Pro Mittelstand NRW

Der Mittelstand pro NRW ist einer von mehreren Arbeitskreisen der Bürgerbewegung pro NRW, der seine politischen Inhalte und Ziele auf dieser Internetseite vorstellt und diese im Gesamtverband in den innerparteilichen Diskussionsprozess einbringt


Populismus scheuen die Sozialisten bei Anderen wie der Teufel das Weihwasser, denn es war und ist ihre eigene Erfolgstaktik!

 

 

Es ist ja nicht falsch, neue Technologien zu fördern; Es ist aber eine ausgewogene Energiebalance zu schaffen und zu wahren. Grüner Irrwitz ist genau hier fehl am Platze! Andere Ideologen mit solchen noch unwirtschaftlichen Ideen ebenfalls.

"Fotovoltaikanlagen haben derzeit nur einen Wirkungsgrad von maximal 16 Prozent", erläutert Voigt-&-Collegen-Geschäftsführer Klughardt. Sie können somit bestenfalls 16 Prozent der einfallenden Sonnenstrahlen in Strom umwandeln - und sind damit weit weniger leistungsfähig als Gas- und Kohlekraftwerke. Zwar sind die Preise für die Siliziumchips in den vergangenen Jahren kontinuierlich gefallen. Dennoch ist die Produktion von Solarstrom noch immer viel teurer als die Energiegewinnung aus fossilen Rohstoffen. "Neue Siliziumzellen zeigen in Laborversuchen einen Wirkungsgrad von über 30 Prozent", sagt Klughardt. Wenn diese Chips in drei Jahren an den Markt kommen, werde es möglich sein, in besonders sonnenreichen Regionen wie Sizilien Solarstrom zu vergleichbaren Preisen von Gas- und Kohlekraftwerken zu erzeugen.

Bis dahin sind die Fotovoltaikanlagenbetreiber jedoch auf Subventionen angewiesen. Europaweit haben die Staaten Energieversorger deshalb verpflichtet, für Solarstrom Preise weit über Marktniveau zu zahlen. Die Versorger reichen die Zeche über höhere Stromkosten an die Endverbraucher weiter. Allein in Deutschland verteuerte sich Strom in diesem Jahr um teilweise mehr als 14 Prozent. Dagegen protestieren in ganz Europa immer mehr Menschen.

In Spanien ist der Druck so groß geworden, dass die Regierung jüngst die Einspeisevergütung rückwirkend massiv gekappt hat. "Die Tarifabsenkung reicht bis zu 45 Prozent", sagt Steffen Möller von der Ratingagentur Scope. Einen anderen Weg geht Tschechien. Das Land hat einen Weg gefunden, die gegen die hohen Strompreise protestierenden Haushalte zufriedenzustellen, ohne sich auf juristisches Glatteis zu begeben. Prag hat eine Sondersteuer von 26 Prozent auf Solarerträge erlassen. Das daraus gewonnene Geld soll an die Versorger fließen, damit diese die Stromkosten für Privathaushalte und Industriebetriebe reduzieren können.Schon jetzt verlagern Unternehmen Produktionsstätten ins Ausland - weil die Förderung erneuerbarer Energien ihre Kosten zu stark erhöht hat

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Der große Solarschwindel: Das sagt der Forscher  Welt am Sonntag 3.7.11

Vergangene Woche haben wir uns in einem fünfseitigen "Titelthema" kritisch mit der Subventionierung der Solarenergie auseinandergesetzt. Der Beitrag fand große Aufmerksamkeit - bei politischen Entscheidern ebenso wie in Wirtschaft und Wissenschaft

Das Fraunhofer ISE ist mit mehr als 1000 Mitarbeitern das größte Solarforschungsinstitut Europas. Institutsleiter Eicke R. Weber ist zugleich Inhaber des Lehrstuhls für Physik/Solarenergie an der Fakultät für Mathematik und Physik an der Technischen Fakultät der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg. Weber ist bekennender Anhänger der Solarförderung - und begrüßt die Entscheidung der Bundesregierung, die Subventionen nicht zu deckeln.

Welt am Sonntag: Herr Weber, die Gesetze zur Energiewende sind seit Donnerstag dieser Woche beschlossene Sache. Es gibt leichte Einschnitte bei der Vergütung der Solarenergie. Wird der Ausbau der Fotovoltaik dadurch gebremst?

Eicke Weber: Ich glaube, dass der Zubau von Solarmodulen in der zweiten Jahreshälfte wieder an Tempo zunehmen wird. Der von der Bundesregierung angestrebte "Zielkorridor" von 2500 bis 3500 Megawatt wird dabei wohl überschritten. Ob wir aber wieder mehr als 7000 Megawatt erreichen, wie im vergangenen Jahr, ist schwer vorherzusagen. Anfang 2012 wird die Vergütung dann in einem weiteren Schritt zwischen zehn und 24 Prozent gesenkt, je nach Zubaumenge 2011. Das könnte sich auf den deutschen Solarmarkt dämpfend auswirken. Aber auch die Anlagenpreise werden weiter sinken, weil die Hersteller unheimlich innovativ sind. Deshalb erwarte ich, dass sich der Solarmarkt in Deutschland weiter positiv entwickelt, solange wir die Grundpfeiler des Erneuerbare-Energien-Gesetzes unangetastet lassen. Es war gut, dass die Bundesregierung nicht dem Vorschlag gefolgt ist, die Solarförderung durch einen festen Ausgabendeckel zu begrenzen.

Welt am Sonntag: Warum? Von den milliardenschweren Solarbeihilfen, die der deutsche Verbraucher Jahr für Jahr mit seiner Stromrechnung zu zahlen hat, profitiert doch vor allem die chinesische Solarindustrie, die schon im vergangenen Jahr mehr als 70 Prozent der hierzulande installierten Module geliefert hat.

Eicke Weber: Eben deshalb wäre es schade, wenn die Politik die Solarindustrie durch eine zu starke Senkung der Einspeisevergütung in die Billig-Ecke drängte. Der Kostendruck wird dadurch so groß, dass die deutschen Hersteller gegenüber der chinesischen Konkurrenz weiter ins Hintertreffen geraten würden. Allerdings werden viele chinesische Module auf Produktionsanlagen aus Deutschland gefertigt und von unseren Handwerkern installiert, die wirtschaftlich davon profitieren.

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Welt am Sonntag: Chinesische Solarmodule sind anerkanntermaßen genauso gut wie die aus deutscher Produktion. Warum sollte die Politik dann künstlich dafür sorgen, dass der deutsche Verbraucher für ein gleich gutes Produkt mehr zahlen muss?

Eicke Weber: Weil die deutschen Kunden sich schon aus emotionalen, psychologischen Gründen eigentlich lieber deutsche Solarmodule aufs Dach setzen würden. Der Kunde kauft lieber ein Produkt von einer Firma, die er weiter verfolgen und ansprechen kann. Auch die Handwerker, die meist erster Adressat bei Garantiefällen sind, würden lieber Module aus deutscher Produktion verbauen. Die alle greifen doch jetzt nur zähneknirschend zu den billigeren chinesischen Modulen.

Welt am Sonntag: Fotovoltaik gehört schon jetzt zu den teuersten ökologischen Stromerzeugungsarten. Jetzt plädieren Sie dafür, dass noch nicht einmal die in der globalen Solarindustrie erzielten Kostensenkungen voll an die deutschen Kunden weitergegeben werden sollten. Wie lange soll die Fotovoltaik denn noch der Preistreiber bleiben dürfen?

Eicke Weber: Sehen Sie sich einmal die Strompreisentwicklung in den vergangenen zehn Jahren an. Die Preise pro Kilowattstunde sind seit 1998 jährlich recht konstant und linear um 3,8 Prozent gestiegen. Und zwar völlig unabhängig davon, ob es ein Erneuerbare-Energien-Gesetz gab oder nicht. Wenn der Strompreis also nicht aufgrund des EEG steigen würde, würde er aus anderen Gründen steigen. Zum Beispiel, weil Steuern und Abgaben sowie die Kosten von Öl und Gas weiter steigen. Wir sind an diese Preissteigerungsrate gewöhnt, und solange die Fotovoltaik nicht für einen zusätzlichen Anstieg sorgt, sehe ich in ihrer Förderung kein Problem.

Welt am Sonntag: Ein Grund, warum die deutsche Solarindustrie gegenüber der chinesischen Konkurrenz ins Hintertreffen geraten ist, liegt in den geringen Forschungsanstrengungen der Unternehmen. Nach den Zahlen der Branche selbst wurden bislang nur 2,5 Prozent vom Umsatz für Forschung und Entwicklung ausgegeben. Für eine junge Hightech-Branche in einem Wachstumsmarkt ist das äußerst wenig.

Eicke Weber: Ich sehe nicht, dass in Deutschland zu wenig Forschung betrieben wird. Die deutschen Forschungsinstitute sind die besten und effektivsten der Welt. Das können Sie vielleicht schon an der Tatsache ablesen, dass unser Institut für Solare Energiesysteme in Kürze zu den stärksten Fraunhofer-Instituten überhaupt zählen wird. Um unsere Forschungslandschaft werden wir weltweit beneidet.

Welt am Sonntag: Das bedeutet nichts anderes, als dass sich die Solar-Hersteller auch noch die Forschung und Entwicklung mit Steuergeldern bezahlen lassen.

Eicke Weber: Das ist so nicht ganz richtig. Wir finanzieren 90 Prozent unseres Forschungsetats mit Projekten. Und die Hälfte der Projektaufträge stammt dabei aus der Solarindustrie. Die Branche unterstützt und nutzt die vorhandene Forschungslandschaft damit auf eine sehr effiziente Weise.

Welt am Sonntag: Mehr als die Hälfte der Einspeisevergütung fließt aus den Taschen der Verbraucher in die Fotovoltaik, obwohl deren Anteil an der Stromversorgung derzeit kaum drei Prozent ist. Warum sollte sich der Verbraucher gerade diese teure Technologie leisten, deren Ertrag viel niedriger ist als etwa Windkraft?

Eicke Weber: Die Fotovoltaik hat gegenüber dem Wind einen unschätzbaren Vorteil: Die Sonne geht jeden Morgen auf. Das Solarstrom-Aufkommen ist viel besser prognostizierbar als das Windaufkommen und kann dezentral, nahe am Verbraucher eingespeist werden. Das ist für die Netzstabilität wichtig. Zudem produziert die Solarkraft gerade zur Tagesmitte die besonders wertvolle Spitzenlast. Und weil Fukushima im Frühling und nicht im Herbst passiert ist, leistet die deutsche Fotovoltaik heute einen wichtigen Beitrag dazu, die Abschaltung der acht ältesten Atomkraftwerke abzufedern.

Welt am Sonntag: Ein Beitrag, der allerdings im Winter wochenlang auf nahezu null fallen wird.

Eicke Weber: Stimmt, aber das ist wie Weihnachten vorhersagbar. Da kann man sich drauf einstellen. In Zukunft wird es wichtig sein, das deutsche Verbundnetz stärker mit der Wasserkraft in Österreich und Norwegen zu vernetzen, um Solarstrom auch saisonal speichern zu können.

Welt am Sonntag: Was die Kosten erneut deutlich erhöhen würde.

Eicke Weber: Sicherlich ist Solarstrom heute noch teurer als anderer Ökostrom. Die Kosten der Fotovoltaik sinken aber schneller als die anderer erneuerbarer Energien. Schon in zwei oder drei Jahren, so haben wir seriös errechnet, werden die Stromgestehungskosten der Fotovoltaik mit denen der Offshore-Windkraft vergleichbar sein. Jenseits des Jahres 2020 wird Deutschland durch seine erneuerbaren Energien einen echten Standortvorteil haben. So gesehen nimmt die jetzige Generation eine Last auf sich, damit künftige Generationen über saubere und günstige Energie verfügen: Das ist doch eine wundervolle Story.

Das Gespräch führte Daniel Wetzel

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Märchen vom grünen Jobwunder Welt am Sonntag 3.4.2011

Politiker verkaufen erneuerbare Energien als "Jobmotor". Dabei dürften Subventionen für Ökostrom unter dem Strich mehr Arbeitsplätze vernichten als schaffen

Der designierte Ministerpräsident Baden-Württembergs, Winfried Kretschmann (Grüne), hat immer auch die Wirtschaft und Arbeitsplätze seiner Heimat im Blick - selbst wenn es um so heikle Themen wie Atomkraft geht. "Was muss man da jetzt die alten Monopolisten stärken?", fragte Kretschmann, nachdem sein Amtsvorgänger Stefan Mappus (CDU) für das Land Anteile am AKW-Betreiber EnBW gekauft hatte. "Die dynamischen Sektoren liegen ganz woanders", kritisierte Kretschmann: "In dem Feld der erneuerbaren Energien liegen 300 000 Arbeitsplätze."

Mit seinem Glauben an das große Arbeitsmarktpotenzial der erneuerbaren Energien steht Kretschmann nicht allein. In dem an Landtagswahlen nicht armen Jahr 2011 vergeht kaum ein Tag, an dem nicht irgendein Politiker das Lied vom "grünen Jobwunder" anstimmt, das sich einstellen werde, wenn die Ökobranchen nur weiter genügend Fördergelder bekommen. Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) etwa wird nicht müde, die erneuerbaren Energien zu einem "Jobmotor für Deutschland" zu erklären.

Klimaschutz und Versorgungssicherheit haben als Rechtfertigung für üppige Ökostrom-Subventionen ausgedient: Im Wahljahr 2011 mit seinen sieben Landtagswahlen kommen Politiker beim Bürger mit dem Arbeitsplatz-Argument offenbar besser an. Nur: Ist am grünen Jobwunder überhaupt etwas dran?

Deutschlands Politiker beziehen sich bei ihren Verheißungen auf eine Reihe von Untersuchungen, in denen schlicht die Arbeitsplätze in den verschiedenen Ökostrom-Technologien zusammengezählt werden. 100 000 Menschen arbeiten in der Windkraft-Industrie, 60 000 in der "Fotovoltaik" genannten Solarstromtechnik, weitere 70 000 im Bereich Biomasse. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin kam Ende vergangenen Jahres zu dem Schluss, dass die erneuerbaren Energien in Deutschland Beschäftigung für 340 000 Personen bieten - eine Verdopplung innerhalb der vergangenen fünf Jahre. Kein Wunder, dass der Titel der Studie euphorisch klingt: "Erneuerbare Energien - ein Wachstumsmarkt schafft Beschäftigung in Deutschland".

So eine Botschaft verbreiten Politiker gern. Doch die Wahrheit sieht bei genauerem Hinsehen anders aus. Denn die Milliarden für die Ökostrom-Branche fallen nicht vom Himmel. Sie fehlen in der Wirtschaft an anderer Stelle - und schlagen sich dort auch in Form von Arbeitsplatzabbau nieder. "Es gibt eine Reihe von Studien, die das Blaue vom Himmel herunterlügen", schimpft Joachim Ragnitz vom ifo-Institut in Dresden. "Diese Studien berücksichtigen nicht, wie makroökonomische Wirkungen ablaufen, sondern rechnen nur aus, wie viel Beschäftigung die verteilten Fördermittel schaffen." Es werde "nicht danach gefragt, an welchen anderen Stellen in der Volkswirtschaft das Geld fehlt".

Eine ganze Reihe von Forschern hat sich daher daran gemacht, den eigentlichen "Netto-Effekt" der Ökostrom-Subventionen auf den Arbeitsmarkt zu untersuchen. Ihr Fazit fällt ernüchternd aus: "Indem die Budgets der privaten und industriellen Haushalte durch höhere Strompreise geschmälert werden, stehen weniger Mittel für alternative, eventuell profitablere Investitionen zur Verfügung", heißt es etwa in einer Studie, die am Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen erstellt wurde. "Die mit den höheren Strompreisen einhergehenden Kaufkraftverluste und der Entzug von Investitionskapital bewirken negative Arbeitsplatzeffekte in anderen Sektoren."

Tatsächlich hat die EEG-Umlage zur Finanzierung der erneuerbaren Energien enorme volkswirtschaftliche Dimensionen angenommen. "Die über eine Erhöhung der Strompreise von den Verbrauchern zu bezahlenden jährlichen Einspeisevergütungen von derzeit zwölf Milliarden Euro pro Jahr verringern die ökonomische Aktivität in anderen Sektoren", warnt Manuel Frondel, Leiter des Bereichs Umwelt und Ressourcen beim RWI: "Der Kaufkraftverlust der privaten Verbraucher summiert sich infolge höherer Strompreise über 20 Jahre hinweg insgesamt auf über 100 Milliarden Euro."

Ein Verlust an Kaufkraft in dieser Größenordnung ist für die übrige Wirtschaft nicht leicht zu verschmerzen. Denn viele energieintensive Branchen sind doppelt getroffen. Weil die EEG-Umlage den Strom verteuert, zahlt etwa ein Bäckerei-Betrieb zum einen mehr für den Betrieb des Ofens. Zum anderen sinken die Erlöse, weil die Kunden weniger Geld in der Tasche haben. Es sei zu bezweifeln, sagt RWI-Experte Frondel, dass "die Arbeitsplatzeffekte der Subventionierung ,grüner' Technologien im Saldo überhaupt positiv ausfallen können".

Andere Forscher haben nicht nur Zweifel, sie sind sich sogar sicher: Durch die Milliardenausgaben für Ökostrom-Technologien gehen unter dem Strich eher Arbeitsplätze verloren. Zu diesem Ergebnis kamen in früheren Jahren bereits Untersuchungen des Bremer Energieinstituts. Auch das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) bestätigte, dass bei Berücksichtigung von Investitionskosten und der Verdrängung privater Verwendungen der Mittel, "praktisch keine Beschäftigungseffekte mehr festgestellt werden konnten".

Zuletzt zog das Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung (IER) der Universität Stuttgart das Fazit, dass "das EEG keine dauerhaft positiven Auswirkungen auf dem Arbeitsmarkt erzielen kann, sodass die beschäftigungspolitische Begründung der Förderung der erneuerbaren Energien nicht zu bestätigen ist". Der Befund gilt immer noch - und für das bald grün-regierte Baden-Württemberg. Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim hat gerade im Auftrag des Umweltministeriums Baden-Württemberg die Beschäftigungswirkungen der erneuerbaren Energien im Lande untersucht. Bis zum Jahr 2020 sollen demnach zwar durch die geplante Erhöhung des Anteils der erneuerbaren Energien zehntausend Arbeitsplätze entstehen, heißt es in der Studie, die der "Welt am Sonntag" vorliegt.

Doch Andreas Löschel, Leiter des ZEW-Forschungsbereichs Umwelt- und Ressourcenökonomik, gibt zu bedenken, dass viele Jobs nur auf Zeit entstehen, nämlich während der Errichtung der Anlagen. Und: "Die Solarindustrie könnte sich zulasten anderer Branchen, wie etwa dem Anlagenbau entwickeln." Die Beschäftigtenstrukturen sähen sich sehr ähnlich. "Da wir aber in Deutschland nur einen begrenzten Pool an qualifizierten Arbeitskräften haben, würden die von der einen Industrie in die subventionierte Industrie abwandern. Dort würde an Innovationspotenzial eingebüßt, dort gehen teilweise auch Jobs verloren."

Dass dies nicht nur akademische Gedankenspiele, sondern bereits reale Folgen der Ökostrom-Förderung sind, zeigt sich an mehreren Beispielen von Industrieunternehmen, die aufgrund der steigenden Energiekosten Werke schließen oder ins Ausland abwandern mussten.

So gab der Holzwerkstoff-Konzern Pfleiderer kurz vor Weihnachten vergangenen Jahres die Werke in den Gemeinden Gschwend, Ebersdorf und Nidda auf, weil "mit den ständigen Preissteigerungen des Rohstoffs Holz und Leim sowie der Energiekosten ein Weiterbetrieb der Werke nicht mehr möglich ist", wie die Geschäftsführung erklärte. Hintergrund: Die Holzpreise waren in den fünf Jahren zuvor um 75 Prozent angestiegen, weil die Verbrennung von Holz zur Stromerzeugung durch die EEG-Förderung so attraktiv geworden ist. Der Rohstoff war wegen der Nachfrage von Kraftwerksbetreibern im Umkreis der Pfleiderer-Werke knapp und letztlich zu teuer geworden, um daraus noch Spanplatten zu fertigen. Schon diese 350 Arbeitsplätze müssten bei einer fairen Betrachtung von der Erfolgsstatistik des grünen Jobwunders abgezogen werden.

Auch Hightech-Arbeitsplätze wandern wegen hoher Energiekosten ins Ausland ab. Beispiel SGL Carbon: Der Wiesbadener Werkstoffhersteller produziert die Carbonfasern für die Fahrgastzelle des geplanten Elektroautos i3 von BMW - eine Revolution in der Fahrzeugtechnik. Als es an die Standortwahl für die 100-Millionen-Dollar-Investition ging, entschied sich der BWM-Zulieferer für die USA. Dafür, das Carbonfaserwerk im amerikanischen Moses Lake zu bauen, waren "die Verfügbarkeit von regenerativer Energie aus Wasserkraft sowie wettbewerbsfähige Energiekosten im Bundesstaat Washington maßgebliche Faktoren", heißt es bei SGL Carbon.

"Die Energiekosten", führt Konzernsprecher Tino Fritsch aus, "betragen in den USA im Vergleich zu Deutschland nur ein Drittel." Für die Fertigung des Zukunftswerkstoffs Carbon, aus dem auch immer mehr Flugzeugteile gefertigt werden, spielten Energiekosten eine hohe, Personalkosten dagegen eine geringe Rolle. "Deshalb wäre eine Produktion selbst in einem Hochlohnland wie Deutschland vorstellbar gewesen", betont Fritsch. "Das hätte schon alles gepasst."

Doch alle Vorteile einer Produktion nahe an den BMW-Fertigungsstätten in Bayern wurden durch hohe Energiekosten zunichtegemacht. Folge: SGL Carbon siedelt 80 Hightech-Arbeitsplätze lieber im Ausland an. Das scheint von der Größenordnung her zwar verschmerzbar. Doch die Fabrik ist ja auch nur ein Prototyp. Schon bald könnten aus den ersten 80 Jobs mehrere Tausend werden. Denn Automobilexperten glauben, dass die Carbon-Karosserie bei allen Autoherstellern die bisherigen Fahrgastzellen aus Stahl und Aluminium ablösen könnte. Die Karosseriefertigung in Deutschland müsste dann einpacken, ein milliardenschwerer Schlüsselbereich der Automobilindustrie wandert ab.

Zu den wenigen Studien, die trotzdem davon ausgehen, dass die Ökostrom-Subventionen einen positiven Netto-Effekt auf den deutschen Arbeitsmarkt haben, gehört eine Untersuchung der Osnabrücker "Gesellschaft für wirtschaftliche Strukturforschung" (GWS). Erstellt wurde die Studie im Auftrag des Bundesumweltministeriums, das die Ergebnisse in einer Broschüre unter dem Titel "Erneuerbar beschäftigt!" veröffentlicht hat. Sehr detailliert werden darin Exportchancen deutscher Ökotechnologien abgeschätzt und in Arbeitsplätze umgerechnet: "Bei optimistischen Erwartungen steigt die positive Nettobeschäftigungswirkung bis 2030 auf Werte deutlich über 200 000", heißt es darin. Entscheidend für die heimische Beschäftigungsbilanz sei der Exporterfolg deutscher Solarkonzerne und Windkraftanlagenbauer. Bei ganz stark steigenden Energiepreisen und höchsten Exporterfolgen könnten bis 2030 sogar netto 300 000 Arbeitsplätze im Ökostrom-Sektor mehr entstehen als in anderen Branchen vernichtet werden. Selbst dieser Idealfall aber würde bedeuten, dass weniger als ein Prozent der Beschäftigung in Deutschland auf den Ausbau erneuerbarer Energien zurückgehen.

Hinzu kommt, dass Wissenschaftler wie RWI-Experte Frondel die Exportprognosen der Osnabrücker, die für den hohen Arbeitsmarkteffekt entscheidend sind, für "stark übertrieben" halten. Denn die deutsche Fotovoltaik-Industrie etwa ist als Exporteur bislang überhaupt nicht aufgefallen. Wegen der enormen EEG-Vergütung in Deutschland mussten sich die heimischen Hersteller auf dem Weltmarkt nicht anstrengen: Der deutsche Markt sog ihre gesamte Produktion auf. Nach Berechnungen der Hochschule für Technik und Wissenschaft in Berlin importierte Deutschland im vergangenen Jahr Fotovoltaik-Produkte im Wert von 11,6 Milliarden Euro. Die Exporte der deutschen Hersteller waren mit 5,4 Milliarden noch nicht einmal halb so hoch.

Da ist es kein Wunder, dass deutsche Solarfirmen auf der Rangliste der größten Anbieter kaum noch auftauchen und wenn doch, dann nur noch auf hinteren Plätzen. Weltmarktführer dank EEG? Die drei größten Solarzellenhersteller der Welt sind Unternehmen aus USA, China und Japan. Selbst im Anlagenbau zur Solarzellenfertigung - bislang eine deutsche Domäne - tummeln sich bereits ausländische Anbieter wie Applied Materials aus den USA oder MeyerBurger aus der Schweiz. Die deutsche Solarbranche geht in ihrer "PV-Roadmap 2020" inzwischen selbst davon aus, im Jahr 2030 nur noch einen Weltmarktanteil von fünf Prozent zu halten.

Einzig die deutsche Windenergie-Branche macht mit ihrem hohen Exportanteil von 75 Prozent und einem Weltmarktanteil von 18 Prozent Hoffnung, auch ein Job-Beschaffer für Deutschland zu sein. Doch auch hier gibt es Wolken am Horizont: Auf der Top-Ten-Liste der weltgrößten Windkrafthersteller finden sich mit Sinovel, Goldwind, Dongfang, United Power und Suzlon inzwischen fünf chinesische und indische Unternehmen. Das einzige deutsche Unternehmen im Ranking der größten zehn ist Enercon. Wie lange die Firma sich dort noch halten kann, ist ungewiss. 2010 rutschte Enercons Weltmarktanteil deutlich ab: von 8,5 auf 7,2 Prozent.

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Der teure Solar-Irrsinn muss beendet werden  die Welt 16.10.10

Deutschlands Solarbranche genießt das weltweit einmalige Privileg, die Verbraucher ohne Limit abzukassieren. Eine Obergrenze muss her.

Solaranlagen
Foto: dpa Selbst eine Reduzierung der Subventionen kann den Ausbau der Solarenergie in Deutschland nicht stoppen
Von Daniel Wetzel

Glaubt man Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU), dann ist das Erneuerbare-Energien-Gesetz aus Deutschland ein Exportschlager. Die Idee, Ökostrom durch gesetzlichen Kaufzwang und staatlich vorgegebene Einspeisetarife zu fördern, werde weltweit kopiert.

Allein: Das ist nicht die ganze Wahrheit. Tatsächlich haben die meisten Länder ihre Versionen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes inzwischen durch einen absoluten Ausgabendeckel ergänzt. Denn in allen weniger wohlhabenden Ländern als Deutschland gelten die volkswirtschaftlichen Kosten der unbegrenzten Ökostromsubvention längst als untragbar.

In Spanien etwa, wo die Sonne dreimal häufiger scheint als hier, fördert man jetzt nur noch einen Solarzubau von 500 Megawatt im Jahr. Das ist weniger als ein Fünfzehntel dessen, was in diesem Jahr auf Deutschlands schattige Dächer kommt. Auch das sonnenverwöhnte Frankreich glaubt, dass 500 Megawatt das Maximum dessen sind, was man sich an neuen Solarmodulen jährlich erlauben kann.

Hierzulande aber genießt die Solarbranche das weltweit einmalige Privileg, in unbegrenzter Höhe direkt in die Taschen der Verbraucher greifen zu dürfen. Mehr als 8000 Megawatt Solarmodule werden deshalb in diesem Jahr verbaut, und im nächsten Jahr sollen es noch mehr werden. Zum Bezahlen der teuersten Kilowattstunden der Welt ist der deutsche Verbraucher ja gesetzlich verpflichtet. Für die bis Jahresende verbauten Solarmodule müssen die Verbraucher laut Rheinisch-Westfälischem Institut für Wirtschaftsforschung in den nächsten 20 Jahren mehr als 85 Milliarden Euro abstottern.

Ein gigantischer Verlust an Kaufkraft, der sich auch im Verlust von Jobs niederschlägt. Dafür decken diese Module kaum zwei Prozent des Strombedarfs, und sie tun auch dies nur an 900 der 8760 Jahresstunden unter Volllast. Nachts und in den Wintermonaten melden sich die hoch subventionierten Solarmodule fast völlig ab, dann müssen andere Kraftwerke den Saft für Fernseher und Lampen bereitstellen.

Es ist Zeit, diesen Irrsinn zu beenden. Die Bundesregierung geht laut Energiekonzept bis 2020 von rund 33.000 Megawatt installierter Solarleistung aus. Um dieses Ziel zu erreichen, braucht man nicht jährlich 8000 Megawatt neu zu installieren, wie es derzeit geschieht. Es reicht auch ein Viertel dieser Zubaurate.

Nur mit einer Senkung der Einspeisevergütung aber kann man den volkswirtschaftlichen Skandal der Solarsubventionen nicht stoppen, wie man beim gescheiterten Kürzungsversuch in diesem Sommer gesehen hat: Der Solarausbau nahm seither sogar noch schneller zu. Um eine gesetzlich festgelegte absolute Obergrenze für Solarsubventionen wird die Bundesregierung deshalb nicht herumkommen.

So setzt sich der Stromtarif zusammen

So hat sich die durchschnittliche Stromrechnung eines Drei-Personen-Musterhaushalts im Monat in Euro entwickelt:

 


In Deutschland muss der Solar-Irrwitz aufhören

Subventionen in Milliardenhöhe für inneffiziente Nischentechnologien wie die Solarenergie sind nicht länger zu rechtfertigen.

von Daniel Wetzel
Strom aus Afrikas Wüsten für Europa
Deutsche Firmen planen riesige Solarkraftwerke in der Wüste Sahara. Mit dem Projekt in Afrika, so die Planer von Desertec, könnten eines Tages 15 Prozent des Stromverbrauchs in Europa abgedeckt werden...
Foto: Solar Millennium AG, Erlangen Deutsche Firmen planen riesige Solarkraftwerke in der Wüste Sahara. Mit dem Projekt in Afrika, so die Planer von Desertec, könnten eines Tages 15 Prozent des Stromverbrauchs in Europa abgedeckt werden...

Dass der Bundestag im Streit um die Solarförderung hart geblieben ist, gibt Anlass zur Hoffnung. Es zeigt, dass sich in der Bundespolitik langsam die Erkenntnis durchsetzt, dass irrwitzige Milliardensubventionen für eine ineffiziente Nischentechnologie einfach nicht mehr zu rechtfertigen sind, wenn die Bürger ansonsten überall den Gürtel enger schnallen müssen.

Solarzellen erreichen im schattigen Deutschland nur an 900 von 8760 Stunden im Jahr ihre Volllast. Für einen geringen, einstelligen Beitrag zur Deckung des deutschen Stromverbrauchs verschlingt die Technik Jahr für Jahr Summen, die in ihrer Höhe selbst die Dimensionen des jüngsten Sparpakets der Bundesregierung in den Schatten stellen. Allein das, was in diesem Jahr auf die Dächer kommt, verursacht Folgekosten von rund 26 Milliarden Euro – und dürfte die Stromrechnung aller Verbraucher im kommenden Jahr um 10 bis 12 Prozent verteuern.

Dabei liefern Solarmodule während der langen Wintermonate fast keinen, in der Nacht, wenn Lampen brennen und Fernseher laufen, überhaupt keinen Strom. Die Klagen einiger Bundesländer, mit den geplanten Kürzungen werde einer deutschen Hightech-Industrie die Luft abgewürgt, sind Unsinn. Denn der von der Solarlobby neu ins Gesetz geschriebene „Eigenverbrauchsbonus“ hebelt den größten Teil der Kürzung ohnehin wieder aus.

Wenn es deutschen Solarfirmen schlecht geht, dann nicht wegen der Subventionskürzung. Es geht ihnen schlecht, weil der größte Teil der deutschen Subventionsmilliarden an Solar-Hersteller in China und Malaysia fließt, was dort eine schlagkräftige Konkurrenz entstehen ließ, die das angebliche Hightech-Produkt billiger und oft sogar besser herstellen kann, als die deutschen Anbieter. Bedauerlich an dem jetzigen Kompromiss im Vermittlungsausschuss ist nur, dass die Parlamentarier die Gelegenheit nicht genutzt haben, die ausufernden Solarkosten nicht gleich mit einem festen Ausgabendeckel zu begrenzen.

 


Solarschulden begrenzen

von Daniel Wetzel (Die Welt 7.7.2010)

Dass der Bundestag im Streit um die Solarförderung hart geblieben ist, gibt Anlass zur Hoffnung. Es zeigt, dass sich in der Bundespolitik die Erkenntnis durchsetzt, dass irrwitzige Milliardensubventionen für eine Nischentechnologie nicht mehr zu rechtfertigen sind, wenn die Bürger überall sonst den Gürtel enger schnallen müssen.

Solarzellen erreichen hierzulande nur in 900 von 8760 Stunden im Jahr ihre Volllast. Für einen verschwindend geringen Beitrag zur Deckung des Stromverbrauchs verschlingt die Technik inzwischen Summen in einer Höhe, die selbst das jüngste Sparpaket der Bundesregierung in den Schatten stellen. Allein das, was in diesem Jahr auf die Dächer kommt, verursacht Folgekosten von rund 26 Milliarden Euro - und dürfte die Stromrechnung aller Verbraucher im kommenden Jahr um zehn bis zwölf Prozent verteuern. Dabei liefern Solarmodule während der langen Wintermonate fast keinen, in der Nacht überhaupt keinen Strom.

Die Klagen einiger Bundesländer, mit den Kürzungen werde einer deutschen Hightech-Industrie die Luft abgewürgt, sind Unsinn. Denn der von der Solarlobby neu ins Gesetz geschriebene "Eigenverbrauchsbonus" hebelt den größten Teil der Kürzung ohnehin wieder aus. Wenn es deutschen Solarfirmen schlecht geht, dann nur, weil der größte Teil der deutschen Subventionsmilliarden an Hersteller in China und Malaysia abfließt, die das angebliche Hightech-Produkt Solarmodule ebenso gut herstellen und günstiger anbieten.

Bedauerlich an dem jetzigen Kompromiss im Vermittlungsausschuss ist nur, dass die Parlamentarier nicht die Gelegenheit genutzt haben, die ausufernden Solarkosten gleich mit einem festen Ausgabendeckel zu begrenzen.


Kürzung der Solar-Subventionen verschoben

Es bleibt insgesamt aber bei Senkung der Einspeisevergütung um 16 Prozent - Länder setzen sich nicht durch

von Daniel Wetzel (Die Welt 7.7.2010)

Berlin - Wer in den nächsten Monaten eine Solaranlage auf seinem Dach montiert, erhält noch etwas mehr Förderung als bisher geplant. Der Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat einigte sich darauf, die Förderung zum 1. Juli zunächst nur um 13 Prozent abzusenken. Zum 1. Oktober folgt dann ein zweiter Kürzungsschritt um zusätzliche drei Prozent.

Zunächst war geplant, die Förderung von Solaranlagen auf Dächern gleich um 16 Prozent zu senken. Bei Anlagen auf Freiflächen soll die Kürzung zwölf statt 15 Prozent betragen, bei Anlagen auf Konversionsflächen um acht statt elf Prozent. Dies soll, wie ursprünglich beschlossen, für alle Anlagen gelten, die ab dem 1. Juli in Betrieb gehen. Ab 1. Oktober wird die Förderung dann für alle Arten von Anlagen um drei Prozent zusätzlich gekürzt.

Die Koalition aus Union und FDP hatte im Frühjahr nach langer Diskussion mit ihrer Bundestagsmehrheit beschlossen, dass Betreiber neuer Solaranlagen weniger Geld erhalten sollen.

Die beschlossenen Kürzungen waren bei den Bundesländern aber auf Widerstand gestoßen. Sie forderten eine weniger starke Kürzung der Subventionen. Der Bundesrat rief deshalb Anfang Juni den Vermittlungsausschuss an und stoppte damit vorerst die zum 1. Juli geplante Senkung der Subventionen. Über den nun beschlossenen Kompromiss müssen noch Bundestag und Bundesrat abstimmen; dies könnte am Donnerstag beziehungsweise Freitag geschehen.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) begrüßte die Einigung. "Investoren und Unternehmer haben jetzt Klarheit für ihre Investitionsentscheidungen", erklärte Röttgen. "Verbraucher haben nun endlich Gewissheit, dass die Solarförderung nicht ins Unermessliche steigt." Röttgen sagte, es führe kein Weg an der Anpassung der Fördersätze vorbei. Der Preis für Solaranlagen war zuletzt um rund 30 Prozent gesunken. Da die staatliche Förderung viel schwächer zurückging, war der Sonnenstrom über viele Jahre ein lohnendes Geschäft. "Einige wenige haben unakzeptable Kapitalrenditen erzielt, und die große Mehrheit der Verbraucher musste das über die Stromrechnung bezahlen", sagte Röttgen. Der umweltpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Michael Kauch, bezeichnete den Kompromissvorschlag ebenfalls als "faires Ergebnis".

Der parlamentarische SPD-Geschäftsführer Thomas Oppermann kritisierte den Kompromiss dagegen als "Rückschlag für die deutsche Solarwirtschaft". Schwarz-Gelb wolle die "drastischen Kürzungen" nur um drei Monate aufschieben. Damit gefährde die Regierung Arbeitsplätze in einer innovativen Wachstumsbranche.

Auch die Solarwirtschaft zeigte sich enttäuscht von dem Ergebnis. "Das Vermittlungsergebnis ist nur ein kosmetischer Eingriff und enthält keine substanziellen Nachbesserungen", erklärte der Geschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW), Carsten Körnig.

Allerdings scheint die Solarbranche mit der Förderkürzung gut leben zu können. An der Börse schossen die Aktienkurse der deutschen Solarfirmen am Dienstag jedenfalls in die Höhe. SMA Solar-Aktien legten um 23 Prozent zu, Solarworld stiegen um fünf Prozent, Q-Cells um sechs Prozent. dpa/AFP/dgw


 

Solarenergie: Glühende Landschaften

von Claus Hecking (Brandis) und Timm Krägenow (Berlin)

Die deutsche Solarindustrie boomt. Dank üppiger Subventionen schreiben die Hersteller gigantische Profite. Bezahlen muss die der Stromkunde. Nun droht die Aufbruchstimmung zu kippen.

Es ist ein Herbstmorgen, wie ihn Ingo Rödner liebt. Nicht eine Wolke trübt den Himmel über Brandis bei Leipzig. Ungehindert scheint die Sonne herab auf den "Energiepark Waldpolenz", speist die Zehntausenden Solarmodule, die Rödners Mannen auf dem stillgelegten Militärflughafen aufgestellt haben. In endlosen Reihen erstrecken sich die schwarzen, gut drei Meter hohen Kollektorenblöcke, die die Strahlen einfangen und in Elektrizität umwandeln.

Dabei ist die Anlage noch nicht einmal halb fertig. Bis 2009 will der 36-jährige Rödner für seine Firma Juwi rund 500.000 Module aufbauen, auf einer Fläche von 150 Fußballplätzen. Mit 40 Megawatt Spitzenleistung soll Waldpolenz größtes Fotovoltaikkraftwerk der Erde werden. Und nur wenige Kilometer weiter steht schon das nächste gigantische Feld: Doberschütz, die Nummer acht der Weltrangliste.

Deutschland ist zum Solarpark geworden. Jede zweite weltweit produzierte Zelle wird auf die Felder und Dächer der Republik gepackt. 2009 werden fünf der zehn größten Fotovoltaikkraftwerke zwischen Rhein und Oder stehen. Dass die hiesigen Gefilde nicht so sonnenverwöhnt sind wie andere Erdregionen, stört die Branche kaum. Üppige Subventionen machen Dauerregen, Atlantiktiefs und nasskalte Winter mehr als wett: Seit Jahren wächst die Solarwirtschaft exponentiell.

Doch damit könnte es schon bald vorbei sein. Die Aufbruchstimmung, die mit der Sonnenwende einhergeht, droht umzuschlagen ins Gegenteil. Der Bau immer neuer Anlagen führt dazu, dass den Stromverbrauchern die Kosten der Förderung über den Kopf wachsen. "Das System wird total überreizt", sagt Manuel Frondel, Energieexperte des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung. Selbst besonnene Branchenvertreter warnen vor einem ausufernden Wachstum: "Die Entwicklung hat solche Dimensionen angenommen, dass sie die gesellschaftliche Akzeptanz der Solarenergie gefährden könnte", fürchtet Jan Kai Dobelmann, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie. Drehe sich die öffentliche Meinung gegen die Fotovoltaik, sei der gesamte Markt in Gefahr.

Versorger müssen alles aufkaufen

Ohne Subventionen gäbe es auch Waldpolenz nicht. 130 Mio. Euro will der Projektentwickler Juwi in das Kraftwerk stecken. Weil das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) garantiert, dass Waldpolenz seinen Solarstrom ins öffentliche Netz einspeisen darf. 20 Jahre lang, gegen eine Vergütung von fast 38 Cent je Kilowattstunde für alle Anlagenbereiche, die 2007 in Betrieb gehen. Das ist siebenmal so hoch wie der derzeitige Preis an der Leipziger Energiebörse. Mit diesen Tarifen könne die Solarwirtschaft in einem normalen Markt nicht mithalten, so Wolfgang Pfaffenberger, langjähriger Leiter des Bremer Energie-Instituts.

In Deutschland aber sind die Versorger verpflichtet, alles aufzukaufen. 2004 änderte die rot-grüne Bundesregierung das EEG, schaffte die Obergrenzen für die Einspeisung von Solarstrom ab und hob die Förderung an. Was als Starthilfe für eine darbende Branche gedacht war, löste einen Run aus, der alle Prognosen sprengt. Zwar senkt das EEG die Vergütung für neue Anlagen um jährlich 5 bis 6,5 Prozent. Doch das reicht nicht aus, um den Boom unter Kontrolle zu halten.

Die Zeche zahlen die Stromkonsumenten. Schließlich legen die Versorger die Mehrkosten für Solar auf ihre Tarife um. Knapp 1 Mrd. Euro mussten die Verbraucher 2006 für die Fotovoltaik hinblättern, 2008 werden die Kosten wohl die Steinkohlesubventionen von derzeit 2,5 Mrd. Euro übertreffen. Und danach wird es erst richtig teuer. Das Branchenmagazin "Photon" prognostiziert, dass ohne Änderung des EEG die Vergütung für alle bis 2010 installierten Fotovoltaikanlagen auf 77 Mrd. Euro anschwillt. "Ein Subventionsgrab", urteilt Wissenschaftler Frondel.

Das Resultat ist mager. Der Solaranteil am deutschen Energiemix liegt zurzeit bei rund 0,6 Prozent. Selbst der Strom des Mammutfelds Waldpolenz wird nur für 10.000 Haushalte reichen. "Die flächendeckende Förderung von Solarenergie in Deutschland ist der größte Unsinn der Welt", sagt Frondel. "Man sollte Forschung und Entwicklung zukünftiger Technologie unterstützen, nicht aber die Massenproduktion der gegenwärtigen, wenig effizienten Technik."

Trotz der Subventionen sind die Renditen der Anlagenbetreiber bescheiden. Juwi kalkuliert für das Feld in Brandis mit jährlich sechs bis sieben Prozent Profit. Die Preise der Module sind trotz technischen Fortschritts sehr hoch. Zwar fallen die Produktionskosten nach Schätzungen der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie um etwa zehn Prozent pro Jahr. Diese Einsparungen gibt die Industrie aber kaum weiter.

"Der Solarmarkt ist ein Verkäufermarkt", sagt Ingenieur Rödner. Will heißen: Die Hersteller nutzen den Nachfrageboom aus, um ihre Preise oben zu halten. Sie wissen genau, welche Erträge die Betreiber beim gerade gültigen Vergütungssatz erzielen können - und kalkulieren ihre Forderungen entsprechend hoch.

Das beschert den Fabriken gigantische Margen: Siliziumproduzenten etwa machen bis zu 49 Prozent Umsatzrendite. "In der Branche wird im Moment regelrecht abgezockt", räumte unlängst sogar der Schöpfer des EEG ein, der frühere Bundesumweltminister Jürgen Trittin.

So werden aus Garagenfirmen Giganten. Der Bonner Konzern Solarworld etwa meldete 2003, vor der EEG-Novelle, noch rund 5 Mio. Euro Verlust - drei Jahre später aber einen Gewinn von 130 Mio. Euro. Der Aktienkurs ist seit Mitte 2003 um atemberaubende 16.500 Prozent nach oben geschossen. Der Zellenhersteller Q-Cells, der seinen Profit seit 2003 verdreißigfacht hat, wird von den Anlegern inzwischen höher bewertet als Dax-Konzerne wie TUI oder Hypo Real Estate. Dabei hat die Firma erst 2001 ihre Produktion gestartet.

"Wir Stromverbraucher finanzieren die Profite dieser Firmen mit Einspeisevergütungen", kritisiert Frondel. Solarworld-Chef Frank Asbeck bestreitet dies: "Die Gewinne entstehen nicht durch teure Module für den deutschen Markt, sondern durch den Export."

Mittlerweile hat auch die Bundesregierung das Problem erkannt. Umweltminister Sigmar Gabriel bezeichnete im Juli die Fotovoltaik als "überfördert" und kündigte eine Korrektur der Einspeisevergütung an. Nach seinen Plänen soll sie von 2009 an jährlich um 7 bis 8,5 Prozent sinken, von 2011 an um 8 bis 9,5 Prozent.

Das werde die Branche nicht gefährden, so Gabriel. "Aufgabe des Erneuerbare- Energien-Gesetzes ist es ja, erneuerbare Energien wirtschaftlicher, und nicht tüchtige Solarunternehmer in möglichst kurzer Zeit zu Millionären zu machen." Auch der energiepolitische Sprecher der CDU-Bundestagsfraktion, Joachim Pfeiffer, fordert: "Wir müssen deutlich runter." Solarworld-Chef Asbeck hält dagegen: Eine Senkung von mehr als sieben Prozent gefährde die deutschen Hersteller.

Einen Kahlschlag wird die Große Koalition nicht vornehmen. Die SPD will den Heimatmarkt erhalten.

Wo die dicksten Fördertöpfe stehen

Die Solarhersteller scheinen derartigen Versprechen zu vertrauen und investieren weiter kräftig - mit Unterstützung der öffentlichen Hand. Ihre neuen Fabriken bauen sie bevorzugt dort, wo die dicksten Fördertöpfe stehen.

So siedeln sich in Frankfurt an der Oder gleich drei Solarhersteller an: Conergy, Odersun und der US-Konzern First Solar, mit einem Börsenwert von gut 8 Mrd. $ ein Branchenriese. Fast 120 Mio. Euro der von ihnen investierten 370 Mio. Euro stammen aus Fördermitteln des Landes, des Bundes und der EU. Brandenburg habe es geschafft, First Solar ins Segment der kleinen und mittleren Unternehmen einzustufen, sagt Andreas Dietze, Bürgermeister von Brandis. "So genehmigt die EU mehr Förderung."

Dietze fühlt sich bei der Solarstromwirtschaft manchmal an die DDR erinnert. "Damals haben die Kleingärtner ihre Erdbeeren beim Konsum abgeliefert, für 2 Mark pro Schale. Dann sind sie nach vorn in den Laden gelaufen und haben ihre Beeren für 1 Mark zurückgekauft", erzählt der 49-Jährige. Ähnlich läuft es bei Juwi. Das Kraftwerk speist zunächst seinen gesamten Strom ins Netz des Versorgers Envia ein, für 38 Cent je Kilowattstunde. Dann kauft man die zum Bau und Betrieb des Felds nötige Elektrizität von Envia zurück. Das kostet nicht einmal die Hälfte.

An solchen Praktiken sei "die DDR zugrunde gegangen", sagt Dietze. Sollten Deutschlands Politiker nicht bald die Subventionsflut eindämmen, droht der hiesigen Solarwirtschaft womöglich ein ähnliches Schicksal.

 




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Stand: 28. Juni 2011.