Der Mittelstand
pro NRW ist einer von mehreren Arbeitskreisen der Bürgerbewegung pro NRW,
der seine politischen Inhalte und Ziele auf
dieser Internetseite vorstellt und diese im Gesamtverband in den
innerparteilichen Diskussionsprozess einbringt
Gastkommentar in Die Welt 5.8.2009
Venezuelas Präsident mischt sich ein, wo er
kann
Charvez zündelt
Teodoro Petkoff
Es wird immer klarer, dass Hugo Chavez
jetzt die Verstrickungen seiner Regierung in die Sphären internationaler Politik
verstärkt. Früher waren das nur
Gerüchte, aber jetzt gibt es Beweise. So kann die kolumbianische
Regierung belegen, dass sie bei den
FARC ( Einschub nicht vom Autor:linke kolumbianische
Bewegung zur der sowohl die Linke, wie auch Teil der Grünen und der SPD Kontakte
halten, siehe an anderem Ort der Homepage!) hochmoderne Waffen fand, die
die venezolanische Regierung bei einer schwedischen Firma gekauft hat und die in
die Hände der sich über Entführungen und Drogen finanzierenden
NARCO- Guerilla gekommen
sind.
Aber nicht nur in Bogota fragt man
sich, wie diese Waffen in den kolumbianischen Urwald gelangen konnten auch die
schwedische Firma Saab hat bei der venezolanischen Regierung um Aufklärung
gebeten, weil die internationalen Auflagen verbieten, dass solche Waffen in die
Hände Dritter gelangen. Bei anderen Gelegenheiten sind schon leichte Waffen der
venezolanischen Streitkräfte bei den
FARC gelandet. Aber niemand hätte damals den Mut gehabt, dafür die
Regierung in Caracas verantwortlich zu machen. Jetzt aber ist die Lage anders,
denn es handelt sich um schwere
Waffen, die man nicht so einfach aus den Beständen der Streitkräfte
entwenden kann. Also bestehen nicht nur Kolumbianer und Schweden auf Aufklärung,
sondern auch wir in Venezuela fordern sie.
Darüber hinaus muss man auch die total
übertriebene Einmischung der venezolanischen Regierung in die Krise in Honduras
sehen. Diese überschritt alle Grenzen der Diplomatie. Sie ging sogar so weit,
Venezuelas Außenminister dem Präsidenten Manuel Zelaya wie einen Copiloten zur
Seite zu stellen bei seinem Bemühen, nach Honduras zurückzukehren. Wenn man
all das mal in einen Zusammenhang setzt, dann kommt man zu dem Schluss, dass
die Regierung von Venezuela eine verantwortungslose Politik der
Einmischung verfolgt: die eine Sache ist es, einen Putsch zu verurteilen, die
andere, sich in Protagonisten einen Krise zu verwandeln und dabei noch alle
Versuche zunichte zu machen, diese diplomatisch zu lösen.
Dazu müssen wir auf eine seltsame Entwicklung im Süden des
Bundesstaates Amazonienhinweisen:Dort verbietet die
Nationalgarde nun, "nicht autorisierten Personen", die dortigen Wasserwege zu
nutzen.
Es ist schon eine geraume Zeit her,
dass man begonnen hat, von einer verstärkten Präsenz von Iranern in
diesem Gebiet zu sprechen, die dort angeblich nach Uran suchen. Das
wiederum könnte ein Gerücht sein.
Realität ist hingegen, dass es dort viele Iraner gibt, und dass der freie
Flussverkehr untersagt ist. Was ist in diesem Teile unseres Landes
los? Welche Gefahren setzt uns die Regierungs daraus?
Der Autor ist Politiker und einer der bekanntesten
Intellektuellen Venezuelas: Übersetzung: Hildegard Stausberg
Die Welt 5.8.2009
Hugo Chávez verliert eine
erfolgreiche Filiale
Von Hildegard Stausberg23. Juli 2009, Die Welt
Honduras
weist Botschafter Venezuelas aus - Das kontinentale
Bündnissystem des linken Präsidenten Hugo Chávez
Berlin - Kaum hatte das
Militär der mittelamerikanischen Republik Honduras deren
Präsidenten Manuel Zelaya aus dem Amt vertrieben und
außer Landes gebracht, da tobte auch schon Venezuelas
Präsident Hugo Chávez: Dass zugleich
die venezolanische Botschaft in Honduras'
Hauptstadt Tegucigalpa besetzt worden sei, komme "einer
Kriegserklärung" gleich. Nun, drei Wochen später, hat
die neue Regierung unter
Roberto Micheletti auch die
Ausweisung der venezolanischen Diplomaten aus Honduras
angeordnet. Dabei ist der Botschafter, ein Admiral und
Chávez-Vertrauter, längst weg: Er koordiniert vom
Nachbarland Nicaragua aus den Widerstand gegen
die neue Regierung. Venezuela
unter seinem linksautoritären Präsidenten, so zeigen
diese Details, ist bei der Staatskrise in Honduras mehr
als nur ein interessierter Beobachter. Denn in dem
armen, sieben Millionen Bürger zählenden Staat geht es
auch um die Fortsetzung des
linken Expansionskonzepts, das Chávez überall auf dem
Kontinent verfolgt. Die
Botschaft in Tegucigalpa war eine Filiale dieses
Projektes - eine besonders erfolgreiche dazu.
Welcher Grad der Einmischung in
Honduras erreicht wurde, beklagte erst vor Kurzem mit
bitteren Worten der Erzbischof von Tegucigalpa, Kardinal
Oscar Rodriguez Maradiaga: "Wir kämpfen seit Langem
gegen eine mit viel Geld ausgestattete Kampagne,
die vom venezolanischen
Präsidenten Chávez gesteuert wird und
die so weit geht, dass
Agenten des venezolanischen Geheimdienstes im Lande
aktiv sind und die
angeblichen Volksproteste gegen die
Absetzung von Präsident Zelaya organisieren", sagte er
der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".
Die
venezolanischen "Auslandsinvestitionen" in Honduras
beliefen sich in den letzten 16 Monaten auf 624
Millionen Dollar, schätzt das venezolanische
Wirtschaftsforschungsinstitut Cieca. Der Linkspopulist
Zelaya war dem Staatenbündnis Alba beigetreten, dem
schon Bolivien, Ecuador und Nicaragua angehören,
ebenfalls Chávez-Verbündete. Zudem erhielt er täglich 20
000 Fass venezolanisches Erdöl zum halben Preis. An
die Bevölkerung wurde das Öl
zu höheren Tarifen weitergegeben, der Gewinn landete in
schwarzen Kassen.
Chávez, der seit zehn Jahren an
der Macht ist, hat seine "Hilfsgelder" stets geschickt
zu tarnen gewusst, zum einen über "Zuwendungen" im
Rahmen des Alba-Bündnisses, zum anderen über den
Petrocaribe Vertrag, dem Zelaya Ende 2007 beigetreten
war. Über ihn bekommen 20 Länder der Karibik und
Zentralamerikas täglich rund 200 000 Fass verbilligtes
venezolanisches Öl. Nach im vergangenen Jahr
veröffentlichten Schätzungen der Opposition hat Chávez
in seiner Regierungszeit mehr als 80 Milliarden Dollar
"Auslandshilfe" vergeben. Die
Zahl basiert auf Angaben der Zentralbank.
Luis Pedro España, Leiter des
Projekts Armutsforschung an der katholischen Universität
Andrés Bello, weist allerdings darauf hin, dass - trotz
großer Ausgaben im Sozialbereich -
die Armut in Venezuela nicht zurückgegangen sei:
"Die Summierung der Anzahl
der Familien mit chronischer, struktureller und
konjunktureller Armut entspricht immer noch 40 Prozent
der Bevölkerung." Gleichzeitig nehme
die Arbeitslosigkeit ständig zu, schließlich
hätten in den letzten zehn Jahren rund 45 Prozent der
Industriebetriebe ihre Pforten geschlossen, so der
Wirtschaftsexperte Klaus Schaeffler.
Die
ehemalige Vizeaußenministerin Venezuelas, Rosario
Orellana, mittlerweile Beraterin bei der
Wahlforschungsorganisation Esdata, beschreibt das
Expansionskonzept Chávez wie folgt: "Machterwerb durch
Wahlen, dann Ausschaltung der demokratischen Kontrolle,
dann Wahlfälschung plus Medienkontrolle plus
populistische Sozialpolitik." Bemerkenswert ist auch
die Unterstützung,
die Chávez der
kolumbianischen Terrororganisation Farc gewährt:
Europäische Sicherheitsdienste wissen längst, dass diese
über Rückzugsbasen und Lazarette auf venezolanischem
Boden verfügt.
Wie geräuschlos
die Zusammenarbeit zwischen
Chávez und seinen Bündnispartnern funktioniert, sah man
letztens am Fall Perus. Dort unterstützt er den
Linksnationalisten Ollanta Humala, der bei der letzten
Präsidentschaftswahl erst im zweiten Wahlgang Alan
García unterlag. Finanziert wird von Chávez auch
die Organisation der
peruanischen Tieflandindianer Aidesep. Ihr Führer
Alberto Pizango stand hinter den gewalttätigen
Protesten, die vor einigen
Wochen zum Rücktritt von Ministerpräsident Yehude Simon
führte. Als die peruanische
Justiz Pizangos habhaft werden wollte, floh dieser in
die nicaraguanische Botschaft
in Lima. Dort gewährte ihm Botschafter Tomás Borge Asyl,
der stalinistische Innenminister der ersten Regierung
Ortega in den 80er-Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts.
Mit Verstaatlichungen zur
sozialistischen Revolution
Nach
Telefon-, Strom- und Stahlunternehmen will Venezuelas Staatspräsident Chávez
erneut ein Schwergewicht der Privatwirtschaft nationalisieren. Diesmal hat er
die drittgrößte Bank des südamerikanischen Landes im Visier.
Die Banco de Venezuela werde
er jetzt "in den Dienst der Venezolaner stellen", kündigte Hugo Chávez am
Donnerstag in einer Fernsehansprache an. Chávez rechtfertigte die Maßnahme mit
Informationen, wonach
Santander die Bank an einen venezolanischen Bankier verkaufen wollte. Seine
Regierung habe das Geschäft nicht gestattet. "Nun wollen wir die Bank kaufen,
zurückgewinnen, da es sich ja um die Banco de Venezuela handelt." Chávez rief
die Bankenbesitzer auf, die Verhandlungen mit der Regierung umgehend
aufzunehmen.
Die Verstaatlichungen sind
Teil der von Chávez im Erdölland angestrebten "sozialistischen Revolution"
und seines sozialistischen Enteignungsprogramms. Der Präsident hatte zuletzt im
Mai mit Ternium-Sidor den größten Stahlkonzern des Landes verstaatlicht. Zuvor
hatte Caracas in diesem Jahr die Übernahme der größten Stahl- und Zementwerke
bekanntgegeben. 2007 waren bereits die Telefongesellschaft CANTV, die Stromfirma
Electricidad de Caracas sowie Teile der Schwerölindustrie im Orinoco-Delta
verstaatlicht worden.
Kommunist
Hugo Chávez: Oligarchen "bis aufs Blut" bekämpfen
21. März 2009, 00:52 Uhr
Caracas
- Verstaatlichungen und Zentralisierung markieren in Venezuela den Weg
in den Sozialismus des 21. Jahrhunderts. Staatspräsident Hugo Chávez zieht
nun die sozialistischen Daumenschrauben an. Diese Woche besetzte die Armee die
Häfen in den Bundesstaaten Zulia und Carabobo, nachdem das Parlament die
Zuständigkeit dafür den Bundesstaaten entzogen hatte. Beide Regionen werden seit
November von der Opposition regiert, die gegen die Maßnahme protestierte. "Wenn
sie Sperenzchen machen, nehmt sie fest! Diese Einrichtungen gehören dem Volk,
nicht irgendeinem Lokalfürsten", wies Präsident Hugo Chávez in seinem
Fernsehprogramm die Militärs an. Außerdem kündigte er die Ernennung eines
"Präfekten für Caracas" an, der dem im November gewählten, oppositionellen
Hauptstadtbürgermeister Konkurrenz machen soll. "Diese Revolution radikalisiert
sich, wir werden die Oligarchen bis aufs Blut bekämpfen!", verkündete er.
Außerdem beantragte die Staatsanwaltschaft einen Haftbefehl gegen
Oppositionsführer Manuel Rosales, der während seiner Zeit als Gouverneur von
Zulia Gelder veruntreut haben soll.
Am Freitag
dann kündigte Chávez die Verstaatlichung der Tochter der spanischen
Santander-Bank an. Aus Kreisen war bislang verlautet, der Schritt werde
frühestens kommendes Jahr erfolgen. Mit der Verstaatlichung der Banco de
Venezuela werde das nationale öffentliche Bankensystem gestärkt, sagte Chávez,
der schon Firmen aus den Branchen Energie, Stahl und Zement in die Hand des
Staats überführte. SW/rtr
Das
Märchen vom Staatsstreich in Honduras
Von Hildegard Stausberg 30. Juni 2009, 18:03 Uhr
Mit Hilfe
seines engen Freundes Hugo Chávez hat Honduras Präsident Manuel Zelaya sich zum
Opfer eines Militärputsches stilisiert. Doch die Wahrheit ist eine andere.
Zelaya war es, der Schritt für Schritt auf einen Verfassungsbruch und einen
Staatsstreich zusteuerte.
Foto: REUTERS
Gute
Freunde: Der Präsident von Honduras, Manuel Zelaya (links) und sein Amtskollege
aus Venezuela, Hugo Chávez
Es gab
keinen Staatsstreich. Es gab – auf Geheiß des Parlaments – die gewaltsame
Entfernung eines Präsidenten, der Schritt für Schritt auf Verfassungsbruch und
Staatsstreich zusteuerte. Dieser Präsident war Manuel Zelaya, ein enger Freund
von Hugo Chávez. Wo es ums politische Zündeln geht, ist Chávez unübertroffen.
Und auch seine Alliierten verstehen dies glänzend und sind untereinander aufs
engste vernetzt. So ermöglichen sie jetzt Zelaya, sich auf internationaler Bühne
medienwirksam in eine Opferrolle hineinzusteigern. Wer die Lage nicht kennt,
fällt darauf rein.
Zelayas
Mandat läuft in wenigen Monaten aus. Eine direkte Wiederwahl sieht die
Verfassung nicht vor. Also betrieb er mit allen Mitteln – auch illegalen – eine
Verfassungsänderung. So wie dies im Muster der chavistischen Machtergreifungen
in der Region überall abläuft – zuerst in Venezuela selbst, dann in Bolivien und
Ecuador; in Nicaragua und Paraguay ist es geplant.
Völlig
vergessen werden nun die von Zelaya seit Monaten betriebene politische
Eskalation und seine Verfassungsbrüche. Nur diese aber erklären, warum die
Abgeordneten seines eigenen Kongresses einstimmig für seine Absetzung votierten.
Sie ziehen ihn der mehrfachen Verletzung der Verfassung und der Nichtbeachtung
der Entscheidungen des Obersten Gerichtshofs: Für sie regierte Zelaya nicht mehr
verfassungskonform. Und der neue Präsident Roberto Micheletti wurde nicht von
irgendeiner blutigen Militärjunta eingesetzt, sondern – als bis dahin
amtierender Parlamentspräsident – einstimmig von den Abgeordneten zum
Präsidenten gewählt. Alle Mitglieder der Regung Zelaya – mit Ausnahme der
Außenministerin Patricia Rodas, die sich in Mexiko befindet – sind in Honduras
geblieben. Rodas war noch in der vergangenen Woche bei Chávez.
Die
wachsende Gewalttätigkeit in den Straßen von Honduras geht nach Ansicht von
Beobachtern zunehmend von den Zelaya-Anhängern aus. Für Christian Lüth,
Vertreter der Friedrich-Naumann-Stiftung in Tegucigalpa, eindeutig von den
Demonstranten: „Diese schießen auf die Polizisten, nicht umgekehrt, das hat es
so noch nie gegeben; schon längst spekulieren hiesige Medien, dass Agitatoren
aus Venezuela und Kuba dahinter stehen“, so Lüth im Gespräch mit WELT ONLINE.
Diese
Fakten sind so wenig bekannt, weil sich bis zum Sonntag kaum jemand für Honduras
interessierte, ein Land von der Größe Portugals, mit sieben Million Einwohnern.
Was wäre passiert, wenn Zelaya dort – gegen das Votum des Parlaments und des
Obersten Gerichtshofs – am Sonntag mit den aus Venezuela eingeflogenen Urnen und
Stimmzetteln sein Plebiszit abgehalten hätte? Es ist fraglich, ob jemand
protestiert und die Einhaltung der verfassungsmäßigen Ordnung angemahnt hätte
oder ob die internationale Staatengemeinschaft gegen Zelaya vorgegangen wäre.
Jetzt
läuft das politische Drehbuch ab, das man aus den Ländern der „bolivarianischen
Staatengemeinschaft“ kennt. Erschreckend ist die Reaktion der Organisation
Amerikanischer Staaten (OAS). Dieselbe Organisation, aus der Chávez vor kurzem
noch austreten wollte, weil in ihr nicht nur die Latino-Länder, sondern auch
Washington und Kanada vertreten sind, stellt sich nun völlig unkritisch an die
Seite der Staaten des chavistischen Staatenbundes Alba. Interessant ist auch,
wie Zelaya so schnell einen Auftritt vor den Vereinten Nationen bekam.
Eingeladen hat ihn der Präsident der UN-Vollversammlung, Miguel d’Èscoto
Brockmann – als ehemaliger sandinistischer Außenminister ein alter Kumpel des
nicaraguanischen Präsidenten Daniel Ortega, einem Intimus von Chávez.
Es wäre zu
begrüßen, wenn die UN-Vollversammlung mehr als bisher zu einer Bühne für
politisch Bedrängte werden könnte. So hätte d’Èscoto Brockmann auch den Führer
der iranischen Opposition dorthin bitten können, damit dieser seine Sicht
vortragen kann. Aber das ist sehr unwahrscheinlich: Irans Präsident Mahmud
Ahmadinedschad ist ein Freund von Chávez.
Militärputsch
Chavez
kündigt Gegenschlag in Honduras an
Von Hildegard Stausberg 29. Juni 2009, 16:03 Uhr
Der
gestürzte Präsident von Honduras hat seine Rückkehr angekündigt. Unterstützt
wird Manuel Zelaya von Venezuelas Staatschef Hugo Chávez. Und der kündigte an,
Zelayas Nachfolger Roberto Micheletti abzusetzen "wenn nötig auch mit Gewalt".
Micheletti setzt auf die Unterstützung des Volkes.
Nach dem
Staatsstreich in Honduras am Sonntag kämpfen zwei Männer um die Macht: Der vom
Militär abgesetzte Präsident Manuel Zelaya und der vom Abgeordnetenhaus danach
einstimmig zum neuen Staatschef gewählte bisherige Parlamentspräsident Roberto
Micheletti. Beide gehören der Liberalen Partei (PL) an, deren Mehrheit sich in
den letzten Monaten immer mehr von Zelaya distanzierte und deren
Parlamentsabgeordnete für die Absetzung Zelayas stimmten
Micheletti
bekräftigte in einer Rede an die Nation, die Macht nicht durch einen
Staatsstreich übernommen zu haben, „sondern als Ergebnis eines absolut legalen
Übergangsprozesses“. Die Streitkräfte hätten gehandelt „auf Anordnung des
Obersten Gerichtshofes, der Generalstaatsanwaltschaft“ und unter Zustimmung der
überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung: „Ich bin sicher, dass 80 bis 90 Prozent
der Honduraner zufrieden sind mit dem, was passiert ist.“ Insofern übernehme er
das Präsidentschaftsamt „mit dem uneingeschränkten Respekt für die Verfassung,
die ich strikt befolgen werde“.
Zeleya
wiederum sagte in Managua, wo er sich zu einem Treffen mit den Präsidenten der
vom venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez gegründeten Staatengemeinschaft Alba
aufhält: „Ich bin der legitime Präsident und werde nach Honduras zurückkehren.“
Chávez behauptete unterdessen, seine Truppen in Alarmbereitschaft versetzt zu
haben für den Fall, dass die venezolanische Botschaft in Tegucigalpa angegriffen
würde. Außerdem sagte er wörtlich: „Wir werden Micheletti absetzen, wenn nötig
auch mit Gewalt.“ Bisher hat die Internationale Staatengemeinschaft Micheletti
nicht anerkannt.
Die
Europäische Union (EU), der Generalsekretär der Vereinten Nationen Ban Ki Moon
und die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) verurteilten Zeleyas
Festnahme. Außenminister Frank-Walter Steinmeier forderte die Konfliktparteien
dazu auf, „zum Dialog zurückzukehren und eine friedliche Lösung zu finden, die
Demokratie und Rechtstaatlichkeit gerecht wird“.
Allerdings
hatte gerade Zelaya die Verfassung seines Landes in den letzten Monaten
systematisch gebrochen hat, um über ein in der Verfassung gar nicht vorgesehenes
Referendum seine Wiederwahl zu betreiben. Das Mandat des Präsidenten wäre im
Januar 2010 ausgelaufen, eine direkte Wiederwahl nicht möglich gewesen. Deshalb
hatte Zelaya seit Monaten die Einberufung eines Referendums betrieben, dass die
Verfassung ändern sollte, um seine Wiederwahl zu gewährleisten. Allerdings
lehnte das Parlament dieses Referendum am Dienstag rundweg ab. Das Oberste
Wahlgericht des Landes schloss sich dieser Entscheidung an.
Die
Streitkräfte erklärten daraufhin, dass sie dann ebenfalls das Referendum nicht
akzeptieren könnten, woraufhin Zelaya kurzerhand Verteidigungsminister Romeo
Vásquez absetzte. Der Oberste Gerichtshof entschied aber, dass dieser wieder
eingesetzt werden müsste. Daraufhin drang Zelaya mit Gefolgsleuten in eine
Kaserne ein, wo sich die aus Venezuela eingeflogenen Urnen und Wahlzettel
befanden und brachte diese in den Präsidentenpalast. Er begründete den Raub
damit, dass er sich „die Gabe Gottes, mit dem Volk zu sprechen nicht von einigen
Abgeordneten verbieten lasse“.
Christian
Lüth, der Vertreter der Friedrich-Naumann-Stiftung in Tegucigalpa, bekräftigte
in einem Kurzbericht zur politischen Lage, dass Präsident Zeleya nicht „ganz
unschuldig“ sei an der Entwicklung seines Landes, da er die Legislative und die
staatlichen Institutionen mit einer nichtverfassungskonformen Volksbefragung
provoziere. Deshalb sei er „mehr Täter als Opfer“. Auch Tjark Egenhoff, der
Vertreter der Konrad-Adenauer-Stiftung in Honduras, wies daraufhin, dass Zeleya
an der seit Monaten andauernden politischen Eskalation ein gehörig Maß an
Mitschuld trage, weshalb sich auch „alle politischen Parteien“ hinter den neuen
Präsidenten Micheletti gestellt hätten.
Krise in
Honduras
"Hugo
Chavez führt Regie in Mittelamerika"
Von Hildegard Stausberg 2. Juli 2009, 17:55 Uhr
Aus
Protest gegen den Sturz des Staatschefs in Honduras hat die EU ihre Botschafter
zurückgezogen. Europa plädiert für eine Rückkehr von Manuel Zelaya. Doch hat er
das überhaupt verdient? FDP-Experte Hoyer warnt, Zelaya zum Märtyrer zu
stilisieren – und Venezuelas Präsident Chavez auf den Leim zu gehen.
WELT
ONLINE: Herr Hoyer,
gab es in Honduras einen Militärputsch?
Werner
Hoyer: Es wäre
der erste Militärputsch in der Geschichte, der auf Anordnung eines Obersten
Gerichtes und des gesamten Parlamentes stattgefunden hätte. Was da vor sich
ging, ist ein ziemlich tollpatschiger Versuch der Lösung einer Verfassungskrise,
die ausgelöst wurde durch den Streit verschiedener Verfassungsorgane.
Tollpatschig insofern, als durch die Art des Vorgehens des Militärs Präsident
Zelaya, der die Verfassungskrise durch seinen Verfassungsbruch erst ausgelöst
hat, am Ende als Märtyrer dasteht. Insofern ist das, was der Parlamentspräsident
Micheletti da gemacht hat, ausgesprochen unklug gewesen – und das kann man so
nicht akzeptieren.
WELT
ONLINE: Was war
der Hintergrund für diese Krise?
Hoyer:
Zelaya hatte versucht, sich zu einem traditionellen Caudillo zu machen, indem er
die Verfassung aushebeln wollte, die eine Wiederwahl des Präsidenten eindeutig
nicht zulässt. Er hat versucht, das durch ein Referendum hinzubekommen. Ein
solches Referendum sieht wiederum die Verfassung von Honduras nicht vor. Und so
haben – verständlicherweise – der Oberste Gerichtshof und das Parlament dieses
Referendum abgelehnt. Aber Zelaya wollte dies nicht akzeptieren. Er hat sich
sogar die Urnen und Wahlzettel, die übrigens aus Venezuela eingeflogen worden
waren, durch einen Einbruch aus einer Kaserne, wo das aufbewahrt war,
herausholen lassen. Das ist schon ein ziemlich unglaublicher Vorgang. Und
deshalb ist der Vorwurf des Verfassungsbruchs, der ihm in Honduras gemacht wird,
nicht so ohne weiteres von der Hand zu weisen.
Werner Hoyer
WELT
ONLINE: Warum
kommen denn die Urnen und Wahlzettel für ein Referendum in Honduras aus
Venezuela?
Hoyer:
Weil das
Textbuch, für das, was sich in diesen Tagen in und um Mittelamerika herum
abspielt, in Caracas von Präsident Hugo Chávez geschrieben wird. Chávez führt da
seit längerem die Regie. Übrigens auch in dieser sich zur Zeit durchaus brisant
entwickelnden Phase. Und deshalb ist es schon erstaunlich, wie schnell sich
Staatsmänner und Staatsfrauen aus der ganzen Welt vor den Karren von Chávez, des
bolivianischen Präsidenten Morales und einer demokratisch so fragwürdigen
Gestalt wie Daniel Ortega, dem Präsidenten von Nicaragua, haben spannen lassen.
WELT
ONLINE: Und wie
erklären Sie sich den Auftritt Zelayas vor den Vereinten Nationen und die
Resolution zu seinen Gunsten?
Hoyer:
Zuerst
einmal ist der Präsident der Generalversammlung, der ehemalige sandinistische
Außenminister Miguel d`Escoto Brockmann, ein enger Vertrauter von Chávez und
Ortega. Deshalb ging das auch alles so blitzschnell. Und dann hat auf einer
relativ schwachen Informationsbasis, einer von Chávez glänzend manipulierten
öffentlichen Meinung und einer übereilten Entscheidung des Rates der
Europäischen Union auf Korfu, die von Spanien initiiert war, in den Vereinten
Nationen gewissermaßen ein Hochamt der politischen Korrektheit stattgefunden.
Denn wenn einmal der Begriff Militärputsch in der Welt ist, dann ist es schwer,
überhaupt noch ruhig und sachlich mit Fakten und Zusammenhängen zu
argumentieren. Denn niemand will einen Militärputsch rechtfertigen. Und es ist
schon sehr problematisch eben diesen Begriff überhaupt zu benutzen. Aber da
haben eben alle geradezu reflexhaft angebissen und eine Rückkehr von Zelaya
gefordert – ohne diesen dazu aufzufordern, die Verfassung zu respektieren. Ich
halte das Vorgehen in den Vereinten Nationen deshalb für voreilig. Ich bin der
letzte, der damit dieses törichte und nicht zu rechtfertigende Vorgehen des
Militärs akzeptieren will. Aber die Art und Weise, wie jetzt umgekehrt der
eigentliche Ausgangspunkt, nämlich der Verfassungsbruch des Staatspräsidenten,
vollständig in den Hintergrund rückt, ist unglaublich.
WELT
ONLINE: Wie sehen
Sie denn in der EU die Rolle, die sich Spanien gern als Fürsprecher für
Lateinamerika erobert hat?
Hoyer:
Das ist
eine sehr unglückliche Entwicklung, denn es ist sicher so, dass sich viele
Menschen in Lateinamerikas nach wie vor von der früheren Kolonialmacht
bevormundet fühlen. Ich habe aber mittlerweile auch den Eindruck, dass sich die
Europäische Union längst auch von Spanien bevormunden lässt. Es ist auf jeden
Fall sehr leichtfertig, in dieser Angelegenheit den Spaniern die Federführung in
der Lateinamerikapolitik der Europäischen Union zu überlassen. Man muss die
Ereignisse in Honduras doch in einem größeren regionalen Kontext sehen. Dass
sich gegenwärtig von Chávez bis Gysi und Lafontaine alle die Hände reiben, das
muss uns zu denken geben. Dass es hier zu einer Destabilisierung auch anderer
Länder in der Region kommen kann, so wie sie von Chávez betrieben wird, liegt
auf der Hand. Und das ist sicherlich nicht im Interesse Deutschlands und Europas
und erfordert deshalb eine differenziertere Herangehensweise.
WELT
ONLINE: Sehen Sie
denn noch die Möglichkeit einer Verhandlungslösung und was sollte Europa oder
auch Berlin dabei tun?
Hoyer:
Europa
muss versuchen, dafür zu sorgen, dass Blutvergießen vermieden wird. Die Lage
schreit geradezu nach einer internationalen Vermittlung. Und wenn ich an die
achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts zurückdenke, dann sehe ich durchaus
eine Rolle für die deutsche Diplomatie. Schließlich hat die alte Bundesrepublik
mit Hans-Dietrich Genscher sehr erfolgreich den damaligen
Contadora-Friedensprozess in Mittelamerika entscheidend mit geprägt. Dort wäre
jetzt anzusetzen
WELT
ONLINE: Gibt es
eine Rolle für Oscar Arias, den Präsidenten des honduranischen Nachbarlandes
Costa Rica und Friedensnobelpreisträger?
Hoyer:
Wenn man einen Friedensnobelpreis verliehen bekommen hat, hat man damit auch
eine Verpflichtung. Die EU sollte aktiv werden und sich mit einer solchen
Vertrauensperson in der Region zusammen tun.
Werner
Hoyer ist außenpolitischer Sprecher und stellvertretender Vorsitzender der FDP.
"Das
Blutvergießen muss aufhören"
Von Hildegard Stausberg 9. Juli 2009, 04:00 Uhr
Oscar
Arias schuf schon in El Salvador Frieden - Nun soll der Präsident in der Krise
in Honduras vermitteln
Berlin
- In
Lateinamerika spricht man von Costa Rica gern als der "Schweiz Mittelamerikas".
Diesen Ehrentitel tragen die knapp 4,5 Millionen "Ticos" mit Stolz, schließlich
haben sie die solideste Demokratie in der politisch unruhigen Region. Und sie
haben mit Oscar Arias Sánchez auch einen von zwei Friedensnobelpreisträgern, die
es dort je gab. Als Präsident Costa Ricas entwickelte er in der zweiten Hälfte
der 80er-Jahre des letzten Jahrhunderts den entscheidenden Friedensplan für die
damaligen Konfliktparteien in El Salvador, Nicaragua und Guatemala. Allerdings
beförderten der Fall der Mauer und die Auflösung der Sowjetunion den Frieden
entscheidend, denn Mittelamerika war damals Teil der weltweiten
Ost-West-Auseinandersetzung.
Jetzt soll
der für seine persönliche Integrität allseits geachtete Arias, der seit Mai 2006
zum zweiten Male Staatspräsident Costa Ricas ist, im Honduras-Konflikt
vermitteln. Zumindest haben der vor zehn Tagen vom honduranischen Militär außer
Landes gebrachte Präsident Manuel Zelaya und der daraufhin vom Parlament zum
Nachfolger gewählte Roberto Micheletti sich darauf verständigt. Auch die
amerikanische Außenministerin Hillary Clinton, die Zelaya in Washington empfing,
zeigte sich erfreut über diese Entwicklung.
Arias sei,
so Frau Clinton, "die Person mit dem höchsten Ansehen", um diesen
Vermittlungsversuch erfolgreich zu bewerkstelligen. Sie sei "sehr froh", dass
Zelaya dies akzeptiert habe, denn dieser Verhandlungsansatz sei besser, als
jetzt sofort noch einmal nach Honduras zurückzukehren. Unterdessen ist eine
hochrangig besetzte Delegation der neuen honduranischen Regierung nach
Washington gereist, um dort die Entwicklung der letzten Wochen zu erklären: Fast
das gesamte Kabinett der Regierung Zelaya arbeitet mittlerweile für Micheletti.
Aus der Region gibt es außerdem noch ein zweites Vermittlungsangebot von der
neuen Regierung in Panama.
Dem 1940
geborenen Arias fällt keine leichte Aufgabe zu. Denn zumindest bisher sind die
Positionen beider Seiten noch völlig gegensätzlich. Zelaya beharrt darauf,
sofort zurückkehren zu können. Micheletti wiederum will dem nicht zustimmen.
Nun hat
auch der Oberste Gerichtshof in Honduras' Hauptstadt Tegucigalpa durchblicken
lassen, dass man von einer sofortigen Festnahme Zelayas wegen Machtmissbrauchs
absehen könne, um ihm erst einmal eine "politische Amnestie" zu gewähren und
damit die legale Grundlage für eine Rückkehr zu schaffen. Micheletti wiederum
bekräftigt, Arias "sehr dankbar zu sein" für sein Vermittlungsangebot.
Arias hat
keinen Zweifel daran gelassen, dass dieser für ihn einer De-facto-Regierung
vorsteht und Zelaya weiterhin der rechtmäßig gewählte Präsident sei. Gegenüber
dem britischen Sender BBC stellte er allerdings auch klar, dass er sich auf
keine "semantischen Fragen" festlegen lassen wolle: "Was ich jetzt einleiten
möchte, ist ein Dialog zwischen den beiden Seiten des Konflikts in Honduras. Die
sollen sich einfach um einen Tisch herumsetzen und endlich nur mal ruhig
miteinander sprechen; wie man das benennt, ist dann auch egal - das kann man
jetzt Verhandlung nennen oder eben auch nur Dialog."
Arias
scheint sich auch keine Illusionen zu machen über den Zeitrahmen, den das in
Anspruch nehmen könnte: "So was kann zwei oder drei Tage dauern, oder auch noch
länger - das hängt von der Flexibilität der Teilnehmer ab." Allerdings
skizzierte er auch unmissverständlich das Ziel seiner Bemühungen: "Das
Blutvergießen in Honduras muss sofort aufhören."
Das
gefährliche Spiel des Hugo Chávez
Von Hildegard Stausberg 1. Juli 2009, 04:00 Uhr
Ein
angeblicher Staatsstreich in Honduras destabilisiert Mittelamerika
Berlin
- Es gab
keinen Staatsstreich. Es gab - auf Geheiß des Parlaments - die gewaltsame
Entfernung eines Präsidenten, der Schritt für Schritt auf Verfassungsbruch und
Staatsstreich zusteuerte. Dieser Präsident war Manuel Zelaya, ein enger Freund
von Hugo Chávez. Wo es ums politische Zündeln geht, ist Chávez unübertroffen.
Und auch seine Alliierten verstehen dies glänzend und sind untereinander aufs
Engste vernetzt. So ermöglichen sie jetzt Zelaya, sich auf internationaler Bühne
medienwirksam in eine Opferrolle hineinzusteigern. Wer die Lage nicht kennt,
fällt darauf rein.
Zelayas
Mandat läuft in wenigen Monaten aus. Eine direkte Wiederwahl sieht die
Verfassung nicht vor. Also betrieb er mit allen Mitteln - auch illegalen - eine
Verfassungsänderung. So wie dies im Muster der chavistischen Machtergreifungen
in der Region überall abläuft - zuerst in Venezuela selbst, dann in Bolivien und
Ecuador; in Nicaragua und Paraguay ist es geplant. Völlig vergessen werden nun
die von Zelaya seit Monaten betriebene politische Eskalation und seine
Verfassungsbrüche. Nur diese aber erklären, warum die Abgeordneten seines
eigenen Kongresses einstimmig für seine Absetzung votierten. Sie ziehen ihn der
mehrfachen Verletzung der Verfassung und der Nichtbeachtung der Entscheidungen
des Obersten Gerichtshofs: Für sie regierte Zelaya nicht mehr
verfassungskonform. Und der neue Präsident Roberto Micheletti wurde nicht von
irgendeiner blutigen Militärjunta eingesetzt, sondern - als bis dahin
amtierender Parlamentspräsident - einstimmig von den Abgeordneten zum
Präsidenten gewählt. Alle Mitglieder der Regierung Zelaya - mit Ausnahme der
Außenministerin Patricia Rodas, die sich in Mexiko befindet - sind in Honduras
geblieben. Rodas war noch in der vergangenen Woche bei Chávez.
Die
wachsende Gewalttätigkeit in den Straßen von Honduras geht nach Ansicht von
Beobachtern zunehmend von den Zelaya-Anhängern aus. Für Christian Lüth,
Vertreter der Friedrich-Naumann-Stiftung in Tegucigalpa, eindeutig von den
Demonstranten: "Diese schießen auf die Polizisten, nicht umgekehrt, das hat es
so noch nie gegeben; schon längst spekulieren hiesige Medien, dass Agitatoren
aus Venezuela und Kuba dahinter stehen", sagt Lüth im Gespräch mit der WELT.
Diese
Fakten sind so wenig bekannt, weil sich bis zum Sonntag kaum jemand für Honduras
interessierte, ein Land von der Größe Portugals, mit sieben Millionen
Einwohnern. Was wäre passiert, wenn Zelaya dort - gegen das Votum des Parlaments
und des Obersten Gerichtshofs - am Sonntag mit den aus Venezuela eingeflogenen
Urnen und Stimmzetteln sein Plebiszit abgehalten hätte? Es ist fraglich, ob
jemand protestiert und die Einhaltung der verfassungsmäßigen Ordnung angemahnt
hätte oder ob die internationale Staatengemeinschaft gegen Zelaya vorgegangen
wäre.
Jetzt
läuft das politische Drehbuch ab, das man aus den Ländern der "bolivarianischen
Staatengemeinschaft" kennt. Erschreckend ist die Reaktion der Organisation
Amerikanischer Staaten (OAS). Dieselbe Organisation, aus der Chávez vor Kurzem
noch austreten wollte, weil in ihr nicht nur die Latino-Länder, sondern auch
Washington und Kanada vertreten sind, stellt sich nun völlig unkritisch an die
Seite der Staaten des chavistischen Staatenbundes Alba. Interessant ist auch,
wie Zelaya so schnell einen Auftritt vor den Vereinten Nationen bekam, wo er
gestern Nachmittag sprach und um Unterstützung bat. Die bekam er auch: Die
UN-Vollversammlung verurteilte Zelayas Sturz einmütig und forderte seine
Rückkehr an die Macht. Eingeladen hatte ihn der Präsident der
UN-Vollversammlung, Miguel d'Escoto Brockmann - als ehemaliger sandinistischer
Außenminister ein alter Kumpel von Nicaraguas Präsident Daniel Ortega, einem
Intimus von Chávez.
Zelaya hat
unterdessen angekündigt, am Donnerstag nach Honduras zurückkehren zu wollen. Der
neue Außenminister Enrique Ortez bekräftigte, die Behörden respektierten Zelaya,
er benötige aber zur Rückkehr eine Genehmigung.
Nach dem
Staatsstreich
Amerikanische Staaten werfen Honduras aus OAS
5.
Juli 2009, 13:22 Uhr
Nach dem
Sturz des Präsidenten Manuel Zelaya hat die Organisation Amerikanischer Staaten
(OAS) Honduras ausgeschlossen. Damit ist die Interimsregierung international
isoliert. Außer Honduras wurde in der Geschichte des Staatenbundes nur Kuba
zwangsweise ausgeschlossen.
Die
Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) hat Honduras wegen des Staatsstreichs
gegen Präsident Manuel Zelaya ausgeschlossen. Auf einer Sondersitzung der
OAS-Generalversammlung in Washington stimmten 33 der 34 Mitgliedsstaaten für den
Ausschluss. Zelaya nannte die Putschregierung in seiner Heimat ein
„Terrorregime“ und bekräftigte sein Vorhaben, am Sonntag nach Honduras
zurückzukehren.
OAS-Generalsekretär José Miguel Insulza bezeichnete den Ausschluss von Honduras
in seiner Rede als alternativlos. Die honduranische Regierung unter
Interimspräsident Roberto Micheletti hatte in Erwartung der Entscheidung bereits
vor der Sondersitzung ihren Austritt aus dem Regionalbündnis erklärt. Insulza
hatte dies aber als rechtlich ungültig zurückgewiesen, da die Austrittserklärung
von einer international nicht anerkannten Regierung stamme.
In der
verabschiedeten OAS-Erklärung wurde die Übergangsführung in Honduras
aufgefordert, die Menschenrechte zu respektieren. Nach dem Putsch wurden in dem
mittelamerikanischen Land Bürgerrechte wie die Bewegungs- und
Versammlungsfreiheit eingeschränkt. Die Resolution rief zudem die OAS-Mitglieder
sowie internationale Organisationen auf, ihre „Beziehungen zu Honduras zu
prüfen“. Honduras ist das erste Land seit Kuba 1962, das den Staatenbund
zwangsweise verlassen muss.
Zelaya
nahm ebenfalls an der Sondersitzung teil und bekräftigte in einer Rede sein
Vorhaben, am Sonntag in Begleitung mehrerer befreundeter Staatschefs in seine
Heimat zurückkehren. Es wurde erwartet, dass Ecuadors Präsident Rafael Correa,
Argentiniens Staatschefin Cristina Kirchner sowie ihr paraguayischer Kollege
Fernando Lugo ihn begleiten. „Ich kehre zurück, weil das Land zum Frieden
zurückkehren muss“, sagte Zelaya. Er sei „optimistisch“, da die Putschisten
international „vollkommen isoliert“ seien.
Zelaya
kritisierte die Interimsregierung als „Terrorregime“. Seit seinem Sturz habe die
Bevölkerung in Honduras gelitten und „Tage der Unterdrückung“ erlebt. Zelaya war
vor einer Woche im Morgengrauen von der Armee festgenommen und nach Costa Rica
gebracht worden. Seitdem demonstrierten seine Anhänger täglich für die Rückkehr
Zelayas. Dabei kam es immer wieder zu Zusammenstößen mit Sicherheitskräften. Die
Zahl der Verletzten und Festgenommenen ist unklar. Der Putsch war international
scharf kritisiert worden.
Übergangspräsident Micheletti warnte Zelaya vor einer Rückkehr. Zelaya werde
verhaftet, sobald „er einen Fuß auf honduranischen Boden setzt“, sagte
Micheletti am Samstagabend dem US-Sender CNN. Die katholische Kirche in Honduras
stellte sich hinter die Putschregierung und forderte Zelaya ebenfalls auf, nicht
nach Honduras zu kommen. Ansonsten drohe ein „Blutbad“, sagte Kardinal Oscar
Rodríguez. Den Sturz Zelayas bezeichnete er als verfassungskonformen
Regierungwechsel.
In
Honduras' Hauptstadt Tegucigalpa kündigten die teilweise aus dem ganzen Land
angereisten Anhänger Zelayas an, auf den Flughafen der Hauptstadt vorzudringen
und den gestürzten Präsidenten dort empfangen zu wollen. Bereits am Samstag
zogen tausende Unterstützer Zelayas zum Flughafen der Hauptstadt, mussten aber
an einer Absperrung des Militärs umkehren. Viele Demonstranten verbrachten die
Nacht in Sammelunterkünften, die von Universitäten und Gewerkschaften bereit
gestellt wurden. Die Rückkehr Zelayas war gegen Mittag (Ortszeit) geplant.
Mittelamerika
Einigungsvorschlag für Honduras läuft ins Leere
19. Juli 2009, 13:56 Uhr
Nach dem
Sturz des honduranischen Präsidenten Manuel Zelaya stocken die
Vermittlungsbemühungen. Die Übergangsregierung lehnt einen Vorschlag ab, nach
dem unter Zelaya als Staatsoberhaupt eine Allparteienregierung gebildet werden
solle. Die USA fürchten nun, der Geschasste könnte zu früh ins Land
zurückkehren.
Foto: AFP
Ein
Anhänger des gestürzten hondursnischen Präsidenten Zelaya demonstriert in der
Hauptstadt Tegucigalpa
Die
Übergangsregierung von Honduras hat einen Vermittlungsvorschlag Costa Ricas
abgelehnt, die Macht mit dem gestürzten Präsidenten Manuel Zelaya zu teilen.
„Derzeit gibt es keine Einigung in den Punkten, die auf dem Tisch liegen“, sagte
ein Vertreter des honduranischen Überganspräsidenten Roberto Micheletti nach
einer Verhandlungsrunde.
Honduras'
Präsident kommt nicht nach Hause
Dagegen
hatte Zelaya dem Kompromissvorschlag des costaricanischen Präsidenten Oscar
Arias zugestimmt, ins Amt zurückzukehren, die Macht aber mit seinen politischen
Gegnern zu teilen.
Der von
Arias vorgelegte Sieben-Punkte-Plan zur Lösung des Konflikts sah vor, dass
Zelaya als Präsident wieder eingesetzt und eine Regierung der nationalen Einheit
gebildet wird, der alle politischen Parteien des Landes angehören.
Der
Friedensnobelpreisträger schlug außerdem eine Generalamnestie für alle vor, die
nach dem Militärputsch Ende Juni politische Verbrechen begangen haben.
Ferner
soll Zelaya auf das von ihm angestrebte Referendum verzichten, mit dem er sich
eine weitere Amtszeit sichern wollte. Dieses Vorhaben gab letztendlich den
Ausschlag für seinen Gegner, ihn zu stürzen.
Die
US-Regierung ist einem hochrangigen Mitarbeiter zufolge besorgt, dass Zelaya
ohne eine Einigung bei den Verhandlungen nach Honduras zurückkehren und damit
die Spannungen in dem Land verschärfen könnte.
Das
US-Außenministerium stehe praktisch jeden Tag in Kontakt mit Zelaya, sagte der
Mitarbeiter. Offiziell halten sich die USA in der schwersten politischen Krise
in Mittelamerika seit Ende des Kalten Kriegs indes zurück.
Aus seinem
Exil in Nicaragua hatte der gestürzte Präsident mehrmals seine Rückkehr „auf die
eine oder andere Art„ angekündigt. Die Übergangsregierung hatte in dem Fall mit
seiner Verhaftung in Honduras gedroht.
Zelaya war
während seiner Amtszeit immer weiter nach links gerückt, was ihm die
Gegnerschaft der Eliten des mittelamerikanischen Landes eintrug. Der Putsch
gegen ihn wurde weltweit verurteilt.
Staatsstreich
Warum
Europa und UN bei Honduras falsch liegen
Von Christian Lüth 4. Juli 2009, 14:30 Uhr
Europa und
die Vereinten Nationen schlagen sich einseitig auf die Seite des abgesetzten
honduranischen Präsidenten Manuel Zelaya. Doch damit tun sie denen, die Zelaya
des Landes verwiesen, unrecht. Denn der angebliche Putsch wurde von den
gewählten Volksvertretern beschlossen und diente der Wahrung der
Landesverfassung.
Honduras
ist ein kleines, für viele unbekanntes Land, das schon einiges hat erleiden
müssen. Etwa die verheerende Naturkatastrophe durch den Hurrikan „Mitch“ 1999,
von der sich das Land bis heute nicht erholt hat. Dabei hat Honduras, zwischen
Maya-Tempeln und Karibikstränden, sehr viel zu bieten. Die Einwohner sind
freundlich, etwas verschlafen, genauso wie die vergleichsweise kleine, ziemlich
verbaute Hauptstadt Tegucigalpa, die mit rund einer Million Einwohnern eher zur
Provinz Zentralamerikas gehört.
Deshalb
sind die Hauptstädter ob der gewalttätigen Geschehnisse der letzten Tage auch so
verstört. Es gibt im Moment kein anderes Gesprächsthema in den Supermärkten und
Kantinen, wo sonst über Telenovelas und Fußball gefachsimpelt wird – die jüngste
Sensation war, dass das Nationalteam von Honduras sich noch immer die
Möglichkeit bewahrt hat, an der WM in Südafrika teilzunehmen. Die aktuelle
Ausgangssperre bereitete den vergnüglichen Abenden in der Hauptstadt ein jähes
Ende.
33 Jahre
liegt es mittlerweile zurück, dass dieses verschlafene Volk einen coup d´état
über sich ergehen lassen musste. Damals riss eine Militärjunta die Macht
gewaltsam an sich und regierte bis 1981 mit harter Hand. Darum ist es durchaus
verständlich, wenn sich die Weltöffentlichkeit, allen voran die EU-Staaten, in
der ersten Schrecksekunde an diese Zeit erinnert fühlten, als sie von einer
Entmachtung des Staatspräsidenten von Honduras durch das Militär am vergangenen
Sonntag hörten.
Wenn ein
entmachteter Staatspräsident vom Militär seines Landes im Schlafanzug in einer
Nacht- und Nebelaktion ins Ausland geflogen wird und eine halbe Stunde später
auf allen Fernsehkanälen in diesem Aufzug erscheint, weckt das natürlich
Erinnerungen an Militärputsche. Dies erst recht, wenn der Vorwurf eines
Staatsstreichs durch die Militärs erhoben wird. Bestärkt wird das Bild durch die
Tatsache, dass der neue Machthaber am nächsten Tag eine Nachrichtensperre
verhängt, die Militärs lobt und sich mit ihnen in Siegerpose ablichten lässt.
Das lässt
in der Ferne keinen Zweifel daran aufkommen, dass es sich um einen gewaltsamen
Staatsstreich durch rechte Militärs in Honduras handeln muss. Wozu noch genauer
hinsehen, wozu weitere Fragen stellen? Der gestürzte Präsident muss sofort
wieder ins Amt zurückkehren, Demokratie muss wiederhergestellt werden; ein
Skandal, dass derlei überhaupt noch möglich ist!
Schade
nur, dass kaum jemand am 28. Juni und in den Tagen danach einmal genauer
nachgefragt hat. Dann wäre nämlich aufgefallen, dass dieser „Militärputsch“ von
rechtmäßig gewählten Volksvertretern, den Abgeordneten des Nationalparlaments
und des Obersten Gerichtshofes angeordnet wurde – und zwar mit einer
parlamentarischen Mehrheit von 124 zu vier Stimmen – über die Fraktionsgrenzen
hinweg. Eine weitere Tatsache, die sicherlich nicht dem Bild eines
Militärputsches entspricht, ist ein gegen den gestürzten Präsidenten
ausgestellter Haftbefehl, der aus mehreren laufenden Gerichtsverfahren
resultiert. Wie passt das nun alles zusammen?
Zelaya
trägt in hohem Mass selbst Schuld an Absetzung
Die
aktuelle politische Entwicklung um den gestürzten Präsidenten, „Mel“ Zelaya,
beginnt nicht erst am 28. Juni, am Tag seiner Entmachtung. Zelaya hat eine lange
politische Vorgeschichte und ist in einem sehr hohen Maß selbst an seiner
Absetzung schuld. Dass kaum jemand den gestürzten Präsidenten kritisch
hinterfragt und die politische Entwicklung in Honduras differenziert und neutral
bewertet, hat seine Gründe: Niemand hat sich in den letzten Wochen und Monaten
wirklich für die politische Entwicklung in Honduras interessiert und jetzt
präsentiert sich „Mel“ Zelaya in der Opferrolle, die er in den letzten Tagen
perfekt zu spielen vermochte.
Als der
EU-Rat in Korfu und die Generalversammlung der UN entsprechend reagierten, die
Wiedereinsetzung von Zelaya forderten und den „Militärputsch“ verurteilten, war
die Sache für Zelaya perfekt. Nur: Einen Militärputsch hat es nicht gegeben -
hier sind sich alle einig, die die Lage in Honduras kennen: Diplomaten,
Journalisten, vor allem aber die Honduraner, die kaum glauben können, wie in der
ganzen Welt über das berichtet wird, was sie selbst erleben.
Ihre, die
honduranische Sicht, sieht so aus: Parlament und Justiz handelten vollkommen
verfassungskonform, das Militär griff nicht in politische Entscheidungen ein,
sondern führte ausschließlich die Befehle des Generalstaatsanwaltes und des
Obersten Gerichts aus. Es zog sich danach in die Kasernen zurück. Kein General
ist an der Macht, im Gegenteil: Die Mehrheit der neu vereidigten
Kabinettsmitglieder war bereits Mitglied der Regierung Zelaya. Von Militärjunta
keine Spur.
Zelaya
strebte Endlos-Regierung an
Tatsächlich ist es Zelaya noch in letzter Sekunde gelungen, seinen Kopf aus der
Schlinge zu ziehen, die er sich selbst durch eine ganze Reihe von
Gesetzesbrüchen umgelegt hatte. Darin liegt der Schlüssel zum Verständnis dieser
Parlamentsentscheidung und zum Verhalten des Militärs. So verweigerte Zelaya dem
Staatshaushalt des laufenden Jahres seine Unterschrift, um den durch die
Verfassung festgelegten Wahlkalender aus den Angeln zu heben. Denn die
Vorbereitungen der für November 2009 angesetzten Präsidentschaftswahlen hätten
mit Haushaltsmitteln zu Jahresbeginn abgedeckt sein müssen. Seine Kritikern
unterstellten ihm, dass er so die Finanzierung der Wahl seines Nachfolgers
verhindern wollte, was bedeutet hätte, dass Zelaya über den verfassungsmäßigen
Zeitrahmen hinaus im Amt geblieben wäre.
Besonders
fragwürdig, in jedem Fall nicht verfassungskonform, ist die von Zelaya
vorangetriebene „Volksbefragung“, die am Tage seiner Amtsenthebung stattfinden
sollte. Diese hatte zum Ziel, das Volk zu befragen, ob es im November parallel
zur Präsidentschaftswahl in einem –wiederum nicht verfassungskonformen –
Referendum über die Einberufung einer „Verfassungsgebenden Versammlung“
entscheiden wolle. Nur sind weder eine Volksbefragung noch eine
„Verfassungsgebende Versammlung“ im honduranischen Grundgesetz vorgesehen.
Zelaya versuchte also, die demokratischen Institutionen des Landes zu umgehen.
Der Grund dafür war, dass er im Parlament niemals die für eine
Verfassungsänderung notwendige Dreiviertel-Mehrheit erhalten hätte. Auch wenn er
dies jetzt bestreitet ist es offensichtlich: Es ging ihm darum, seine von der
Verfassung ausgeschlossene Wiederwahl zu ermöglichen.
Die
Situation eskalierte, als Zelaya den Streitkräften den Befehl erteilte, ihn bei
seiner verfassungswidrigen „Volksbefragung“ logistisch zu unterstützen und die
Militärführung dies – gestützt auf einen Beschluss der Generalstaatsanwaltschaft
– ablehnte. Zelaya setzte daraufhin die Militärführung ab. Er nahm in Kauf, dass
sein Vorgehen eine Verfassungskrise heraufbeschwören würde, da die Streitkräfte
in Honduras dem Präsidenten unterstehen, aber natürlich auch den Auftrag haben,
die Verfassung zu schützen.
Entmachtung erfolgte zum Schutz der Verfassung
Verfolgt
man diese Kette von Ereignissen, stellt sich die Entmachtung Zelayas ganz anders
dar: Die Entmachtung Zelayas wurde zwar vom Militär ausgeführt, jedoch in
rechtmäßiger Weise auf Befehl der Justiz und des Parlamentes. Man kann also
nicht von einer „Militärjunta“ sprechen, die aktuell die Macht in Honduras
übernommen hätte. Vielmehr hat der Parlamentspräsident im Auftrag des Parlaments
die Regierungsverantwortung übernommen, wie es die Verfassung in einem solchen
Fall vorsieht. Ein Parlamentspräsident, der an den Präsidentschaftswahlen im
November festhält und in dieser Interimszeit Verantwortung für das Land
übernommen hat.
Die
Vizepräsidentin des Parlaments, Mary Elizabeth Flores, sagt dazu: „Die Welt soll
wissen, dass CNN sie falsch informiert hat. Es tut Not, dass die internationale
Gemeinschaft korrekt informiert wird und erfährt, wer der wahre Verfassungsfeind
ist.“ Genauso sehen es die Demonstranten auf der Plaza Central von Tegucigalpa,
die gegen eine Rückkehr von „Mel“ Zelaya sind und für den Frieden auf die Straße
gehen. „Wenn Mel an der Macht geblieben wäre, hätten wir alle einpacken können“,
sagt etwa Marvin Redondo, Angestellter einer privaten Telefongesellschaft:
„Stell dir nur vor, der wollte für immer regieren! Wir wollen keine Hugo
Chávez-Kopie in Honduras!“.
Honduras
braucht Vermittlung statt Sanktionen
Noch ist
die Situation nicht entschärft. Zelaya möchte nach wie vor zurück an die Macht:
Er sei sich der Unterstützung der USA und der internationalen Gemeinschaft
sicher und werde – wenn es sein müsse mit militärischer Hilfe von Venezuelas
Präsident Hugo Chávez – binnen 72 Stunden zurück in Honduras und wieder im Amt
sein. Chávez selbst lässt keinen Zweifel an seiner Unterstützung: „Wir werden
Micheletti stürzen!“, polterte er, Truppen stünden in Nicaragua an der Grenze zu
Honduras dafür bereit. Das ist die große Sorge der Honduraner – der Verlust
ihrer nationalen Souveränität und eine Einmischung von außen. Micheletti bot
derweil an, die Präsidentschaftswahlen vorzuziehen, um keinen Zweifel an seinen
Absichten zu lassen und die Krise zu entschärfen.
Gerade
weil sich beide Opponenten so sehr im Recht fühlen ist die Situation
brandgefährlich. Sie erfordert internationale Vermittlung. Denn Honduras ist
auch nicht geholfen, wenn Micheletti in dieser verfahrenen Situation stur auf
die Verfassung pocht, das bitterarme Land aber unter politischer und
wirtschaftlicher Isolation leidet. Die Situation verlangt also nach einem
neutralen und erfahrenen internationalen Vermittler. Zugleich ist es aber
notwendig, dass die internationalen Medien ein realistisches Bild von der Lage
in Honduras zeichnen.
Christian
Lüth ist Projektleiter der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit in
Tegucigalpa
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