.
Man
müsse
über
„gemeinsame
Wurzeln„
nachdenken.
Seine
Partei
müsse
zudem
Fehler
wie die
Unterwerfung
der
Sozialdemokratie
in der
DDR
eingestehen.
Brandenburgs
Ministerpräsident
Matthias
Platzeck
(SPD)
habe
eine
positive
Antwort
auf
seinen
Vorstoß
verdient,
eine
Aussöhnung
mit der
Linken
voranzutreiben.
Dass
aufgrund
mehrerer
Linken-Abgeordneter,
deren
Stasi-Vergangenheit
nun
enthüllt
wurde,
die
Skeptiker
bestärkt
wurden,
bedaure
er.
Reuters/AFP
Menschenfischer Platzeck und die
dreiste Linke
Von
Thomas Schmid 4. Dezember 2009, 17:48 Uhr
Die Welt
Von Krise will der
brandenburgische
Ministerpräsident Mathias
Platzeck nicht sprechen
angesichts der neuen Stasi-Fälle
des Koalitionspartners. Doch mit
seiner Idee, SPD und Linkspartei
zu versöhnen, ist er kläglich
gescheitert. Die Linken haben
ihn schamlos hereingelegt und
der Lächerlichkeit preisgegeben.
Wahrscheinlich hat er es sogar
gut gemeint, und das macht die
Sache noch elender. Mathias
Platzeck, alter und neuer
Ministerpräsident Brandenburgs,
wollte sicher nicht, dass das
bevölkerungsarme Bundesland die
„kleine DDR“ bleibt oder wieder
wird, als die es oft gescholten
wird. Er wollte wohl wirklich
das, was er Versöhnung nennt. Er
wollte alte Gräben zuschütten
und auf die einen Schritt
zugehen, die sich seit dem
Untergang der DDR – zu Recht
oder zu Unrecht – als
ausgegrenzte Verlierer sehen. Er
wollte das innerlich gespaltene
Land, dem es nicht gut geht,
wieder einen und mit sich
versöhnen. Deswegen ist er –
allerdings die CDU kühl
abservierend – ein Bündnis mit
der Nachfolgepartei der SED
eingegangen.
Und wäre
die Linkspartei nicht die
Partei, die sie jedoch ist, dann
wäre diese Absicht auch nicht
verkehrt. Denn es ist natürlich
vernünftig, denen einen Weg zu
bieten, die einmal Gegner der
Demokratie gewesen waren. Den
ehemaligen Feinden der offenen
Gesellschaft in integrativer
Absicht Brücken zu bauen, ist
ehrenwert. Und am Ende
unausweichlich. Und natürlich
stellt eine Partei, die es
beständig auf deutlich mehr als
20 Prozent und im Falle
Brandenburgs gar auf knapp 30
Prozent bringt, auf Dauer einen
Faktor dar, an dem man nicht
vorbei kann.
Doch
sollte Platzeck tatsächlich der
nachdenkliche Sozialdemokrat
sein, als der er gilt, dann
müsste er spätestens jetzt
zugeben, dass er mit seinem
Versöhnungsvorhaben kläglich
gescheitert ist. Denn die
Linkspartei hat ihn schamlos
hereingelegt und der
Lächerlichkeit preisgegeben.
Kaum war für sie die
Machtperspektive (wieder) da,
kam ihr alter Adam heraus. Sie
hielt es für vertretbar und
nicht gestehenswert, dass
mindestens ein Viertel ihrer
Abgeordneten im Landtag einst in
welcher Form auch immer bei der
Stasi beschäftigt waren. All die
netten und als nachdenklich
inszenierten Worte der
Fraktionsvorsitzenden Kerstin
Kaiser nützen da nichts mehr. Es
mag im Landtag noch so viel von
ehrlicher Auseinandersetzung mit
der Vergangenheit die Rede
gewesen sein: In Wahrheit
trumpft die Linkspartei auf und
müht sich, die
Stasi-Mitgliedschaft als ein
Kavaliersdelikt erscheinen zu
lassen, über das man 20 Jahre
später doch nicht mehr ernsthaft
sprechen müsse.
Brandenburgs Regierung im Stasi-Sumpf
Von
Gudrun Mallwitz und Uwe Müller2. Dezember 2009, 04:00
Uhr
Immer neue Enthüllungen in den
Reihen der Linksfraktion setzen Matthias Platzeck unter
Druck
Potsdam
- Als Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck
(SPD) sein rot-rotes Regierungsbündnis besiegelte,
begründete er das mit "einigen ganz lebenspraktischen
Gründen". Die CDU in seinem Bundesland sei tief
zerstritten, mit ihr kein "verlässliches Regieren über
die volle Wahlperiode" möglich. Keine vier Wochen später
ist in Potsdam an Regieren überhaupt nicht mehr zu
denken - Platzecks neue Koalition versinkt in einem
tiefen Stasi-Sumpf.
Die Zahl der
ehemaligen Spitzel des früheren DDR-Geheimdienstes hat
sich in der 26-köpfigen Linksfraktion nach den jüngsten
Enthüllungen auf inzwischen sechs Mitglieder erhöht. Die
Belastungsquote beträgt damit 23 Prozent - ein Wert, der
im deutschen Parlamentsbetrieb bislang seinesgleichen
sucht. So hatte sich die Brandenburger SPD die Koalition
mit der Linken nicht vorgestellt. Noch Mitte November
hatte Platzeck in seiner ersten Regierungserklärung
gesagt, zwei Parteien hätten sich "nüchtern
zusammengetan, um die Probleme im Lande zu lösen".
Statt diese
Aufgabe anzupacken, ist Rot-Rot vor allem damit
beschäftigt, wie mit den verstrickten Stasi-Zuträgern im
Landtag umgegangen werden soll. Die Abgeordnete Renate
Adolph, die als Journalistin für die
DDR-Auslandsspionage tätig war, hat ihr Mandat aus
freien Stücken niedergelegt. Aber diesem Beispiel wollen
Gerd-Rüdiger Hoffmann (IM "Schwalbe") und die bisherige
Landtagspräsidentin Gerlinde Stobrawa (IM "Marisa")
nicht folgen. Beide Abgeordnete beharren darauf, dass
sie demokratisch gewählt worden seien.
Hoffmann soll
jetzt gegen seinen Willen aus der Fraktion
ausgeschlossen werden. Deshalb droht ein langer
Rechtsstreit. Stobrawa wiederum leugnet trotz klarer
Aktenlage eine IM-Tätigkeit. Die Ex-SED-Funktionärin
behauptet, nur "dienstlich" mit der Stasi gesprochen zu
haben. In den von der Birthler-Behörde dokumentierten
Unterlagen stellt sich das allerdings ganz anders dar.
Würde an Stobrawa der gleiche Maßstab angelegt wie an
Hoffmann, so Kritiker, müsste sie ebenfalls aus der
Fraktion geklagt werden. Die Moderation solcher
quälenden Aufarbeitungsprozesse überfordert die
brandenburgische Linkspartei, zumal Fraktionschefin
Kerstin Kaiser (IM "Katrin") und der Landeschef und
Bundestagsabgeordnete Thomas Nord (IM "Mark Schindler")
wegen ihrer eigenen Stasi-Vergangenheit selbst befangen
sind. Zudem dulden sie mit Hans-Jürgen Scharfenberg (IM
"Hans-Jürgen") und Axel Henschke (erst hauptamtlicher
Schließer in einem Stasi-Gefängnis, dann IM "Ingolf
Köhler") zwei exponierte Mitarbeiter des Geheimdienstes
in der Fraktion.
Auf Druck der
Oppositionsfraktionen von CDU, FDP und Grünen wird sich
der Brandenburger Landtag nun an diesem Freitag auf
einer Sondersitzung mit den Stasi-Vorwürfen gegen
Abgeordnete der Linksfraktion beschäftigen. Platzeck
kündigte gestern an, er werde sich dann in einer
Regierungserklärung äußern. Der Ministerpräsident
empfindet die ständigen Enthüllungen über Abgeordnete
des Koalitionspartners als "ausgesprochen schmerzlich".
Er fühle sich durch Abgeordnete getäuscht, die ihre
Stasi-Tätigkeit verschwiegen hätten. Der Ruf des Landes
habe Schaden genommen, so Platzeck.
Allerdings ist
der desolate Zustand, in dem sich die brandenburgische
Linkspartei und die rot-rote Koalition gegenwärtig
befinden, nicht zuletzt ein Ergebnis
sozialdemokratischer Politik. Anders als in allen
anderen ostdeutschen Bundesländern hatte die SPD schon
unter Platzeck-Vorgänger Manfred Stolpe darauf
verzichtet, Landtagsabgeordnete regelmäßig auf eine
mögliche Stasi-Tätigkeit zu überprüfen. Ein solcher
Check fand nur ein einziges Mal statt, bei den
Abgeordneten des im Jahr 1990 gewählten Parlaments.
Stolpe, der in
der DDR selbst umstrittene Kontakte zur Stasi pflegte,
war an einer Aufarbeitung nicht interessiert. Deshalb
gibt es in Brandenburg bis heute auch keinen
Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, einer
Einrichtung, die unter anderem als Anlaufstelle für
Opfer des SED-Regimes dient und die Politik berät.
Dieser unter Stolpe eingeschlagene Kurs des Wegsehens,
monieren Kritiker, wurde von Platzeck, der erst 1995 in
die SPD eintrat, lange wohlwollend unterstützt.
Warum gab die Stasi so schnell
auf?
Von
Sven Felix Kellerhoff4. Dezember 2009, 04:00 Uhr
Die Welt
Heute vor
20 Jahren begann die Besetzung
der MfS-Dienststellen in der DDR
Berlin
- Das Startsignal kam morgens um
6.15 Uhr. Viele Hörer des
Berliner Rundfunks trauten am 4.
Dezember 1989 ihren Ohren nicht:
Ausgerechnet ein Mitarbeiter des
Ministeriums für
Staatssicherheit (MfS) fiel
offenbar seinen eigenen Kollegen
in den Rücken. Der Stasi-Mann,
der sich "Frank Lomscher"
nannte, machte nämlich
Gewissensqualen öffentlich, in
die ihn Erlebnisse an seinem
Arbeitsplatz gebracht hatten:
"Es geht mir darum, dass Akten
oder Unterlagen oder Papiere
verbrannt werden, vernichtet
werden, durch den Ofen gehen und
dass ich der Meinung bin, dass
solche Verbrennung von
Unterlagen keinesfalls der
Vertrauensbildung dienlich sein
können."
Schon seit
Tagen waren Gerüchte über die
Vernichtung brisanter MfS-Akten
immer mehr angeschwollen. Nun
kam, gewissermaßen von innen,
die Bestätigung für solche
Vertuschung. Die Reaktion war
eindeutig: Zuerst in Erfurt,
wenig später auch in Leipzig
erzwangen Bürgerrechtler und
andere Demonstranten Einlass in
die hoch gesicherten regionalen
Stasi-Dienststellen. Und das
ganz friedlich, obwohl
Stasi-Offiziere noch kurz zuvor
intern angekündigt hatten, wenn
Regimekritiker ins Haus kämen,
"dann wird geschossen".
In der
ganzen DDR liefen die Besuche
beim MfS zwischen dem 4. und dem
7. Dezember 1989 ähnlich ab: Mit
Volkspolizisten und
Militärstaatsanwälten
besichtigten SED-Kritiker die
Dienststellen, versiegelten
Aktenlager und Panzerschränke.
Warum gab der hoch gerüstete
Geheimdienst derart leicht auf?
Weshalb floss trotz der prall
gefüllten Waffenkammern des MfS
kein Tropfen Blut?
Zum
heutigen 20. Jahrestag sorgt
eine neue Deutung für Streit:
Der Berliner Landesbeauftragte
für Stasi-Unterlagen, Martin
Gutzeit, und sein sächsischer
Kollege Michael Beleites
glauben, dass SED und
Stasi-Kader selbst die
Besetzungen inszeniert haben
könnten. Sie hätten so
Forderungen der
Bürgerrechtsbewegung zuvorkommen
wollen.
Es gibt
viele Indizien für diese
Annahme. Zum Beispiel drängte
Wolfgang Schnur, der Vorsitzende
der Oppositionspartei
Demokratischer Aufbruch, aber in
Wirklichkeit der während der
Friedlichen Revolution wohl
wichtigste aktive IM der Stasi
in Oppositionskreisen, darauf,
schnell die Stasi-Dienststellen
"unter Kontrolle" zu nehmen.
Damit
kam er ähnlichen Forderungen
zuvor. Ebenfalls eine wichtige
Rolle im Vorfeld der Besetzung
spielte offenbar Gregor Gysi,
der designierte starke Mann der
SED. Offenkundig hatte die
vormalige Staatspartei, die ihr
eigenes Verbot fürchtete, ein
Interesse daran, den Volkszorn
auf die Stasi zu lenken. Dafür
spricht auch, dass, zum Beispiel
in Gera, Besetzungen von
Stasi-Dienststellen sogar an
Orten stattfanden, an denen es
gar keine aktiven
Oppositionsgruppen gab, die das
forderten.
Allerdings: Wenn es einen Plan
der Stasi gab, so ging er nicht
auf - jedenfalls nicht überall.
In Leipzig etwa blieben die
Bürgerrechtler ganz entgegen den
mutmaßlichen Intentionen von SED
und MfS-Spitze nach der
Besichtigung im Gebäude und
unterbanden so die weitere
Vernichtung von Akten, für die
laut Beleites und Gutzeit durch
die inszenierten Besichtigungen
Zeit gewonnen werden sollte.
Hat die Stasi ihre Besetzung selbst inszeniert?
Von Sven
Felix Kellerhoff2. Dezember 2009, 04:00 Uhr
Die Welt
Berlin/Leipzig - Hat die
DDR-Staatssicherheit bei ihrer Besetzung im Dezember
1989 selbst Regie geführt? Darüber ist wenige Tage vor
dem runden Jubiläum der Besetzungen erster
Stasi-Dienststellen in Erfurt und Leipzig am 4.Dezember
1989 heftiger Streit ausgebrochen.Auslöser der Debatte
sind zwei jeder Relativierung unverdächtige Personen:
Michael Beleites, der Landesbeauftragte für die
Stasi-Unterlagen in Sachsen, und sein Berliner Kollege
Martin Gutzeit. Die DDR-Dissidenten - beide einst von
der Stasi bespitzelt - lassen in einem gemeinsamen
Forschungsprojekt die Vorgänge rekonstruieren, die zur
unvollkommenen Auflösung des Ministeriums für
Staatssicherheit (MfS) führten.
Berlin/Leipzig - Hat die DDR-Staatssicherheit bei
ihrer Besetzung im Dezember 1989 selbst Regie geführt?
Darüber ist wenige Tage vor dem runden Jubiläum der
Besetzungen erster Stasi-Dienststellen in Erfurt und
Leipzig am 4. Dezember 1989 heftiger Streit
ausgebrochen. Auslöser der Debatte sind zwei jeder
Relativierung unverdächtige Personen: Michael Beleites,
der Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen in
Sachsen, und sein Berliner Kollege Martin Gutzeit. Die
DDR-Dissidenten - beide einst von der Stasi bespitzelt -
lassen in einem gemeinsamen Forschungsprojekt die
Vorgänge rekonstruieren, die zur unvollkommenen
Auflösung des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS)
führten. Jetzt haben sie erste Zwischenergebnisse
bekannt gegeben.
Ausgangspunkt
ist die Mitwirkung von Stasi-Generälen und Spitzeln wie
dem Anwalt Wolfgang Schnur an der öffentlichkeitswirksam
inszenierten Versiegelung der Stasi-Akten vor 20 Jahren.
Auf einmal handelten die DDR-Staatsanwaltschaften, bis
dahin verbündet mit dem MfS, scheinbar gegen den
Geheimdienst: "Selbst an Orten, wo es keine
Bürgerkomitees gab, haben Stasi und Staatsanwaltschaft
von sich aus die SED-Presse und Bürgervertreter
eingeladen, damit sie die Versiegelung der Archive
dokumentieren", sagte Beleites. "Damit sollte die
Erstürmung der Dienststellen verhindert werden."
Ein denkbarer
Grund sei, dass auf diese Weise die SED aus der
"Schusslinie" genommen wurde. Gutzeit verwies darauf,
dass der kurzzeitige Stasi-Chef Wolfgang Schwanitz seine
Zustimmung zu einer "geordneten Besichtigung" der
MfS-Dienststellen gegeben habe.
Das lehnen
allerdings andere Beteiligte an den Besetzungen der
Stasi-Büros scharf ab. Tobias Hollitzer, Direktor des
Stasi-Museums in der "Runde Ecke" in Leipzig, der
ehemaligen Bezirkszentrale des MfS, sagte der WELT: "Der
Versuch der Stasi, die nicht zu verhindernde Kontrolle
ihrer Dienststellen in ,geordnete Bahnen' zu lenken, ist
nicht gelungen." Selbstverständlich habe die SED auch
Anfang Dezember 1989 wie immer wieder während der
Friedlichen Revolution versucht, sich "an die Spitze der
Bewegung" zu setzen und so ihre Macht zu verteidigen.
Hollitzer, der persönlich bei der Besetzung anwesend
war, hält Beleites und Gutzeit entgegen: "Es gibt
keinerlei neue Erkenntnisse, die für eine
,Selbstbesetzung' sprechen."
Die
Birthler-Behörde erinnert am Freitagabend mit einem
Festakt im Erfurter Landtag an die Besetzung der
dortigen MfS-Zentrale - bei der ein Spitzel (IM
"Schubert") ganz vorn dabei war. sfk
Was westdeutsche
Spione in Ostberlin machten
Jedem bekannt ist die
Spionage der BRD durch die Stasi und die der KPD. Doch was ist mit der anderen
deutschen Hälfte? BRD-Agenten wurden genauso in die obersten Etagen der
politischen oder militärischen Administration eingeschleust. Und – wie ein neues
Sachbuch belegt – es waren nicht wenige.
Es war am Nikolaustag
1977, als Militärmajor Günther Kratsch, beim DDR-Ministerium für
Staatssicherheit zuständig für Spionageabwehr, in Potsdam einen bemerkenswerten
Vortrag hielt. Sein Thema war ein Aspekt der deutsch-deutschen Beziehungen, der
in öffentlichen Reden gern vernachlässigt wurde: die Spionage zwischen den
beiden Staaten, die auch nach den Entspannungsschritten der Neuen Ostpolitik ein
florierendes Geschäft geblieben war. Wenn es unter seinen Zuhörern, den aus
Moskau angereisten Kollegen vom KGB, noch Illusionen über Aktivitäten des
Westens auf sozialistischem Grund gab, so waren diese mit Kratschs Vortrag
erledigt. Jedem musste klar sein: Man hatte es hier nicht mit Pullacher
Dilettanten zu tun.
Es war ein „breites, das
heißt zahlenmäßig umfangreiches Netz von Militärspionen“, das Kratsch beschrieb
und für das er deutliche Beispiele nannte. Darunter etwa den 40-jährigen
Speditionskaufmann Horst J. Horst J. hatte allein in den Jahren 1968 bis 1971
500 Transitfahrten unternommen und diese „zielgerichtet zur Beobachtung
militärischer Objekte und zur Feststellung von Militärbewegungen“ genutzt. Er
hatte Straßen- und Brückenbauten überwacht, Kasernen, Radaranlagen und
Flugplätze observiert. Auf den Leipziger Messen hatte er Geschäftsverhandlungen
zu belauschen versucht und als Kurier für ostdeutsche BND-Quellen gearbeitet.
Nun sah er einer lebenslänglichen Zuchthausstrafe entgegen.
Sein Fall ist deshalb so
bemerkenswert, weil er repräsentativ ist. Denn nicht mit spektakulär
eingeschleusten Agenten in die obersten Etagen der politischen oder
militärischen Administration betrieb Pullach seine Aufklärung. Es zählten
vielmehr „die kleinen Zuträger, die das Meldeaufkommen im Volumen und auf der
Zeitachse kontinuierlich speisten.“ So beschreiben es Armin Wagner vom Hamburger
Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik und Matthias Uhl vom
Deutschen Historischen Institut Moskau in ihrer Studie „BND contra Sowjetarmee“
über westdeutsche Militärspionage in der DDR.
Dieser Bereich der
deutschen Nachkriegsgeschichte ist bislang nur spärlich beleuchtet worden –
nicht ohne Grund. Große Teile jener BND-Unterlagen, die zuverlässig über die
Pullacher Aktivitäten vergangener Jahrzehnte informieren können, sind bis heute
nicht einsehbar. Mit Zorn und einigem Recht hat Karl-Wilhelm Fricke das einmal
einen „sinnlosen Geheimhaltungsfetischismus“ genannt, der darauf hinauslaufe,
„dass in der Zeitgeschichte das historische Deutungsmonopol für diese Thematik
noch immer bei der Staatssicherheit liegt.“
Gewiss: Es gibt die
Karteien der Abteilung „Fremde Heere Ost“ – jener Einheit des einstigen
deutschen Generalstabs, die den Nukleus des BND-Vorläufers, der „Organisation
Gehlen“, bildete. Und ja: Auch andere Quellen wie die „Standortkartei DDR“ sind
einsehbar und machen die westdeutsche Spionagegeschichte in Umrissen erfassbar –
aber eben nur in Umrissen. Dass Wagner und Uhl dennoch zu einer faktenreichen
und gut lesbaren Studie gelangen konnten, liegt an ihrer peniblen Auswertung
dieser Quellen – sowie natürlich der gut zugänglichen Akten der Hauptabteilung
II der Staatssicherheit.
Der Befund, zu dem die
Autoren gelangen, überrascht durchaus: Sie sprechen von einer „sehr
erfolgreichen“ Aufklärung der sowjetischen Truppen in Ostdeutschland, jedenfalls
in den Fünfziger- und frühen Sechzigerjahren. Belegen lässt sich dies zum
Beispiel beim Mauerbau vom 13.August 1961. Damals rechnete man beim BND kurz
zuvor mit der hohen Wahrscheinlichkeit einer solchen Maßnahme. Mit Einsichten
wie diesen gelingt es Wagner und Uhl häufig, unser Bild der Spionagegeschichte
zwischen Ost und West zu bereichern – auch wenn es noch durch viele
Quellenkonvolute zu ergänzen sein wird.
Armin Wagner/Matthias
Uhl: BND contra Sowjetarmee. Westdeutsche Militärspionage in der DDR. Ch. Links,
Berlin. 260 S., 24,90 Euro.
Nachrichten vom
Klassenfeind
Von Jochen Staadt;Tobias
Voigt;Stefan Wolle4. November 2009, 04:00 Uhr Die Welt
Wie die
DDR ein ganzes Stadtviertel aus dem Boden stampfte, um
die Sicht auf das angebliche Leuchtband des Verlages
Axel Springer zu verdecken
Im Herzen von Berlin herrschte
östlich der Mauer noch in den Sechzigerjahren eine
traurige Ödnis. Rund um den früheren Dönhoffplatz
erstreckte sich eine graue Brachlandschaft. Einsam stand
inmitten dieser Wüstenei eine Bronzestatue des Freiherrn
vom Stein, die seltsamerweise die Stürme der Zeit
überlebt hatte und erst 1969 Unter die Linden versetzt
wurde. Vom Mittelpunkt des Dönhoffplatzes wurden seit
dem 18. Jahrhundert die Entfernungsangaben von und nach
Berlin gezählt.
Allein der Name des U-Bahnhofs
Stadtmitte erinnerte daran, dass hier einst das
pulsierende Zentrum der Weltstadt gewesen war. Der
Bahnhof war seit der Teilung Berlins der vorletzte
Haltepunkt der Untergrundbahn vor der Endstation
Ernst-Thälmann-Platz. Dann war die Welt zu Ende. Entlang
der Mauer ragten hier und da wie Zahnstummel einzelne
Gebäude aus dem Brachland hervor. Die großen
Baumaßnahmen der Fünfziger und Sechziger hatten sich auf
den Osten der Hauptstadt der Deutschen Demokratischen
Republik konzentriert. Das Terrain entlang dem
"Antifaschistischen Schutzwall" war von der
sozialistischen Stadtplanung bewusst vernachlässigt
worden. Hier brauchte man vor allem ein freies
Schussfeld für die Grenztruppen. Lediglich für die
zahlreichen Kaninchen war das weite Gelände an der Mauer
ein Eldorado.
Nachts herrschte hier totale Stille,
die nur gelegentlich durch das unterirdische Rumpeln der
U-Bahn gestört wurde. Hier verkehrte eine Linie, die nur
vom Westen aus zugänglich war. Am Bahnhof Stadtmitte
kreuzten sich zwei U-Bahn-Strecken, ohne dass jemand
umsteigen konnte. Zur Hälfte war diese Station einer der
sogenannten Geisterbahnhöfe. Am Rande des großen Areals
westlich der Leipziger Straße leuchteten die
Tiefstrahler der Grenzsicherungsanlagen. Wenn in
Winternächten aus Gründen der Sparsamkeit in Ost-Berlin
die Straßenbeleuchtung ausgeschaltet war, lag über dem
Stadtzentrum ein seltsam kalter Schein. "Dafür reicht
der Strom immer", murrten die Ost-Berliner.
Hinter der Mauer ragten zwei
Hochhäuser hervor, von denen eines als das
Springer-Hochhaus bekannt war. Unweit davon war 1958 bis
1961 der modernistische Stahlskelettbau der
GSW-Hauptverwaltung entstanden. Auch diese Wolkenkratzer
hinter dem Todesstreifen wirkten für Ost-Berliner
seltsam unwirklich in der toten Szenerie. Sie waren
räumlich nah und doch so weit entfernt wie die Rückseite
des Mondes. Seit 1963 war das Gebäude der GSW mit einem
Nachrichtenbalken versehen, und in die Dunkelheit des
Ostsektors hinein leuchteten die aktuellen Botschaften
der Freien Welt. Rein technisch war das nichts
Besonderes. Auch am Bahnhof Friedrichstraße lief so ein
Nachrichtenbalken mit den Meldungen der Allgemeinen
Deutschen Nachrichtenagentur der DDR. Im Zeitalter von
Rundfunk und Fernsehen war diese Form der aktuellen
Nachrichtenübermittlung eigentlich Schnee von gestern.
Der Nachrichtenbalken auf dem GSW-Gebäude aber war als
Provokation gedacht, und er wurde vom Osten auch so
aufgefasst. Deswegen wollte man in Ost-Berlin schon zu
Beginn der Bauarbeiten auf dem Hochhausdach ganz genau
wissen, was sich da in der West-Berliner Kochstraße
zusammenbraute.
Am 3. Oktober 1963 erteilte das
Ministerium für Staatssicherheit der DDR seinem
West-Berliner Agenten namens "Otto Bohl" den Auftrag,
Näheres über Baumaßnahmen auf einem Hochhaus in der
Kochstraße herauszufinden. "Bohls" Auftrag lautete: "Was
ist bekannt über die Bauvorhaben auf dem Hochhaus des
Springer-Konzerns. Wer gibt Genehmigungen für derartige
Bauten? Was sagen die Kollegen dazu?"
Mit Kollegen waren West-Berliner
Polizeibeamte gemeint, denn "Otto Bohl" war einer von
ihnen. Sein bürgerlicher Name: Karl-Heinz Kurras, seit
1955 im Zweitberuf Stasi-Agent und West-Berliner
Sonderermittler für die DDR-Geheimpolizei. Am 17.
Oktober 1963 legte der SED-Bezirkschef von Ost-Berlin,
Paul Verner, dem ZK-Sekretär für Agitation und
Propaganda, Albert Norden, eine Ausarbeitung von
"Fachleuten" vor, die den Titel trug: "Mögliche
Gegenmaßnahmen gegen die im Bau befindliche
Nachrichtenleuchtschrift auf dem Hochhaus des
Springer-Konzerns". In dem Maßnahmeplan heißt es:
"Gegenwärtig wird auf dem genannten Hochhaus eine
Nachrichtenleuchtschrift für die Wiedergabe westlicher
Pressenachrichten in das Gebiet der Hauptstadt der DDR
installiert. Die Höhe der Leuchtbuchstaben wird etwa
fünf Meter betragen, die Länge des Nachrichtenbandes
etwa 30 Meter. Mit der Fertigstellung der Anlage ist
noch im Oktober dieses Jahres zu rechnen."
Der Sichtbereich der "Feindmaßnahme"
reichte den Berechnungen zufolge im Osten bis zu einer
Linie vom Spittelmarkt bis zur Jannowitzbrücke, im
Norden bis zum S-Bahn-Bogen, also den S-Bahnhöfen
Alexanderplatz, Marx-Engels-Platz und Friedrichstraße,
im Westen bis zur Ecke Unter den Linden/Wilhelmstraße
sowie bis zur Käthe-Niederkirchner-Straße. Gerade nach
Einbruch der Dunkelheit war das eine recht unbelebte
Zone. Dennoch gab es Grund zur Aufregung. Denn hier
lagen auch das Gebäude des ZK der SED sowie der
Dienstsitz des Präsidiums des Ministerrates der DDR.
Zwar waren die dort tätigen Genossen
ideologisch gefestigt. Doch wollte man ihnen den
täglichen Ärger ersparen, beim Blick aus dem Fenster die
Nachrichten des Klassenfeindes zu erblicken. Aber das
war noch nicht alles: "Zeitweise ist die Leuchtschrift
für die Fahrgäste der S-Bahn auf der Strecke
Friedrichstraße-Jannowitzbrücke lesbar. Sie ist auch aus
den oberen Stockwerken der neu erbauten Wohnblocks um
den Alexanderplatz herum lesbar."
Nun war guter Rat teuer. "Eine
Verdeckung der Leuchtschrift durch Sichtblenden ist
gerade für die genannten Schwerpunkte wegen der Höhe des
Springerhochhauses nicht möglich. Ein Anstrahlen der
Leuchtschrift von unserer Seite aus mit starken
Scheinwerfern würde die Lesbarkeit zwar herabsetzen,
aber nicht ausschließen. Wenn der Gegner eine farbige
Leuchtschrift benutzt, ist das Anstrahlen relativ
wirkungslos. Außerdem müssten die Scheinwerfer in einem
Winkel von etwa 30 Grad Erhöhung in Richtung des
Flugplatzes Tempelhof eingestellt werden." Die letzte
Überlegung wurde mit Rücksicht auf die alliierte
Lufthoheit über Berlin angestellt. Diese zu
beeinträchtigen, kam für die DDR nicht infrage.
Doch wurden weitere Varianten
erwogen. So könne man "starke Scheinwerfer in das eigene
Gebiet richten, um durch Blendwirkung das Lesen der
Westnachrichten an den Schwerpunkten zumindest zu
beeinträchtigen. Dazu wären fünf bis sechs Masten
(Stahlmasten) in einer Höhe von etwa 25 bis 30 Metern
notwendig. Jeder Mast müsste mit drei bis vier genügend
starken Scheinwerfern bestückt werden, die mit einem
Neigungswinkel zwischen null und minus fünf Grad in das
eigene Gebiet strahlen. Diese Masten wären entweder auf
der Linie Zimmerstraße oder Schützenstraße in solchen
Abständen zu errichten, dass eine entsprechende Wirkung
erzielt wird. Es ist jedoch zu bedenken, ob sich die
Errichtung einer so kostspieligen Anlage mit nur
unvollkommenem Wirkungsgrad lohnt." Auch über eine
andere Maßnahme wurde nachgedacht, nämlich die
Installation einer eigenen Leuchtschrift in gleicher
Höhe. Wie das allerdings geschehen sollte, ist unklar.
Es hätte eine gewaltige Gerüstkonstruktion in Höhe der
West-Berliner Bauten erfordert.
Schließlich entschloss sich die
SED-Führung, vor den laufenden Buchstaben der
Westnachrichten ein ganzes Stadtviertel zu errichten. In
der am 10. Januar 1969 verabschiedeten Konzeption
"Städtebauliche und architektonische Direktive für den
Investitionskomplex Leipziger Straße, einschließlich
Spittelmarkt" heißt es: "Der Investitionskomplex
Leipziger Straße ist ein wesentlicher Bestandteil der
städtebaulichen Konzeption des Stadtzentrums, dessen
Bedeutung in der südlichen Begrenzung dieses Gebietes
der Hauptstadt der DDR gegenüber dem besonderen
politischen Territorium Westberlin liegt. Die
differenzierte Hochhausbebauung sowie die vorgesehenen
gesellschaftlichen Einrichtungen gestalten gleichzeitig
die Silhouette des Zentrums der Hauptstadt nach Süden
hin. Die Leipziger Straße erhält ihren Höhepunkt in der
Gestaltung des Spittelmarktes, der durch die Errichtung
eines etwa 30-geschossigen Bürohochhauses seinen
sichtbaren Ausdruck findet. Dieses Hochhaus dominiert in
der Achse des Straßenzuges der
Hans-Beimler-Straße-Alexanderplatz-Grunerstraße-Leipziger
Straße und schirmt die Sicht zum Springer-Gebäude ab."
So verschwand seit 1969 das Ödland an
der Mauer zugunsten eines bevorzugten Wohngebietes mit
großen Geschäften und einem nostalgischen Blickfang in
Form der Spittel-Kolonaden. Der Aufwand, die Silhouette
des Springer-Hochhauses aus der Skyline Ost-Berlins zu
verdrängen, war also erheblich. Er ging zudem zulasten
der städtebaulichen Grundkonzeption, rund um den Alex
das eigentliche Zentrum der sozialistischen Hauptstadt
zu errichten und die Gebiete an der Staatsgrenze der
Vergessenheit anheimfallen zu lassen.
Niemals taucht in den Konzeptionen
der SED der Gedanke auf, dass es ein einfaches Mittel
gegeben hätte, die Wirksamkeit der Leuchtschrift auf
einen Schlag gegen null zu minimieren. Wenn die
Nachrichten der DDR so interessant, aktuell und
glaubwürdig gewesen wären wie die leuchtenden
Nachrichten des Klassenfeindes, hätte kein Ost-Berliner
die wenigen S-Bahn-Minuten zwischen Jannowitzbrücke und
Friedrichstraße genutzt, um nach dem Leuchtbalken zu
schielen. In diesem Sinne ist die Geschichte von hoher
Symbolkraft für die Vergeblichkeit aller Bemühungen der
SED, die Ausstrahlungskraft der westlichen Medien durch
Scheinwerfer und Sichtblenden zu verringern. Zudem hat
die Leuchtbalken-Story noch eine ironische Pointe: Für
die laufende Nachrichtengebung auf dem GSW-Hochhaus war
keineswegs der Springer Verlag, sondern der Berliner
Senat zuständig. Das Feindbild aber war so übermächtig,
dass sich in allen damaligen Unterlagen und auch im
Bewusstsein vieler Berliner die Vorstellung erhalten
hat, der Balken auf dem Hochhaus würde von Axel
Springers Zeitungsverlag betrieben.
Copyright - MCCF Legal & Trade Collections England/ Repräsentant
RA J.P. Clouth, Köln
Bei Fragen oder Unklarheiten im Zusammenhang mit dieser Website, wenden Sie sich
bitte an info@rechtsanwalt-clouth.de
Stand: 18. Oktober 2011.
Hallo Elisa,....
Ich kann mich noch sehr gut erinnern, als ich Ende April, Anfang Mai 1990 aus dem Knast in Karl-Marx-Stadt entlassen wurde .
Als ich, damals -übrigens mit Hilfe des Spiegels- ein Rehabilitationsverfahren anstrebte, um zumindest eine Löschung der Vorstrafen zu erwirken, staunte ich nicht schlecht .Mein damaliger Rechtsanwalt, Herr Lothar de Maizere war mittlerweile Ministerpräsident der DDR und den leitenden Staatsanwalt in meiner Verhandlung kannte ich auch – allerdings aus dem Staatsdienst des Ostens .Du wirst bestimmt schnell erraten, wie das Verfahren ausging….Ich wurde nicht rehabilitiert, da ich “…im Sinne der Gesetze der DDR rechtmäßig verurteilt wurde…” .Tja, so läuft´s nunmal, Pech gehabt und nunmehr auch egal, aber die Augen öffnen einem solche Erfahrungen auf jeden Fall !…und sie prägen das weitere Leben, in dem man
nun als Verschwörer gebrandmarkt wird, wenn man behauptet, die Stasi gibt es nach wie vor !Einzelfall meinen Sie?
Und was ist hier, hier, hier, und hier?Aufwachen! Sie träumen offensichtlich oder sind Sie linker Absichtstäter?